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Plakatmotiv: Fröhliche Ostern (1984)

Belmondo ist aus seinem
Kino herausgewachsen

Titel Fröhliche Ostern
(Joyeuses Pâques)
Drehbuch Jean Poiret
Regie Georges Lautner, Frankreich 1984
Darsteller

Jean-Paul Belmondo, Sophie Marceau, Marie Laforêt, Rosy Varte, Michel Beaune, Marie-Christine Descouard, Gérard Hernandez, Elisabeth Kolhammar, Flora Alberti, Marc Lamole, Maurice Auzel, Laura Ballard, Charly Bertoni, Christian Bianchi, Gérard Camp, Scarlet Maia de Castro, Henri Cogan, Tony Cousin u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 98 Minuten
Deutschlandstart
22. März 1985
Inhalt

Der reiche Geschäftsmann und Schwerenöter vor dem Herren Stéphane Margelle ist gerade dabei, die süße 18-jährige Julie zu verführen, da wird er von seiner nach Hause kommenden Ehefrau überrascht. Kurzerhand vertuscht er den versuchten Ehebruch damit, dass er Julie als seine Tochter ausgibt.

Julie lässt sich auf das Rollenspiel ein und findet nach und nach immer mehr Gefallen daran. Letztlich gefällt es ihr so gut, dass sie sich mit der Ehefrau anfreundet und länger zu Gast bleibt, als es Stéphane eigentlich lieb ist …

Was zu sagen wäre

Als Regisseur Georges Lautner und Jean-Paul Belmondo das letzte Mal zusammengearbeitet haben, entstand dabei Der Profi (1981), unter den französischen Actionfilmen der vergangenen Jahre ein Klassiker. Und jetzt? Boulevardtheater.

Gut, man kann den beiden immerhin nicht vorwerfen, mit Blick auf den schnellen Franc am Bahnhof einfach dasselbe nochmal gemacht zu haben, auch wenn Lautner mit seinem Ich-mache-alle-meine-Stunts-selbst-Hauptdarsteller Belmondo in diese Geschichte, in der es nach gar keiner Auto- oder am-Hubschrauber-hängen-Action verlangt ein paar Stuntszenen eingebaut hat, in denen Belmondo am Hubschrauber hängen oder mit dem Auto durch die mit Obstkisten vollgestellten Gassen von Nizza brettern und mit einem Rennboot durch Strandhäuser krachen darf. Plakatmotiv (Fr.): Joyeuses Pâques (1984) Diese Szenen sind ganz unorganisch in die Handlung geschnitten und laufen – wahrscheinlich, weil sie im übergeordneten Drehbuch überhaupt keinen Sinn ergeben – auch noch vorwärts, rückwärts und wieder vorwärts; damit die Zuschauer, die für den Film eine Eintrittskarte bezahlt haben, weil da "Belmondo" auf dem Plakat steht, wenigstens ein bisschen Erwartung erfüllt bekommen.

Mit diesem Film ist Jean-Paul Belmondo endgültig über sich selbst hinaus gewachsen. Es gibt keine Filmgeschichte mehr, der er noch glaubhaft Spannung geben könnte. Die Produzenten haben den Darling der Saison als zweite Hauptrolle gecastet, Sophie Marceau, die seit La Boum – die Fete im Herzen aller Franzosen wohnt – sie 18, er 51. Die Geschichte ist nun, dass er ein hemmungsloser Schürzenjäger ist, was er ja in seinen meisten Filmen ist – nur diesmal fallen die Frauen einfach so in sein Bett, ohne, dass er sich mit einer Actionstory drumrum besonders machen müsste – und über die junge Julie stolpert, ein Mädchen, das lockeren Umgang mit Jungs pflegt, sich gerne auszieht. Und dabei ziemlich lässig agiert. Und weil seine Ehefrau dazwischen kommt, müssen sich die beiden plötzlich als Vater und Tochter ausgeben. Im französischen tobt da jetzt zehn Minuten lang ein Dialogfeuerwerk, in dem Belmondo zeigt, dass er mehr kann, als schnell prügeln und halsbrecherisch die Kurven schneiden. Er kann auch sehr schnell reden und gestikulieren. Die atemlos rasante Szene, in der seine Ehefrau dazwischenfunkt, fällt im deutschen bedauerlicherweise der aufgesetzt wirkenden Synchronisation von Rainer Brandt zum Opfer, der Belmondo seit Der Unverbesserliche (1975) synchronisiert. Das wurde dem Franzosen nie ganz gerecht, weil er in der deutschen Fassung nur noch die zweite Hauptrolle hinter Brandts Stimm-Ego spielt, aber nun in "Fröhliche Ostern", einem intensiven Wörter-Ping-Pong geht alles verloren, was das Original an der ein oder anderen Stelle noch zu bieten hat.

Es geht um die Lüge und darum, wie deren Folgen nicht mehr einzufangen sind. Da wird der One-Night-Stand zu eigenen Tochter. Die bezeichnet sich plötzlich als schwanger. Es taucht die vermeintliche Mutter auf. Und ein Schwesterchen findet auch noch Platz. Und das alles in nicht mal 100 Minuten. Das Drehbuch tobt sich aus an alten Männern und jungen Frauen, am schulterzuckend akzeptierten Seitensprung, an Reich gegen Arm, Arbeiter gegen Bonze. Belmondos Lust an solcher Klamotte und am Spiel mit der bezaubernden jungen Marceau ist spürbar. Aber ein Boulevardstück, eine Tür-auf-Tür-zu-Verwechslungskomödie ist nicht sein Stoff. Er ist nicht glaubwürdig, zwar präsent, aber nicht im Sinne der Geschichte. Er ist einfach Belmondo und macht sein Ding, während drumherum Schauspieler einem Drehbuch folgen; eine Entwicklung, die sich in den zurückliegenden Filmen angebahnt hat und nun abgeschlossen scheint.

So, wie sein Name auf dem Plakat größer steht als der Filmtitel, ist auch Belmondo selbst größer als jede Actioncomedy, in der er agieren soll. Vielleicht sollte er es mal mit den französischen Klassikern versuchen. Molière oder Sartre, irgendeinem schweren Stoff.

Wertung: 2 von 9 D-Mark
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