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Plakatmotiv: Der Dieb von Paris

Eine Gesellschaft ehrenwerter Diebe
in einer höchst amoralischen Welt

Titel Der Dieb von Paris
(Le Voleur)
Drehbuch Jean-Claude Carrière & Louis Malle & Daniel Boulanger
nach einem Roman von Georges Darien
Regie Louis Malle, Frankreich 1967
Darsteller

Jean-Paul Belmondo, Geneviève Bujold, Marie Dubois, Julien Guiomar, Paul Le Person, Christian Lude, Françoise Fabian, Marlène Jobert, Bernadette Lafont, Martine Sarcey, Roger Crouzet, Jacques Debary, Fernand Guiot, Marc Dudicourt, Paul Vally u.a.

Genre Komödie, Crime
Filmlänge 120 Minuten
Deutschlandstart
6. Oktober 1967
Inhalt

Paris, Frankreich Ende des 19. Jahrhunderts: George Randal wächst bei seinem Onkel auf, dieser ist ihm jedoch alles andere als wohlgesonnen. Der Onkel bringt George um sein Erbe und weigert sich ihm seine Tochter Charlotte zur Frau zu geben. Aus Rache stiehlt George den Familienschmuck.

Dieser Diebstahl bringt ihm die Freundschaft des Philosophen der Pariser Diebe, des Abbé Felix Lamargelle, ein. Dieser wird sein Lehrmeister und verschafft seinem bald triebhaft ungesetzlichen Tun ein kräftiges moralisches Fundament. Der Abbé kategorisiert die Menschen in „Bürger“ und in „Diebe“ und lässt keinen Zweifel daran, dass er den Dieb als bessere Spezies betrachtet, als Stachel, als mutigen, freien Einzelgänger, auch als ausgleichende Gerechtigkeit.

Plakatmotiv: Der Dieb von ParisGeorges lernt seine fachlichen, theoretischen und philosophischen Lektionen schnell …

Was zu sagen wäre

Ein amüsanter farbiger Abenteuerfilm in Kostümen der Jahrhundertwende. Die Welt der Diebe als Gesellschaft charmanter Lebemänner und -Frauen in einem Umfeld amoralischer Geschäftemacher und Ausbeuter. Die Damen der Gesellschaft jammern über die halbseidenen Männer, denen man kein Vertrauen entgegenbringen kann – also gerieren sie sich als Tippgeber für die Halbwelt.

Eine fröhliche Genrevariation, die Ansehen und Rollen tauscht – und ein wenig leichtfertig übersieht, dass Diebstahl ein Kapitalverbrechen ist. Da dürfen wir froh sein, dass die ehrenwerte, von außen betrachtet, gesetzestreue Gesellschaft höchst amoralisch, ja kriminell ist.

Malle erzählt seinen Film in einer Rückblende. Während George eine herrschaftliche Villa ausräumt, erinnert er sich an seine Anfänge. Diese gute Idee erlaubt es, Randal seine Geschichte und die gesellschaftlichen Realitäten aus dem Off zu kommentieren. Jean-Paul Belmondo (Brennt Paris? – 1966; Die tollen Abenteuer des Monsieur L. – 1965; Elf Uhr nachts – Pierrot le Fou – 1965; Abenteuer in Rio – 1964; "Der Teufel mit der weißen Weste" – 1963; "Cartouche, der Bandit" – 1962; Der Panther wird gehetzt – 1960; Außer Atem – 1960) ist für Rollen wie Randal wie geschaffen – charmant, professionell, immer für eine Gaunerei zu haben, nimmt er die Rolle des Einzelgängers als bewusste Gegenposition zur Gesellschaft ein. Nicht als Anarchist und Umstürzler, wie mancher seiner Kollegen, sondern aus innerer Notwendigkeit. Er kann sich mit dem Bürger nicht arrangieren, übt sein Gewerbe noch aus, als er schon reich ist und mit den Bürgern heulen könnte.

Die junge Geneviève Bujold als Charlotte, das zarte Wesen, das ihm Herz und Sinne raubt, ist zauberhaft und sehr glaubhaft in ihrer jugendlichen Unbekümmertheit.

Für aufmerksame Betrachter hat Malle sein altes Motiv vom zwanghaften Einzelgänger, vom einsamen Opponenten der etablierten Gesellschaftsordnung variiert – in freundlicher Verpackung.

Wertung: 6 von 8 D-Mark
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