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Plakatmotiv: Der letzte Scharfschütze (1976)

Zum Abschied steigt der
Duke in die Straßenbahn

Titel Der letzte Scharfschütze
(The Shootist)
Drehbuch Miles Hood Swarthout + Scott Hale
nach einem Roman von Glendon Swarthout
Regie Don Siegel, USA 1976
Darsteller

John Wayne, Lauren Bacall, Ron Howard, James Stewart, Richard Boone, Hugh O'Brian, Bill McKinney, Harry Morgan, John Carradine, Sheree North, Rick Lenz, Scatman Crothers, Gregg Palmer, Alfred Dennis, Dick Winslow u.a.

Genre Western
Filmlänge 100 Minuten
Deutschlandstart
23. September 1977
Inhalt

In Carson City fahren schon Autos und Pferdebahnen, als der berühmte Scharfschütze John Bernard Books in die Stadt kommt. Die Epoche des Wilden Westens liegt in ihren letzten Zügen – und mit ihr der größte Held, den sie hervorgebracht hat: J. B. Books. Inkognito besucht er den wahrscheinlich einzigen Menschen, dem er so etwas wie Vertrauen entgegenbringt, Doc Hostetler. Und der hat keine guten Neuigkeiten für ihn. Krebs, fortgeschritten und inoperabel, so lautet die Diagnose.

Books beschließt, sich ein paar nette letzte Tage zu machen. Ein Heim hat er nicht und kann es sich in der Kürze der Zeit nicht verschaffen, also mietet er sich bei der Witwe Rogers und deren Sohn Gillom ein. Als der entdeckt, wer Books ist, möchte die Frau ihn loswerden. Books erklärt ihr, wie es um ihn steht, und darf bleiben. Aus der Abneigung von Mrs. Rogers wird Mitgefühl.

Plakatmotiv: The Shootist – Der letzte Scharfschütze (1976)Dagegen versuchen andere, noch rasch Geschäfte mit Books zu machen. Angewidert und von wachsenden Schmerzen gequält, hat Books schließlich nur noch den Wunsch, sich einen angemessenen Abgang zu verschaffen. Durch Gillom lässt er drei Männer in den Saloon bestellen, um gegen sie zu seinem letzten Showdown anzutreten …

Was zu sagen wäre

Books“, schnauzt der Sheriff, der eben noch davon geschwärmt hat, wie der Berufsspieler Pulford im Saloon einen Mann aus 30 Metern mitten ins Herz getroffen hat, J.B.Books an. „Wir haben das Jahr 1901. Die alten Tage sind vorbei und das wissen Sie genau. Wir haben ein Wasserwerk und Telefon und elektrisches Licht. Aber erst, wenn wir alle Typen wie Sie los sind! Dann wird das hier ein verdammt schöner Garten Eden werden. Um es mal in ganz schlichte Worte zu fassen: Sie haben Ihre Zeit überlebt. Sie sind überfällig!

Später setzt sich John Bernard Books in die (noch von einem Pferd gezogene) Straßenbahn und fährt zu seinem letzten Shootout. Sein Pferd hat er verschenkt. John Wayne verabschiedet sich aus der aktiven Filmgeschichte als vom Krebs zerfressener Revolverheld, der den Tod in Stiefeln dem vor Schmerzen schreiend vorzieht (McQ schlägt zu – 1974; El Dorado – 1967; Die vier Söhne der Katie Elder – 1965; Held der Arena – 1964; Hatari! – 1962; Der Mann, der Liberty Valance erschoss – 1962; Das war der Wilde Westen – 1962; Land der 1000 Abenteuer – 1960; Alamo – 1960; Rio Bravo – 1959; Der letzte Befehl – 1959; Der schwarze Falke – 1956; Der See-Fuchs – 1955; Rio Grande – 1950; Der Teufelshauptmann – 1949; "Red River" – 1948; Die Freibeuterin – 1942; Ringo – 1939). Zwei Jahre und elf Monate nach diesem letzten Auftritt vor einer Filmkamera stirbt Marion Mitchell Morrison, dem der Regisseur Raoul Walsh für die Karriere den Namen John Wayne gab, am 11. Juni 1979 – an Krebs.

Plakatmotiv: The Shootist – Der letzte Scharfschütze (1976)Don Siegel, der auf dem Regiestuhl Platz genommen hat ("Die schwarze Windmühle" – 1974; Dirty Harry – 1971; Betrogen – 1971; Ein Fressen für die Geier – 1970; Coogans großer Bluff – 1968; Nur noch 72 Stunden – 1968; Die Dämonischen – 1956), inszeniert dem "Duke" einen würdigen Abgang. Wayne spielt noch einmal den bärbeißigen, raubeinigen Westerner, den er in seiner 50 Jahre währenden Filmkarriere zu Perfektion entwickelt hat, zunehmend gewürzt mit selbstironischem Unterton. Letzterer schießt in diesem Film über das Ziel hinaus. Die Hauptfigur hat, das erfahren wir nach etwa zehn Filmminuten, Krebs in fortgeschrittenem Stadium. Der Mann stirbt vor unseren Augen. Für selbstironische Späßchen ist da gefühlt kein Platz – nicht mal von einem Mann, der den Tod nicht fürchten mag, auch, wenn er zugibt: „Ich bin ein sterbender alter Mann, der sich vor der Dunkelheit fürchtet.

Als Frau an seine Seite stellt die Regie ihm die ehrbare Lauren Bacall (Mord im Orient-Express – 1974; Ein Fall für Harper – 1966; Wie angelt man sich einen Millionär – 1953; Gangster in Key Largo – 1948; Die schwarze Natter – 1947; Tote schlafen fest – 1946; Haben und Nichthaben – 1944), die Grund dafür ist, gerne mehr über die Dreharbeiten des Films mit diesen beiden Ikonen erfahren zu wollen. Wayne, der konservative Knochen, und die – jedenfalls zu Zeiten, die sie mit Humphrey Bogart teilte – sehr liberale Bacall hatten bestimmt viel Spaß und Gesprächsstoff am Set – nicht zuletzt auch über Howard Hawks, der für beider Karriere entscheidende Filme gedreht hat. Vor der Kamera jedenfalls lässt sich Bacall vom Titelstar des Films nicht die Butter vom Brot nehmen.

Don Siegels Film ist ein lakonischer letzter Blick. Er hat keine großartigen Höhepunkte. Er ist nicht mal aufregend spannend. Aber es weht eine Melancholie durch die staubigen Straßen, die bald asphaltiert werden sollen, die dem Film jene Sonnenuntergangsstimmung gibt, die zum Western gehört wie die Saloonschlägerei. Die Schlägerei findet nicht mehr statt. Einen Sonnenuntergang braucht Bruce Surtees' Kamera auch nicht mehr filmen – den trägt John Wayne im Herzen, als er in die Straßenbahn steigt.

Wertung: 6 von 9 D-Mark
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