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Plakatmotiv: Die Glorreichen (1984)

Große Namen auf dem Filmplakat
verkaufen eine groteske Kriegsposse

Titel Die Glorreichen
(Les morfalous)
Drehbuch Henri Verneuil & Michel Audiard & Pierre Siniac
nach einem Roman von Pierre Siniac
Regie Henri Verneuil, Frankreich 1984
Darsteller

Jean-Paul Belmondo, Jacques Villeret, Michel Constantin, Michel Creton, Matthias Habich, François Perrot, Maurice Auzel, Gérard Buhr, Robert Lombard, Pierre Semmler, Caroline Silhol, Marie Laforêt, Michel Beaune, Michel Berreur, Daniel Breton, Claude Carliez, Hans Verner u.a.

Genre Action, Krieg
Filmlänge 106 Minuten
Deutschlandstart
21. September 1984
Inhalt

Tunesien, April 1943. Eine Kolonne französischer Fremdenlegionäre hat den Auftrag, das Gold aus der Bank von El Ksour nach Sfax zu evakuieren. In El Ksour werden sie von einer Einheit des deutschen Afrikakorps aus dem Hinterhalt bis auf vier Mann niedergemetzelt. Mit List und Chuzpe können die Franzosen die deutsche Stellung ausschalten, sehen sich aber tags drauf dem Direktor der Bank gegenüber, die das Gold eingelagert hat.

Der bankdirektor wollte das Geld eigentlich ordnungsgemäß unter den Schutz der französischen Soldaten stellen, aber einige von diesen haben mittlerweile erkannt, dass sie selbst mit den Goldbarren auch ein ganz schönes Leben führen könnten. Wenn sie es nur an den verschiedenen Kriegsparteien vorbei quer durch Afrika bis an die Küste zu einem mit allen Wassern gewaschenen Hehler schmuggeln könnten …

Was zu sagen wäre

Wenn zwei oder mehr Nationen im Krieg miteinander liegen, geht es immer um Macht, um Landgewinn – aber eigentlich geht es um Geld, um die Bodenschätze, die der Landgewinn offenbart, um die Industrien, die man sich mit der eroberten Macht einverleiben kann.

Es ist naheliegend, dass man also einen Film im Krieg ansiedelt, in dem es in einem, nun ja, Nebenkriegsschauplatz um einen großen Goldschatz geht, der den Hauptdarsteller vom großen Reichtum träumen lässt. Denn es müssen ja nicht immer die Staatenlenker und Kriegsfürsten den Reichtum einsacken. Wo es keine Moral gibt, kann auch der kleine Soldat seinen Staat beklauen und ordentlich zugreifen. Unter der Regie von Altmeister Henri Verneuil, der sich in seinen jüngsten Filmen explizit mit Geld und tödlicher Macht auseinander gesetzt hat (Tausend Milliarden Dollar – 1982; I … wie Ikarus – 1979; Der Körper meines Feindes – 1976; Angst über der Stadt – 1975; Der Coup – 1971; Der Clan der Sizilianer – 1969; San Sebastian – 1968; Dünkirchen 2. Juni 1940 – 1964; Der Präsident – 1961), ist es Frankreichs zurzeit wertvollstes Kinopfund Jean-Paul Belmondo (s.u.), der diesen kleinen Soldaten spielt.

Womöglich fangen damit die Schwierigkeiten dieses Films schon an.

