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Plakatmotiv: Der längste Tag (1962)

Aufwändiges Starkino, das
den Zuschauer kalt lässt

Titel Der längste Tag
(The Longest Day)
Drehbuch Cornelius Ryan & Romain Gary & James Jones & David Pursall & Jack Seddon
nach dem Buch von Cornelius Ryan
Regie Ken Annakin + Andrew Marton + Bernhard Wicki, USA 1962
Darsteller

John Wayne, Robert Ryan, Richard Burton, Henry Fonda, Eddie Albert, Paul Anka, Arletty, Jean-Louis Barrault, Richard Beymer, Hans Christian Blech, Bourvil, Wolfgang Büttner, Red Buttons, Pauline Carton, Sean Connery, Ray Danton, Irina Demick, Fred Dur, Red Buttons, John Crawford, Fred Dur, Fabian Forte, Mel Ferrer, Steve Forrest, Henry Grace, Peter Helm, Jeffrey Hunter, Alexander Knox, Dewey Martin, Roddy McDowall, Sal Mineo, Robert Mitchum, Edmond O’Brien, Ron Randell, Tommy Sands, George Segal, Rod Steiger, Tom Tryon, Robert Wagner, Stuart Whitman, Nicholas Stuart, Frank Finlay, Leo Genn, John Gregson, Donald Houston, Peter Lawford, Arletty Bathiat, Bourvil, Pauline Carton, Michael Medwin, Howard Marion-Crawford, Kenneth More, Louis Mounier, Trevor Reid, Norman Rossington, Richard Todd, Richard Wattis, Gert Fröbe, Paul Hartmann, Ruth Hausmeister, Michael Hinz, Werner Hinz, Karl John, Curd Jürgens, Til Kiwe, Wolfgang Lukschy, Richard Münch, Kurt Meisel, Wolfgang Preiss, Heinz Reincke, Hartmut Reck, Paul Edwin Roth, Dietmar Schönherr, Ernst Schröder, Hans Söhnker, Peter Van Eyck, Vicco von Bülow (Loriot) u.a.

Genre Drama, Krieg
Filmlänge 178 Minuten
Deutschlandstart
25. Oktober 1962
Inhalt

1944, der Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs. Seit Jahren forderte die UdSSR eine Invasion der Alliierten, um die deutsche Schreckensherrschaft zu beenden. Jedoch schlug bereits 1942 eine Invasion fehl. Nun wollen die Amerikaner mit Tausenden von Schiffen in der Normandie landen.
Am 6. Juni ist es soweit, der "längste Tag" hat begonnen. Beteiligt an der Attacke waren 3.000.000 Männer, 11.000 Flugzeuge und 4.000 Schiffe, die die gigantischste Armee bildeten, die es je gab …

Was zu sagen wäre

Historiker schreiben den Filmtitel Generalfeldmarschall Erwin Rommel zu, der gegenüber seiner Ordonanz eine potenzielle Invasion der Alliierten mit „Für die Alliierten und für Deutschland wird es der längste Tag sein“ beschrieben haben soll. Das Zitat hat es auch in den Film gebracht. An anderer Stelle bezeichnet aber auch ein US-Offizier diesen 6. Juni 1944 als längsten Tag. Sie sind überhaupt sehr ähnlich in Worten und Gedanken, die Alliierten Soldaten aus Großbritannien, Frankreich, den USA und den Deutschen auf der anderen Seite. Unter anderem stöhnen Offizieren beiderseits der Front, da frage man sich doch, „auf welcher Seite Gott steht“.

Der D-Day, der Angriff der Alliierten auf die deutschen Stellungen in der Normandie, brachte die Wende im zweiten Weltkrieg. Die Alliierten hatten ihren Fuß in der Tür zum europäischen Festland, um Nachschubwege zu etablieren, und die Deutschen waren durch den Krieg an der Ostfront und den gleichzeitigen Rückzug im Süden Europas ausgezehrt. Plakatmotiv: Der längste Tag (1962) Es war eine gewaltige militärische Operation, etwa von ähnlich unbekanntem Ausmaß, wie es dieser Film darstellt.

