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Plakatmotiv: Ein irrer Typ (1977)

Eine selbstreferentielle Komödie
mit hohem Fremdscham-Potenzial

Titel Ein irrer Typ
(L'Animal)
Drehbuch Michel Audiard & Dominique Fabre & Claude Zidi
Regie Claude Zidi, Frankreich 1977
Darsteller

Jean-Paul Belmondo, Raquel Welch, Dany Saval, Raymond Gérôme, Jane Birkin, Johnny Hallyday, Yves Mourousi, Charles Gérard, Claude Chabrol, Mario David, Henri Génès, Julien Guiomar, Aldo Maccione, Jacques Alric, Henri Attal u.a.

Genre Action, Komödie
Filmlänge 100 Minuten
Deutschlandstart
27. Oktober 1977
Inhalt

Der Stuntman Mike Gaucher hat durch eigene Dummheit das Glück seines Lebens verpasst. Am Tag der geplanten Hochzeit mit Stuntfrau Jane Gardner ist alles schief gelaufen und beide sind im Krankenhaus gelandet. Aber damit ist Gauchers Pechsträhne noch nicht vorbei, denn Gardner trennt sich von ihm und nach der Genesung jagt ein Misserfolg den anderen.

So gerät Gaucher immer stärker in finanzielle Schieflage, bis er das lukrative Angebot erhält, den Filmstar Bruno Ferrari in dessen Actionfilm zu doubeln. Beide gleichen sich optisch wie ein Ei dem anderen, so dass der Produzent des Films damit protzen kann, dass Ferrari seine Stunts selbst macht, obwohl er gedoubelt wird.

Gaucher gelingt es zu erreichen, dass auch seine Ex-Freundin Gardner engagiert wird, die er zurückgewinnen will. Allerdings muss er sich dabei mit zwei Problemen herumschlagen. Erstens hat Gardner schon einen neuen Freund und zweitens stellt ihm Ferrari nach, der schwul ist …

Was zu sagen wäre

"L'Animal" heißt der Film im Original – Das Tier. Ein treffenderer Titel als der deutsche. Den unverbesserlichen, irren Draufgänger hat Jean-Paul Belmondo schon so oft gespielt, dass der deutsche Titel eher wie ein Porträt des Schauspielers klingt. In der Welt der Tiere gilt die Mimikry als Technik zum Überleben, Tiere begegnen sich auf Augenhöhe, wissen, wie das Gegenüber tickt. Nur die kleinen Schwachen, Käfer, Chamäleons, können sich in ein Blatt verwandeln, in einen Ast, um dem Feind zu entkommen.

Plakatmotiv (DDR): Ein irrer Typ (1977)Menschen ziehen sich einfach eine Perücke an und schon sind sie jemand anderes. Claude Zidis Komödie spielt mit diesem Topos. Es geht um Stuntleute, Menschen, die Leinwandstars doubeln und für diese ins Feuer springen.

Zidis Star, Jean-Paul Belmondo, Held der französischen Nouvelle Vague und Star seiner selbst (Der Körper meines Feindes – 1976; Der Greifer – 1976; Der Unverbesserliche – 1975; Angst über der Stadt – 1975; Le Magnifique – Ich bin der Größte – 1973; Der Erbe – 1973; Der Mann aus Marseille – 1972; Musketier mit Hieb und Stich – 1971; Borsalino – Die Losleger – 1970; Das Geheimnis der falschen Braut – 1969; Das Superhirn – 1969; Casino Royal – 1967; Der Dieb von Paris – 1967; Brennt Paris? – 1966; Die tollen Abenteuer des Monsieur L. – 1965; Elf Uhr nachts – Pierrot le Fou – 1965; Abenteuer in Rio – 1964; Der Panther wird gehetzt – 1960; Außer Atem – 1960), spielt einen virilen Stuntman, der seinen Job aus dem Ärmel schüttelt. Und er spielt den großen Filmstar Bruno Ferrari, der „seine Stunts selber dreht“, tatsächlich aber ein ängstliches Weichei ist und zudem homosexuell. Filme, in denen Belmondo auftritt, werden auch damit beworben, dass Belmondo alle seine Stunts selbst macht. Zidis Film ist ein selbstreferentielles Film-im-Film-Drama mit witziger Note.

"L'Animal" ist ein schöner Klamauk à la Française – leichtfüßig, locker, ausgelassen. Belmondo, der hier sein Image auf die Schippe nimmt, taugt gleichzeitig zur Fremdscham, wenn der 44-Jährige ausführlich in Szene gesetzt wird, wenn er eitel hohe Mauern überwindet, indem er auf Mülltonnen springt. Das macht er behende und es ist beeindruckend, wenn er cool grinsend fest verzurrt auf dem fliegenden Flugzeug steht. Neben ihm steht Raquel Welch, Ikone des britischen Kinos der sexy Sixties (Die vier Musketiere – 1974; Die drei Musketiere – 1973; Tote Bienen singen nicht – 1969; Bandolero – 1968; Die phantastische Reise – 1966).

Brauchen aber tut so eine Zirkusnummer nicht wirklich jemand. Weder der Zuschauer, noch der Film. Aber cool schaut's aus. Wenn sonst schon nichts von Belang erzählt wird.

Wertung: 5 von 9 D-Mark
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