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Plakatmotiv: Big Jake (1971)

John Wayne, Ex-Superstar,
sucht seinen Platz im Kino

Titel Big Jake
(Big Jake)
Drehbuch Harry Julian Fink & Rita M. Fink
Regie George Sherman + John Wayne (ungenannt), USA 1971
Darsteller

John Wayne, Richard Boone, Maureen O'Hara, Patrick Wayne, Christopher Mitchum, Bobby Vinton, Bruce Cabot, Glenn Corbett, Harry Carey Jr., John Doucette, Jim Davis, John Agar, Gregg Palmer, Jim Burk, Robert Warner u.a.

Genre Western, Abenteuer
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
1. Oktober 1971
Inhalt

Im Jahr 1909 wird die gewaltige, nahe der Grenze zu Mexiko gelegene Ranch von Martha McCandles überfallen. Der Bandit John Fain richtet mit seiner Bande ein Blutbad an und entführt den Enkel der seit neun Jahren von ihrem Mann Jacob alias Jake getrennt lebenden Besitzerin, um ein Lösegeld in Höhe von einer Million Dollar einzufordern.

Martha schlägt die Hilfsangebote von Army und der Texas-Rangers aus und lässt stattdessen Jacob benachrichtigen. Dieser Jacob ist in der Zeit stehen geblieben. Plakatmotiv: Big Jake (1971) Die moderne Welt mit Autos, Motorrädern, echten Gesetzen ist nicht seine Welt. Er vertraut lieber auf sein Pferd, seinen Hund und seinen Instinkt.

Gemeinsam mit einem indianischen Freund Sam macht er sich selber auf die Suche nach den Entführern, doch nicht um ihnen das geforderte Lösegeld zu übergeben, sondern um die Rechnung auf seine eigene Art zu begleichen – und das bedeutet bleihaltig …

Was zu sagen wäre

Die Vereinigten Staaten 1909: Die Ostküste erblüht schon in Großstädten, Häusern aus Stein, Geschäften für Parfümerie, also in dem, was wir heute Zivilisation nennen. Der Westen des Landes kommt da kaum hinterher. Hier gelten vielerorts noch die Gesetze des schneller gezogenen Colts. Aus diesem Gegensatz zieht der Film seine Spannung.

Neu ist das freilich nicht. Clint Eastwood hat in Coogans großer Bluff schon vor drei Jahren gezeigt, was passiert, wenn der gute alte Western auf die moderne sogenannte Zivilisation losgelassen wird. Wo Eastwood allerdings erst anfängt, sucht John Wayne einen ehrbaren Ausweg. Die Zeit des größten Filmstars der 40er, 50er und 60er Jahre ist vorbei. Das weiß er spätestens seit seinem Flop "Die grünen Teufel" (1968), bei dem klar wurde, dass der konservative Knochen die Zuneigung seines Publikums verliert, das jünger wird und entsprechende Helden sucht.

Also lässt sich Wayne neu inszenieren und probiert das mit der Coogan-Nummer.

Eigentlich haben das Automobil und die Polizeibehörden die Kontrolle übernommen. Aber es soll sich herausstellen, dass es in dieser vermeintlich so zivilisierten Welt eben manchmal doch noch der Cleverness des schneller ziehenden Cowboys bedarf. Plakatmotiv: Big Jake (1971) Dieser Cowboy reitet heute nicht mehr allein durch die Prairie. Er hat seinen treuen, aufs Wort folgenden Hund dabei. Warum er eigentlich nicht mehr bei seiner Frau mit den drei Söhnen und dem ersten Enkelkind ist, bleibt den Film über unklar - er ist halt John Wayne und damit ein lonesome Cowboy a long way from home (Rio Lobo – 1970; Chisum – 1970; Die Unbesiegten – 1969; Der Marshal – 1969; Die grünen Teufel – 1968; El Dorado – 1967; Die vier Söhne der Katie Elder – 1965; Held der Arena – 1964; McLintock – 1963; Hatari! – 1962; Der Mann, der Liberty Valance erschoss – 1962; Das war der Wilde Westen – 1962; Die Comancheros – 1961; Land der 1000 Abenteuer – 1960; Alamo – 1960; Rio Bravo – 1959; Der letzte Befehl – 1959; Der schwarze Falke – 1956; Der See-Fuchs – 1955; Rio Grande – 1950; Der Teufelshauptmann – 1949; "Red River" – 1948; Die Freibeuterin – 1942; Ringo – 1939), der aber eine eigene Farm bewirtschaftet. Bemerkenswert schnell hat der alte Westerner mit seinem coolen Hund die Auto- und Motorradfahrer überwunden – Wayne braucht dafür kein New York der 60er Jahre, ihm reicht, dass sein Charakter die Zeichen dieser Zeit überwinden kann und die Probleme mit den Mitteln der alten Zeit zu regeln versteht.

Das Ergebnis ist ein Familienabenteuer im Westerngewand. John Wayne, der lonesome Cowboy, hat also einen treuen Hund als Begleiter, er trägt eine Brille (”Du wirst lachen: zum Gucken!“), er kann seinen Ältesten sogar mit einem Kautabak-Spucker von den Füßen holen. Dazwischen gibt es lange Sequenzen, in denen zu rhythmischer Musik, die eine Melange aus dem Glorreiche Sieben-Score und der TV-Serie "Mission Impossible" ist, durch schöne Westernlandschaften geritten, getrabt, galoppiert wird. Mehr passiert eigentlich nicht.

Die Relevanz dieses Films besteht darin, dass der überkommene Haudegen John Wayne die skrupellosen Finsterlinge des Kinos der 50er Jahre erledigt und sich letzten Endes eben doch noch als Familienmensch entpuppt.

Wertung: 4 von 8 D-Mark
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