Drei Regisseure waren beteiligt, um die Handlungsstränge der amerikanischen, britischen, französischen und deutschen Kriegsparteien in den jeweiligen Sprachen darzustellen. Große Stars des amerikanischen, britischen, französischen und deutschen Kinos haben Kurzauftritte. In langen, ungeschnittenen Einstellungen aus fliegenden Kameras werden Angriffszenarien in Echtzeit gefilmt, bei der Soldaten durch Explosionen am Strand hechten oder durch die Ruinen einer Stadt, während von zwei Seiten geschossen und gebombt wird. Produzent Darryl F. Zanuck hat großen Wert auf historische Genauigkeit gelegt und auch, wenn man das als Zuschauer im Moment nicht untermauern oder widerlegen kann, fällt auf, wenn ein Kerl wie John Wayne in der Rolle des Fallschirmjäger-Kommandanten Benjamin Vandervoort (Hatari! – 1962; Der Mann, der Liberty Valance erschoss – 1962; Das war der Wilde Westen – 1962; Die Comancheros – 1961; Land der 1000 Abenteuer – 1960; Alamo – 1960; Rio Bravo – 1959; Der letzte Befehl – 1959; Der schwarze Falke – 1956; Der See-Fuchs – 1955; Man nennt mich Hondo – 1953; Rio Grande – 1950; Der Teufelshauptmann – 1949; "Red River" – 1948; Die Freibeuterin – 1942; Ringo – 1939; Westwärts! – 1935) seine Männer mit Statistiken statt Kerlesätzen bei Laune halten muss: „Muss ich Sie wieder mal daran erinnern, dass dieser Krieg nun schon fünf Jahre dauert? Mehr als die Hälfte von Europa ist überrannt und besetzt. Für uns fängt der Schlamassel doch überhaupt erst an. England steht seit 1940 mit dem Messer an der Kehle die deutschen Luftangriffe durch. Ich glaube, die Engländer haben etwas Grund als wir, ungeduldig zu sein. Drei Millionen Mann hat man hier in England zusammengezogen, verstreut über die ganze Insel in solchen Lagern. Wir stehe heute vor dem entschiedensten Ereignis unserer Zeit. Drei Millionen Mann! Kampfbereit! Warten auf den Befehl zum Sprung über den Kanal.“ Der Monolog kommt nach ungefähr 20 Minuten, die gefüllt sind mit Szenen deutscher Spionageabwehr und Aktionen der Resistance, mit Einblicken in die deutsche Generalität und die zunehmende Ungeduld alliierter Truppenteile, die seit Wochen auf ihren Einsatz warten, bei dem das Wetter nicht mitspielt. Spätestens jetzt sind die Zuschauer informiert, wann und warum wir uns befinden, das "Wo" wechselt ständig zwischen den Fronten, das "Was" und "Wie" dokumentiert dieser Spielfilm, der drei Stunden dauert und nicht durch einen raffinierten Erzählungen auffällt. Er ist in drei etwa gleich lange Bereiche geteilt.

Im ersten Teil sieht man die Vorbereitungen der Alliierten auf den Angriff und die Abwägungen der deutschen Offiziere, wann und wo die Invasion stattfinden wird. Plakatmotiv: Der längste Tag (1962) Die französischen Widerstandskämpfer erhalten über Radio codierte Nachrichten, welche ihnen die bevorstehende Invasion ankündigen. Der zweite Teil beginnt in der Nacht vor dem Angriff und schildert wie die Alliierten auf vielfältige Weise den Angriff auf die Küstenabschnitte in der Normandie beginnen: Fallschirmjäger werden zum Teil weit verstreut im Hinterland abgesetzt und Bomber versuchen, die Bunker und Abwehrgeschütze an der Küste zu zerstören. Der dritte Teil des Filmes zeigt, wie nach der weitgehend erfolgreichen Invasion die dezimierten Verbände der Alliierten ins Landesinnere vorstoßen und verschiedene Ortschaften erobern.

