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Plakatmotiv: Hausboot (1958)

Eine Familiengeschichte
aus einer anderen Welt

Titel Hausboot
(Houseboat)
Drehbuch Melville Shavelson & Jack Rose
Regie Melville Shavelson, USA 1958
Darsteller
Cary Grant, Sophia Loren, Martha Hyer, Harry Guardino, Eduardo Ciannelli, Murray Hamilton, Mimi Gibson, Paul Petersen, Charles Herbert, Madge Kennedy, John Litel, Werner Klemperer u.a.
Genre Komödie, Drama
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
29. September 1959
Inhalt

Als Rechtsanwalt ist Tom Winters unschlagbar. Privat stößt er allerdings an seine Grenzen, als er nach dem Tod seiner getrennt lebenden Frau für die drei gemeinsamen Kinder die Elternpflichten übernehmen muss.

In seiner Verzweiflung sucht Tom ein Kindermädchen – und gerät durch einen Zufall an die so attraktive wie resolute Cinzia. Sie kann zwar nicht kochen, dafür aber glänzend mit Kindern umgehen. Aus Platznot zieht das ungleiche Quintett schließlich auf ein Hausboot.

Die außergewöhnliche Unterkunft wird allerdings schon bald zum Schlachtfeld für einen turbulenten Krieg der Geschlechter …

Was zu sagen wäre

Eine charmante Komödie über die Liebe in modernem Gewand. Es gibt einen allein stehenden Mann, Witwer, dessen verstorbene Frau ihn vor drei Jahren verlassen hat. Es gibt die Schwester dieser verstorbenen Frau, die sich von ihrem Mann hat scheiden lassen und eigentlich gerne ihren Schwager, den Witwer, ehelichen würde. Und es gibt die Tochter aus gutem – italienischem – Hause, die zwar nicht kochen, aber hervorragend mit Kindern umgehen kann und augenscheinlich die perfekte Ergänzung für das Familienleben des Witwers wäre. Das finden auch die drei Kinder des Witwers.

<Eindrücke nach 1978>In dieser Hollywood-Romanze stimmt nichts. So modern sich die Drehbuchautoren in der Ausgangssituation geben – es gibt gleich zwei geschiedene Ehepaare, das ist in Hollywood unter der Fuchtel des prüden Hays-Codes nahezu eine Sensation – so verlogen geben sie sich in der Umsetzung. Kaum etwas an diesem Film ist echt. Cary Grant (Indiskret – 1958; "Die große Liebe meines Lebens" – 1957; Über den Dächern von Nizza – 1955; Liebling, ich werde jünger – 1952; Ich war eine männliche Kriegsbraut – 1949; Berüchtigt – 1946; Verdacht – 1941; Die Nacht vor der Hochzeit – 1940; Sein Mädchen für besondere Fälle – His Girl Friday – 1940; Leoparden küsst man nicht – 1938) fährt und schippert in 98 Prozent der Szenen vor einer Rückprojektion. Plakatmotiv: Hausboot (1958) Die Kinder spielen ihre Rollen artig aber lebensfern, halt so, wie es das Drehbuch und der Regisseur verlangen. Und die Liebe zwischen Tom Winters und Cinzia Zaccardi ist so realistisch, wie der Roboter aus Forbidden Planet (1956).

Das ist einigermaßen frivol, weil das ursprüngliche Drehbuch Cary Grants damalige Ehefrau Betsy Drake geschrieben hatte in der Gewissheit, sie spiele die weibliche Hauptrolle an Grants Seite. Cary Grant hingegen hatte andere Pläne. Er hatte im Jahr zuvor bei den Dreharbeiten zu "Stolz und Leidenschaft" eine Affäre mit Sophia Loren begonnen und ihr sogar einen Heiratsantrag gemacht. Grant wollte "Hausboot" machen, weil er die Beziehung wieder aufleben lassen wollte. Sophia Loren fand Grants Avancen gar nicht gut, weil sie inzwischen mit Carlo Ponti liiert war, den sie dann auch während der Dreharbeiten heiratete. Daraufhin wurde das Drehbuch völlig umgeschrieben und hatte dann kaum noch Ähnlichkeit mit dem ursprünglichen Konzept von Betsy Drake. Nichts stimmt an diesem Film.</Eindrücke nach 1978>

Man könnte sich lange darüber auslassen, dass ein Mann, der unversehens in die Rolle des allein erziehenden Mannes gerät, sicher nicht eine Haushaltshilfe ins Haus holen würde, die weder kochen noch Wäsche waschen kann und dass das, wenn es passierte, ungefähr so lebensfern wäre, wie die Erwartungen der Figuren in diesem Film. Die leben alle in der High Society der amerikanischen Ostküste, präsentieren einerseits ein erfolgreiches, gesellschaftskonformes Leben und andererseits die große Einsamkeit – alle stürzen sich auf die heiße südländische Braut, bleiben letztlich aber in ihren normierten Ostküsten-Familien. Und ausgerechnet der elegante Salonlöwe Cary Grant bricht aus diesem Korsett aus und bindet künftig Sabberlätzchen für die Kleinen, während seine Aufgaben im Außenministerium halt warten müssen? Ein echter Traum aus der Traumfabrik.

Hollywood at it's best. Ein charmantes Märchen über Klischees mit bezaubernd unrealistischen Kindern vor ermüdend künstlicher Kulisse erzählt.

Wertung: 3 von 7 D-Mark
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