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Plakatmotiv: Der Untergang des Römischen Reiches (1964)

Großartige Bilder eines politischen,
Zerfalls – mangelnde Dramaturgie

Titel Der Untergang des Römischen Reiches
(The Fall of the Roman Empire)
Drehbuch Ben Barzman & Basilio Franchina & Philip Yordan
nach "The History of the Decline and Fall of the Roman Empire" von Edward Gibbon
Regie Anthony Mann, USA 1964
Darsteller

Sophia Loren, Stephen Boyd, Alec Guinness, James Mason, Christopher Plummer, Anthony Quayle, John Ireland, Omar Sharif, Mel Ferrer, Eric Porter, Finlay Currie, Andrew Keir, Douglas Wilmer, George Murcell, Norman Wooland u.a.

Genre Drama, Historie, Krieg
Filmlänge 188 Minuten
Deutschlandstart
12. Juni 1964
Inhalt

Das Römische Reich um 180 nach Christus: Bevor der alte Kaiser Marc Aurel seinen Vertrauten Livius zu seinem Nachfolger ernennen kann, wird er von Anhängern seines Sohnes Commodus vergiftet.

Jetzt wird Commodus neuer römischer Kaiser, was Marc Aurel in weiser Voraussicht verhindern wollte. Denn die Friedensbemühungen des verstorbenen Herrschers werden unter Commodus nicht fortgesetzt. Der frönt einem dekadenten Luxusleben in Rom, während seine Truppen mit militärischer Stärke gegen Feinde vorgehen.

Die strategische Hochzeit seiner Schwester Lucilla mit dem König von Armenien, die Frieden mit dem Osten sichern sollte, fällt angesichts des immer wüster werdenden Herrschaftsstils von Commodus auf keinen fruchtbaren Boden.

Livius, der in Lucilla verliebt ist, versucht Commodus zu stoppen, hat gegen dessen Machtinstinkte aber keine Chance. Das Römische Reich strebt unaufhaltsam dem Untergang entgegen ...

Was zu sagen wäre

Der Untergang des römischen Reiches zog sich, wie der Prolog anmerkt, über viele hundert Jahre hin, „manche Länder existierten nicht so lange, wie Rom unterging“. Aber ein Untergang über drei Filmstunden ist auch schon ordentlich.

Anhand dreier historischer Figuren – die Kaiser Marcus Aurelius und Commodus, sowie dessen Schwester Lucilla – erzählt Anthony Mann eine erfundene Geschichte über die Macht und deren Preis, über den Virus gesellschaftlicher Zersetzung. Plakatmotiv: Der Untergang des Römischen Reiches (1964) Als das Reich der Cäsaren auf dem Höhepunkt seiner Macht steht, will Cäsar Marcus Aurelius das Riesenreich befrieden, will aus besiegten Völkern Bürger Roms machen, mit ihnen in Dialog treten. Seine Vision: Gemeinsam ist man stärker, als in dauerndem Zwist und Hader. Nicht Steuern sollen die Verbindung zwischen Rom und seinen Provinzen sein, sondern Handel, Austausch.

Das ist ein politisch hochaktuelles Ansinnen im Produktionsjahr 1964, als Amerika auf dem Weg in den Vietnamkrieg ist und sich in Europa die Länder 20 Jahre nach Kriegsende zu einem Bund zusammentun, der später in die Europäische Union münden soll. Auch hieraus sollen ewiger Friede und Wohlstand wachsen. Die Römer stehen diesem völkerverbindenen Ansinnen skeptisch gegenüber. Wobei es sich bei diesen Römern um die Mitglieder des Senats handelt; das Volk in den Straßen und auf den Plätzen wird nicht gefragt. Diese Senatoren haben ihre eigene Agenda, fürchten, ihre Privilegien zu verlieren, wenn das Reich nicht mehr straff gegen seine Vasallen steht, sondern sie zum gleichberechtigten Mitmachen einlädt.

Zu dieser Zeit ist Marcus Aurelius, der Völkerverbinder, längst tot, vergiftet von seinen engsten Beratern, die verhindern wollen, das der Cäsar den Feldherrn Livius als seinen Erbe ausruft. Livius, in Liebe entbrannt zu Aurelius' Tochter Lucilla, gilt den Bewahrern des Status Quo als unberechenbar. Mit ihrem Mord setzen sie automatisch Commodus auf den Thron, der in Rom bekannt ist für seine Freude an Gladiatorenkämpfen und Feiern.