Autor Cornelius Ryan, der das Drehbuch nach seiner eigenen Buchvorlage schrieb, bemüht sich um Neutralität in der Erzählung. Dass die deutschen Offiziere meist geschniegelte Uniform tragen und jederzeit schneidig sprechen, während die Alliierten schlammverkrustet und etwas müde immer noch einen lässigen Spruch für die gefährliche Situation übrig haben, lässt sich als der jeweiligen Situation geschuldet erklären. Es ist eher so, dass die deutschen Offiziere, je weiter weg sie von der Spitze im Führerhauptquartier sind, immer weniger von den militärischen Qualitäten ihres "Führers" halten. Einmal bellt ein ranghoher Offizier, gebeten, doch vielleicht „den Führer persönlich“ anzurufen, um dringend benötigte Panzerverbände freizugeben: „Ich! … soll diesen böhmischen Gefreiten anrufen??“ Tatsächlich schlief Hitler und niemand traute sich, ihn zu wecken, um ihm von der Invasion in der Normandie zu berichten. Das wirkt im Film erst albern, bis dann Curd Jürgens (Duell im Atlantik – 1957) als General der Infanterie Günther Blumentritt seine Fassungslosigkeit darüber in Großaufnahme in die Kamera stöhnt. Hitlers Nachtruhe ist historisch verbürgt, nicht verbürgt ist, dass – wie im Film – sich auch später niemand traute, ihn anzurufen, weil der Führer schlechter Laune gewesen sein soll. Politische Aspekte blendet der Film aus, konzentriert sich stattdessen auf die militärischen Strategien von uniformierten Profis vor und während eines Kampfes.

Und zwischendurch sterben viele Männer in Uniform. Hier bleibt der Film unbeteiligt. Die meisten werden im Kugelhagel getroffen und fallen um. Nur wenigen Figuren bleibt es vergönnt, dass der Zuschauer sich noch einmal kurz damit beschäftigt, dass hier gerade jemand "für sein Land" gefallen ist. Viele fallen, die wenigsten hinterlassen eine Spur. Plakatmotiv: Der längste Tag (1962) Die Invasion in der Normandie ist historisch betrachtet ein Erfolg für die alliierte Kriegführung. Den feiert dieser Film. Offenbar stört zu viel Leid sterbender Soldaten das Gesamtbild. Insgesamt lassen die Charaktere, die mehr als fünf Filmminuten haben, kalt. Es sind durch die Bank Soldaten, die in eine Schlacht ziehen. Sie haben keinen familiären oder sonstigen Hintergrund, wir erfahren kaum mehr über sie, als dass sie Schussverletzungen oder gebrochene Knochen mannhaft für das große Ziel ignorieren können. „Der da ist tot. Ich bin ein Krüppel. Und sie haben sich verirrt!“ bilanziert am Ende ein britischer Soldat den Tag gegenüber einem US-Soldaten. Als Eindruck bleibt großes Starkino, in dem alle spielen, die man so kennt, selbst Henry Fonda (Sturm über Washington – 1962; Der Stern des Gesetzes – 1957; Die zwölf Geschworenen – 1957; Der falsche Mann – 1956; Krieg und Frieden – 1956; "Bis zum letzten Mann" – 1948; Faustrecht der Prärie – 1946; Ritt zum Ox-Bow – 1942; Rache für Jesse James – 1940; Früchte des Zorns – 1940; Trommeln am Mohawk – 1939; Der junge Mr. Lincoln – 1939; Jesse James – Mann ohne Gesetz – 1939) hat für eine kleine Rolle als Präsidentensohn Theodore Roosevelt Jr. vorbeigeschaut. Über ihre eigene Klischees – Wayne, der Bärbeißige, Fonda, der Edle – bringen sie nichts mit in den Film; Robert Mitchum ist brummig loyal und kaut unablässig auf einer Zigarre herum (Ein Köder für die Bestie – 1962; Vor Hausfreunden wird gewarnt – 1960; Kilometerstein 375 – 1958; Duell im Atlantik – 1957; Die fünfte Kolonne – 1956; Die Nacht des Jägers – 1955; Fluss ohne Wiederkehr – 1954).

Der Film endet nach drei Stunden, nachdem am "Omaha-Beach" endlich und unter massiven Verlusten eine Bunkerbarriere gesprengt ist, die zwischenzeitlich den Nachschub der gesamten Operation bedroht hatte. Damit hat der Film eine Art Happy End. Er erwähnt nicht, dass die Schlacht um die Normandie, die sich anschloss und bis in den August hinein dauerte, noch deutlich mehr Opfer fordern sollte als dieser erste  und "längste" Tag.

Wertung: 4 von 7 D-Mark
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