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Plakatmotiv: San Sebastian (1968)

Ein moralisch fragwürdiger Saulus wird
in der Wüste zum schlagfertigen Paulus

Titel San Sebastian
(La bataille de San Sebastian)
Drehbuch Serge Gance & Miguel Morayta & Ennio De Concini & James R. Webb
nach dem 1962 geschriebenen Roman "A Wall for San Sebastian" von William Barby Faherty
Regie Henri Verneuil, Fr., It., Mex., USA 1968
Darsteller

Anthony Quinn, Anjanette Comer, Charles Bronson, Sam Jaffe, Silvia Pinal, Jorge Martínez de Hoyos, Jaime Fernández, Rosa Furman, Jorge Russek, Leon Askin, José Chávez, Ivan Desny, Fernand Gravey, Pedro Armendáriz Jr., Aurora Clavel, Julio Aldama, José Ángel Espinosa 'Ferrusquilla', Pancho Córdova, Enrique Lucero, Chano Urueta, Noe Murayama, Guillermo Hernandez, Francisco Reiguera, Carlos Berriochea, Armando Acosta, Guy Fox, Rico Lopez u.a.

Genre Western, Abenteuer
Filmlänge 115 Minuten
Deutschlandstart
12. September 1968
Inhalt

1746 am äußersten Rande des Vizekönigreich Neuspanien (Maxiko). Dem Rebellen Leon Alastray wird auf der Flucht vor Regierungstruppen vom gutmütigen Priester Joseph Kirchenasyl gewährt.

Als Strafe für sein Engagement wird der Priester in das verlassene Dorf San Sebastian versetzt. Alastray begleitet den alten Priester, der ihm das Leben gerettet hat, und lernt von dem unverbesserlichen Optimisten Joseph. Zusammen kämpfen sie sich durch die Wüste, bis sie San Sebastian erreichen, das aber augenscheinlich von Indianern verwüstet wurde. Bei einem Überfall wird Pater Josep getötet, auch Alastray kommt beinahe zu Tode.

Er wird von den Einheimischen gerettet, sesshaften Indigenen, die sich vor dauernden Angriffen der wilden Yaqui unter Führung des Halbbluts Teclo in die Berge geflüchtet haben. Die Bürger halten Alastray für einen Priester und bitten ihn, in ihrer Gemeinde tätig zu werden. Widerwillig und um seine Tarnung nicht auffliegen zu lassen spielt Alastray mit und hilft den Bewohnern, sich gegen die Banditen ud die Yaqui zu verteidigen …

Was zu sagen wäre

"San Sebastian", der Titel des Films, bezieht sich auf den Schauplatz der Geschichte. Er könnte aber auch die Hauptfigur, den Glücksritter und Deserteur Alastray meinen. Der heißt zwar nicht Sebastian mit Vornamen, ein Heiliger im herkömmlichen Sinne ist er auch nicht, im Gegenteil, er täuscht wehrlosen Bauern zeitweilig vor, ein Priester zu sein. Aber wo der historische Heilige Sebastian im 4. Jahrhundert seinen Glauben verteidigte, dafür Marter und Tod ertrug, verteidigt Alastray zunächst gegen seine Überzeugung die armen Bauern irgendwo im Niemandsland dieser Welt.

Die kirchlichen Anspielungen ziehen sich durch den gesamten Film. Er ist der erste Western des französische Regisseurs Henri Verneuil (Dünkirchen 2. Juni 1940 – 1964; Der Präsident – 1961), ein Italo-Western, Plakatmotiv: San Sebastian (1968) in dem die institutionelle Kirche aus einem Haufen Purpur tragender, korrupter Opportunisten besteht, die es sich an den Fleischtrögen der Macht bequem eingerichtet haben und dafür über dessen Unterdrückungsapparat freundlich hinwegsehen.

Ein Heuchler ist Alastray zu Beginn des Films auch, kein Mann, mit dem wir ernsthaft Mitleid haben müssten, würde er nicht von Anthony Quinn gespielt, dem wir aufgrund seiner filmischen Vita ein gerüttelt Maß Integrität in jeder seiner Rollen zubilligen ("In den Schuhen des Fischers" – 1968; "Alexis Sorbas" – 1964; Lawrence von Arabien – 1962; Die Kanonen von Navarone – 1961; Der letzte Zug von Gun Hill – 1959; Warlock – 1959; Der Glöckner von Notre Dame – 1956; Die Fahrten des Odysseus – 1954; La Strada – Das Lied der Straße – 1954). Er ist auf der Flucht vor Soldaten – warum, ist unklar. Ein alter Priester rettet ihn, über den sich Alastray in der Folge immer wieder lustig macht, während er ihn gleichzeitig begleitet und unterstützt. Schließlich wächst aus dem Gauner und Glücksritter der Retter einer kleinen Gesellschaft, die ihn für einen Heiligen, mindestens für einen Priester hält.

Ihren Glauben an Gott haben die Menschen in San Sebastian verloren, nachdem Banditen und Indianer ihr Dorf immer wieder überfallen und verwüstet haben. Aber ihr Glaube in den Mann, der irrtümlich die Kutte trägt, ist unerschütterlich und so wachsen sie über sich hinaus. Alastray bleibt kaum etwas anderes übrig, als zu den Menschen im dem Dorf zu stehen, immer wieder zieht er von dannen, kommt aber wieder, beim letzten Mal mit Gewehren und Kanonen. Aus Saulus wird Paulus.

Den immer Saulus gebliebenen Schurken im Stück spielt Charles Bronson, ein Halbblut, der sich für sein Schicksal an den Invasoren – Spanier, Amerikaner – rächen will, die er für das Elend im Land verantwortlich macht. Bronson, der in diesem Jahr mit Spiel mir das Lied vom Tod (1968) den Durchbruch für seine Karriere feiert, ist hier in einer klassischen Bronson-Nebenrolle aus der Zeit davor zu sehen: der markante Kerl, der nicht viele Worte macht (Das dreckige Dutzend – 1967; Die Panzerschlacht in den Ardennen – 1965; "Vier für Texas" – 1963; Gesprengte Ketten – 1963; Die glorreichen Sieben – 1960; Wenn das Blut kocht – 1959; Vera Cruz – 1954; Massai – Der große Apache – 1954).

"La bataille de San Sebastian" ist ein klassischer Italo-Western mit einem einsamen, religiös umflorten Helden, Musik von Ennio Morricone und lustvoll explodierenden Massenschießereien, der mit einer flachen Dramaturgie punktet, die keine Extra-Spannung aufbaut, die Ereignisse wie einzelne Perlen auf eine Kette zieht, die am Ende ein aufregendes Ganzes ergibt.

Wertung: 6 von 8 D-Mark
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