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Plakatmotiv: Der Coup (1971)

Unterhaltsames Gaunerspektakel
mit einem sehr physischen Belmondo

Titel Der Coup
(Le casse)
Drehbuch Henri Verneuil & Vahé Katcha
nach dem Roman "The Burglar" von David Goodis
Regie Henri Verneuil, Frankreich, Italien 1971
Darsteller

Jean-Paul Belmondo, Omar Sharif, Dyan Cannon, Robert Hossein, Nicole Calfan, Myriam Feune de Colombi, Raoul Delfosse, José Luis de Vilallonga, Renato Salvatori, Marc Arian, Alice Arno, Steve Eckardt, Roger Lumont, Remo Mosconi, Pamela Stanford, Daniel Vérité u.a.

Genre Action, Krimi, Thriller
Filmlänge 120 Minuten
Deutschlandstart
16. Dezember 1971
Inhalt

Eine vierköpfige Gangsterbande raubt Diamanten aus einer Villa in Athen. Der Polizist Zacharia ist auf der Suche nach dem Anführer Azad. Nur will er ihn nicht verhaften, sondern die Beute selbst einkassieren. Ein spannendes sowie humorvolles Katz-und-Maus-Spiel beginnt …

Was zu sagen wäre

Ein "Coup", wie es der deutsche Titel verspricht, ist das nicht gerade, was Azad und seine drei Freunde da durchziehen. Kaum hat Ennio Morricones eingängige Musik den Titelvorspann ausklingen lassen, gehen die vier Wort- und musiklos zu Werke, brechen in eine Villa ein, öffnen fachmännisch den Tresor und klauen Smaragde im Wert von einer Million Dollar. Azad, gespielt von Jean-Paul Belmondo, ist ein wortkarger Profi mit erstaunlicher Elektronik, mittels derer er den Tresor ohne Sprengstoff aufbekommt. Und den Polizisten, der plötzlich vor der Villa auftaucht, kann er charmant wieder loswerden.

Im französischen Original heißt der Film passender "Der Bruch"; den deutschen Coup zieht eher jener Polizist durch. Er hebt Zacharias und wird von Omar Sharif gespielt und dessen Besetzung gibt dem unterhaltsamen Film sogar so etwas wie Spannung. Denn wer wird am Ende gewinnen, wenn zwei Stars um die Smaragde buhlen? Plakatmotiv (Fr.): Le Casse (1971) Der vom französische Star (s.u.) gespielte Dieb oder der vom ägyptische Weltstar gespielte korrupte Polizist (Mackenna's Gold – 1969; "Funny Girl" – 1968; Mohn ist auch eine Blume – 1966; "Doktor Schiwago" – 1965; Der Untergang des Römischen Reiches – 1964; "Lawrence von Arabien" – 1962)? Das Duell der beiden Männer treibt die Dynamik dieses Films, eröffnet mit einer wilden Autojagd durch die griechische Hauptstadt. Henri Verneuil (Der Clan der Sizilianer – 1969; Dünkirchen, 2. Juni 1940 – 1964; "Ein Affe im Winter" – 1962; Der Präsident – 1961) verzichtet auch hier auf Musik, verlässt sich ganz auf die Bilder seines Kameramannes Claude Renoir und deren Montage durch seinen Schnittmeister Pierre Gillette und beweist dabei nebenbei auch, dass sich sein Genrekino nicht vor dem Goldstandard, dem amerikanischen Genrekino verstecken muss. Im weiteren Verlauf hat mal Sharif, der hier einen Griechen spielt, die Oberhand und darf dem Franzosen Belmondo die Vorzüge einer variantenreichen griechischen Küche nahe bringen, dann wieder darf Belmondo seine physische Präsenz ausspielen und dem korrupten Polizisten auf Autos springend, am Bus hängend, aus dem Lkw geworfen Schuttberge hinabrollend entkommen – und nebenbei gleich zwei Frauen für sich gewinnen; die eine wird gespielt von der Amerikanerin Dyan Canon, die 1969 für einen Nebenrollen-Oscar nominiert und von 1965 bis 1968 mit Cary Grant verheiratet war. Zwischen diesen Szenen hat ihnen Drehbuchautor Vahé Katcha ein Katz-&-Mausspiel aufgeschrieben, in dessen Verlauf es Tote gibt und Nasen eingeschlagen werden. Auch das ist unterhaltsam, aber jederzeit vorhersehbar.

Erst das Finale zieht die Spannung noch einmal an, wenn tatsächlich die Frage übrig bleibt: Welcher der beiden Filmstars gewinnt das Duell?

Henri Verneuil erweist sich als pragmatischer Handwerker seines Genres, der ohne Scheu szenische Vorbilder von Jean-Pierre Melville bis Clint Eastwood für seine Zwecke zitiert. Sein Ganovenfilm ist unterhaltsames, abwechslungsreiches Kintopp.

Wertung: x von 8 D-Mark
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