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Plakatmotiv: Mohn ist auch eine Blume (1966)

Werbefilm der Vereinten Nationen
mit unterbezahlten Weltstars

Titel Mohn ist auch eine Blume
(Poppies are also Flowers)
Drehbuch Jo Eisinger & Jack Davies
nach einer Geschichte von Ian Fleming
Regie Terence Young, Fr., Ö., USA 1966
Genre Crime, Drama
Filmlänge 100 Minuten
Deutschlandstart
21. September 1966
Inhalt

Als der US-amerikanische Rauschgiftermittler Benson in der iranischen Wüste ermordet wird, nachdem er einem Nomadenführer Opium hat abkaufen wollen, schicken die Vereinten Nationen die Agenten Lincoln und Jones an den Persischen Golf, um den dort ansässigen Drogenring zu zerschlagen.

Ihr Auftrag führt die beiden Agenten zunächst nach Teheran, wo sie Linda, angeblich die Witwe von Benson, antreffen. Kurze Zeit später ist sie jedoch schon wieder verschwunden. Zusammen mit UN-Wissenschaftlern gelingt es den beiden Agenten, eine Fracht mit Opium abzufangen, sie mit radioaktiver Leuchtspur zu markieren und sie erneut in Umlauf zu bringen, um sie dann mit Hilfe eines Geigerzählers durch den Drogenverkehr zu verfolgen. Eine Zeit lang bleiben sie dem Opium auf der Spur, bis diese sich verliert.

Schließlich berichtet die Polizei von Neapel, die besagte Fracht bei einem gewissen Playboy namens Serge Markos in Monte Carlo beschlagnahmt zu haben. Lincoln ist bereits unterwegs und sucht den wohlhabenden Markos auf dessen Yacht auf. Als er dort eintrifft, ist eine fröhliche Party im Gange, bei der er überraschenderweise die attraktive Linda wiedersieht

Was zu sagen wäre

Exotische Schauplätze, weiße Dinnerjackets, internationale Kriminalität und Terence Young auf dem Regiestuhl, der Mann, der drei der vier James-Bond-Filme gedreht hat (Dr. No – 1962; Liebesgrüße aus Moskau – 1963 und Feuerball – 1965). Und auch, wenn das deutsche Kinoplakat Action à la Bond verspricht, haben wir hier nicht Youngs vierten Bond-Film. Es gibt keine Autojagd (auf dem Plakat unten links) niemand hängt an einem  Hubschrauber (unten rechts) und Bootsverfolgungen gibt es auch nicht.

Es gibt überhaupt keine Action. Es gibt auch kaum einmal Spannung. Der Film ist die vierte Produktion einer von den Vereinten Nationen initiierten Filmreihe, gedreht fürs Fernsehen, international im Kino auswertet. Plakatmotiv: Mohn ist auch eine Blume (1966) Die UNO will damit über ihre Rolle in der Welt aufklären. Die Schauspieler mit Weltstarstatus, die hier im Dutzend auftauchen, haben jeweils einen Dollar Gage für ihre Beteiligung erhalten. Dafür sind ihre einzelnen Auftritte auch nur kurz. Wenn eine Behörde ihre Tätigkeit per Spielfilm ins rechte Licht rücken will, erweist sich das in diesem Fall als keine gute Idee. Klar, der Zuschauer kommt viel rum in diesem Film, die Story wird an Originalschauplätzen im Iran, in Neapel, Rom, Nizza und Monte Carlo inszeniert. Betulich wird in 100 Minuten der Weg der knallroten Mohnblume im Iran bis in die Spritzen der Drogenabhängigen in Europa nachverfolgt. Den Hintergrund dafür bildet der Mord an einem UNO-Beamten, der sich undercover in ein Drogenschmugglernetz bringen wollte. Zwei Kollegen sollen den Mord nun aufklären und bei der Gelegenheit diejenigen dingfest machen, die aus Mohn Heroin und Kokain gewinnen, was sie dann in Europa unter die Leute bringen; gespielt werden die beiden UNO-Männer von E.G. Marshall und Trevor Howard (Morituri – 1965; Meuterei auf der Bounty – 1962; "Der dritte Mann" – 1949; Begegnung – 1945).

Die beiden Männer finden auf ihrer Suche nach den Hintermännern überall offene Türen und willige Kriminalisten, die ihnen in den verschiedenen italienischen Städten weiterhelfen. Verlieren sie eine Spur, findet sich sofort eine neue, stets finden sich Zeugen, die sachdienliche Hinweise geben können. Erst im letzten Drittel, wenn die beiden Beamten sich trennen um unterschiedlichen Spuren nachzugehen, kommt Spannung auf, nimmt ein Drama seinen Lauf. Der Drahtzieher, der bald bekannt – also auch kein Geheimnis mehr – ist, residiert vornehmlich auf seiner imposanten Yacht, schenkt Whisky ein und schickt seine Bediensteten durch die Gegend. Und am Ende wird er verhaftet, wobei der UNO-Beamte raunt, damit sei der Opiumhandel auch nicht aus der Welt; da müsse man schon die Mohnfelder direkt bekämpfen.

Als der Kinovorhang sich geschlossen hat, wissen wir, dass die UNO nicht nur in Diplomatie macht, sondern auch in der Verbrechensbekämpfung aktiv zu sein scheint. Wir wissen, was aus der knallbunten Mohnblume werden kann und wie sie in Europa für Tragödien und Tote sorgt. Und wir wissen, nicht hinter jedem Plakat, das dramatische Action verspricht, steckt ein Film, der das Versprechen auch einlöst.

Wertung: 3 von 8 D-Mark
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