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Plakatmotiv: Der Boss hat sch was ausgedacht (1964)

Ein unterhaltsamer Eskapismus
im Cabriolet quer durch Europa

Titel Der Boss hat sich was ausgedacht
(Échappement libre)
Drehbuch Didier Goulard & Maurice Fabre & Jean Becker
Regie Jean Becker, Fr., It., Sp., BRD 1964
Darsteller

Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, Enrico Maria Salerno, Renate Ewert, Jean-Pierre Marielle, Wolfgang Preiss, Diana Lorys, Fernando Rey, Michel Beaune, Roberto Camardiel, Xan das Bolas, Petar Martinovitch, Carmen de Lirio, Fernando Sancho, Margarita Gil, Gert Fröbe, Henri Attal, José María Caffarel u.a.

Genre Krimi, Abenteuer
Filmlänge 94 Minuten
Deutschlandstart
21. August 1964
Inhalt

David Ladislas ist ein Kleinkrimineller, der Diamanten aus Genf nach Frankreich schmuggelt. Eines Tages bekommt er von seinem Chef den Auftrag, einen weißen Sportwagen, in dem sich Gold befindet, nach Beirut zu schmuggeln. Für die Fahrt auf einem Schiff wird ihm Olga zur Seite gestellt.

Anfangs ablehnend, gewinnt Olga während der Überfahrt schnell Sympathie für Ladislas. Nach Ankunft in Beirut wird der Sportwagen von den Zollbeamten zerlegt, Ladislas merkt aber, dass noch ein zweiter, identischer Wagen an Bord war, der nicht vom Zoll kontrolliert worden ist. Die beiden geben beim Zoll an, als Journalisten den Libanon zu bereisen, um eine Reportage über die Kunstschätze des Landes zu verfassen.

Dann entdeckt er, dass der ganze Wagen aus Gold besteht, und entscheidet sich kurzerhand, damit abzuhauen. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel durch Europa, bei dem David einen Käufer für das Auto sucht und gleichzeitig von den Handlangern seines Bosses verfolgt wird …

Was zu sagen wäre

Das Traumpaar der französischen Novelle Vague hat wieder zusammengefunden: Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg. Hier allerdings nicht an Bord der Nouvelle Vague, sondern an Bord eines Triumph Spitfire aus 300 Kilogramm reinem Gold.

Belmondo spielt wieder in der Rolle eines Kleinkriminellen (Abenteuer in Rio – 1964; "Die Millionen eines Gehetzten" – 1963; "Der Teufel mit der weißen Weste" – 1963; "Ein Affe im Winter" – 1962; Cartouche, der Bandit – 1962; Der Panther wird gehetzt – 1960; Außer Atem – 1960). Plakatmotiv: Der Boss hat sch was ausgedacht (1964) Er lebt von Auftrag zu Auftrag und verbringt den Rest der Zeit mit jungen Frauen, die ihm augenscheinlich reihenweise verfallen.

Jean Seberg (Außer Atem – 1960) ist die kühle Blonde, so undurchsichtig, wie die Sonnenbrille, die sie sogar beim Sex aufbehält.

Um diese beiden mit Gaststars in Nebenrollen entwickelt Jean Becker mit einem löchrigen Drehbuch ein lockeres Hasch Mich durch halb Europa. Ein herrlicher Eskapismus. Nichts von dem, was David mal mit, mal ohne Olga da treibt, ist zwingend; das sehr wertvolle Auto fungiert als MacGuffin, damit Belmondo sehenden Auges eine Dummheit nach der anderen macht. Die erste ist gleich, dieses Auto, hinter dem eine mächtige Organisation steckt, für sich, den kleinen Gauner, zu beanspruchen. Er macht diese Dummheiten, damit der Film weiter erzählt werden kann.

Zwingend sind allein die Handlungen des dicken Fehrmann, der für die Organisation das Auto zurückholen soll und dafür über Leichen geht. Gert Fröbe (Goldfinger – 1964; "100.000 Dollar in der Sonne" – 1964; Der längste Tag – 1962; Edgar Wallace: Der grüne Bogenschütze – 1961; Es geschah am helllichten Tag – 1958) spielt ihn als einen Mann, der sich seiner Macht und Möglichkeiten bewusst und es nicht gewöhnt ist, von Kleingaunern übers Ohr gehauen zu zu werden. Wenn Fröbe auftaucht, kann es auch mal blutig werden.

Jean Becker jagt Belmondo durch Spanien, Italien, Libanon, Griechenland, Frankreich bis nach Bremen in Norddeutschland, immer wieder lässt er ihn vor weiter Stadt- oder beeindruckender Naturkulisse mit seinem kleinen Sportcabriolet an der Kamera vorbeifahren, unterlegt mit zeitgenössischem Jazz auf der Tonspur. Das hält die Aufregung des Zuschauers hoch, weil vermeintlich dauernd was passiert. Dabei passiert, abgesehen von den ersten 20 Minuten, in denen Personen und Geschichte vorgestellt werden, nicht viel. David und Olga kabbeln sich. David und Olga küssen sich. David telefoniert mit seinem freund, der ihm einen Hehler für den Wagen besorgen soll – da passieren dann die heftigsten Handlungssprünge – und dann fährt David wieder mit dem Cabriolet durch die Straßen. Was es mit dem ausdenkenden Boss im deutschen Titel auf sich hat, wird nicht klar, im Original heißt der Film "Échappement libre", was etwa Freier Auspuff bedeutet, was durchaus zu diesem von einem Auto getriebenen Film passt.

Ein eleganter, unprätentiöser Kriminalfilm, dessen sonnige Unbekümmertheit das große Gefühl von Freiheit versprüht.

Wertung: 5 von 7 D-Mark
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