Um diese zu bezahlen, verwirft Commodus als Cäsar alle Versuche einer Völkerverständigung und erhöht die Steuern in den unterworfenen Provinzen. Christopher Plummer (in seiner ersten großen Kinorolle) spielt ihn wunderbar zwischen diabolischer Bösartigkeit und in den Wahnsinn entgleitend. Das provoziert einen Aufstand in den östlichen Gebieten, bei dem sich Teile der römischen Legionen auf die Seite der Aufständischen schlagen. Derweil grassiert in Rom die Pest, die Menschen verhungern. Anthony Mann (El Cid – 1961; Der Mann aus Laramie – 1955; Meuterei am Schlangenfluss – 1952; Winchester '73 – 1950) inszeniert das in prachtvollen Bildern und großen Zeitsprüngen. Er zeigt riesige Truppenaufmärsche, kolossale Bauten, glänzende Rüstungen – von denen zwar das Wenigste historisch korrekt ist, aber immerhin kolossal aussieht. Und um den Prozess des Niedergangs plausibel zu machen, vergehen immer wieder von einer Szene zur nächsten Monate. Da wird Livius in der einen Szene wieder an die Nordgrenze versetzt und in der nächsten auch schon wieder zurück nach Rom berufen. Plakatmotiv (US): The Fall of the Roman Empire (1964) Da ist Lucilla eben aus Rom verschwunden, verheiratet an den armenischen König, da ist sie auch schon wieder in Rom und soll mit Liebe gefügig gemacht werden. Mit der Liebe zu Livius, dem immer noch loyalen Heerführer seines Cäsars.

Dieses Dreieck bildet das Zentrum des Dramas. Commodus und Livius, die seit Kindertagen beste Freunde waren und sich schließlich als Feinde gegenübertreten, und Lucilla, die Schwester des Commodus, die weiß, dass Marcus Aurelius Livius zum Erben gewählt hat und Commodus unrechtmäßig auf dem Thron sitzt. Commodus möchte, als er merkt, dass ihm die politischen Fäden aus der Hand gleiten, die beiden für sich gewinnen, weil der eine eine Streitmacht befehligt und die andere immer noch Einfluss in der Stadt hat. Daraus entwickelt sich ein spannender Loyalitätskonflikt: Lucilla führt den Aufstand im Osten an, Livius steht loyal zu Rom – nicht unbedingt zu dessen aktuellem Cäsar – und so haben sich die Liebenden bald ebenso entzweit wie zuvor die Kindheitsfreunde Commodus und Livius.

Zwischen diesen zwischenmenschlich spannenden Loyalitätskonflikten herrscht Leerlauf. Der Aufstand ist mehr Behauptung als im Film präsent. Es gibt eine gewaltige Schlacht, bei der man nicht genau weiß, wer da gerade Freund, wer Feind ist. Mehr als ein paar Großaufnahmen des Schwert schwingenden Stephen Boyd (Ben Hur – 1959; Bravados – 1958) geben diese Kampfszenen nicht her, außer, dass es halt imposant viele Statisten sind, die da kämpfen. Die Dramaturgie ist mehr Patchwork als treibende Geschichte. Der Film springt mal hierhin, mal dorthin, reiht Momente aneinander, die kein Ganzes ergeben. Die einzelnen Figuren, vor allem Sophia Loren (El Cid – 1961; Hausboot – 1958) und Stephen Boyd ergehen sich in ellenlangen Dialogen, die keine neuen Erkenntnisse bringen. Legionen laufen über und die, die loyal zu ihrem Heerführer Livius stehen, lassen sich für eine Handvoll Gold vom in den göttlichen Wahn abdriftenden Commodus kaufen, ähnlich, wie die römischen Bürger sich von Brot und Spielen haben einlullen lassen. Die Vision eines Staates mit souveränen Bürgern, die dieser hehren Idee aus Vernunftgründen folgen, hat sich erledigt. Das Rom im Niedergang besteht aus einem Haufen brandschatzender, partysüchtiger Hedonisten.

Im großen Finale wird die Macht, der Cäsarenthron, meistbietend verscherbelt.

Wertung: 3 von 7 D-Mark
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