Ein Held wie Jean-Paul Belmondo wird doch am Ende nicht dem französischen Staat mehrere Millionen in Goldbarren wegnehmen? Das schaffen Alain Delon, Jean Gabin in früheren Jahren oder Yves Montand. Nicht (mehr) Belmondo. Erinnerungen kommen auf, während man der nicht vorhandenen Handlung folgt, an einen jungen Franzosen, der als charmanter Draufgänger das Kinopublikum eroberte. Das war in den 1960er Jahren, als solche Figuren noch in die Welt passten. Nun aber schicken die Produzenten Jean-Paul Superstar, dessen Draufgängertum nur noch imagemäßig funktioniert, in die groteske Kulisse einer leeren Wüstenstadt, in der ein deutsches Kommando eine ganze französische Einheit nieder metzelt, und man sich im Kinosessel fragt, was die Deutschen da wohl vorhaben. Wenn sie die Bank leeren wollten, hätten sie ja alle Zeit der Welt dafür gehabt, bevor die Franzosen eintrafen. Plakatmotiv (Fr.): Les Morfalous (1984) Und danach natürlich auch, nachdem nur ein paar Versprengte, unter ihnen Belmondo, übrig geblieben sind.

Stattdessen inszeniert Verneuil lieber noch ein paar Hinterhalte, in denen Belmondo behende über Stock und Stein und zwischen sirrenden Kugeln hin und her springen und fröhliche Mackersprüche absetzen kann. Eine Geschichte, also sowas, was einen Actionfilm über 100 Minuten tragen würde, hat der Film nicht mehr. Hat Belmondo das noch nötig? Und kann die französische Filmindustrie mit diesem Regisseur, diesen Autoren und diesem Hauptdarsteller wirklich nichts besseres auf die Leinwand bringen als "Die Glorreichen", der im Original ("Les Morfalous") mit Die Gefräßigen übersetzt werden kann? Gefräßig sind hier alle, die Figuren vor der Kamera ebenso wie die Figuren hinter der Kamera, die mit großen Namen auf dem Filmplakat auf die schnelle Mark am Bahnhof hoffen.

Nach der ersten Nacht in der verlassenen tunesischen Stadt, in deren Bank ein Goldschatz liegt, steht ein Bankdirektor in der Tür, klimpert dessen Ehefrau angesichts des schmucken Belmondo lüstern mit den Wimpern, rollt ein deutscher Offizier mit einem Panzer vor und betrügen sich alle andauernd gegenseitig. Was angesichts der großen Geldsumme, um die es ja geht, sogar verständlich ist.

Was nicht so verständlich ist, ist, dass das alle mitmachen, sich übers Ohr hauen und gegenseitig die Butter vom Brot nehmen lassen bis am Ende stolz die Tricolore im Wind flattert, das Geld moralisch sauber verladen ist und Belmondo die blonde Frau des obersten Bankdirektors vernaschen kann. Es ist schwer, dem Film irgendeinen Unterhaltungs- oder inhaltlichen Wert abzugewinnen. Das liegt zum Teil an der deutschen Synchronisation, die das Studio um Rainer Brandt verantwortet, die aus dem Franzosen mit der überraschend hellen Stimme schon immer einen Sprücheklopfer aus der Eckkneipe gemacht hat; in spannenden, den Zuschauer packenden Filmen wie Der Profi geht das durch, in einem erzählerischen Nichts wie "Die Glorreichen" geht einem dieser deutsche Belmondo nach zehn Minuten auf die Nerven. Aber dafür können natürlich weder der Original-Belmondo noch Henri Verneuil etwas.

Wenn sie denn in der Originalfassung mehr anzubieten hätten. Haben sie aber nicht. Verneuil hat eine Handlung, die nirgendwohin will und Belmondo spielt keinen Fremdenlegonär, Belmondo spielt Belmondo im Unterhemd.

In dieser Kriegsposse steckt nichts, was sich zu erzählen lohnte. Aber die Produzenten haben die Mitwirkung eines Panzers finanziert, mit dem meistens Belmondo, aber auch mal andere durch den Wüstensand brettern dürfen. Das gibt schon ein paar Schauwerte, Kino besteht ja zu einem großen Teil aus Gucken, aber die ganzen Panzerfahrten führen eben nirgendwo hin. Außer zur erwähnten stolz knatternden Tricolore.

In Erinnerung bleibt dieser Film, in dem Belmondo im Unterhemd seine Muskeln und seine Lachfalten gezeigt hat, und ein Panzer durch die Wüste gedonnert ist.

Wertung: 2 von 9 D-Mark
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