Roy Waller ist ein Profi-Schwindler, der sich mit seinem Partner Frank Mercer dank Telefonbetrugs ein scheinbar ruhiges Leben finanziert. Sein Alltag ist allerdings von schweren Zwangsstörungen geprägt, die er einigermaßen im Griff hat, wenn er rechtzeitig Tabletten dagegen einnimmt.
Als ihm die Tabletten eines Tages in den Abfluss fallen und er seinen Arzt nicht mehr erreichen kann, empfiehlt sein Partner Frank ihm einen anderen Psychater. Die Sitzungen, die Roy bei Dr. Klein nun durchmachen muss, um das begehrte Pillenrezept zu bekommen, öffnen Türen zur Vergangenheit: So erzählt Roy, dass er vor 14 Jahren seine schwangere Frau verlassen hat und seitdem von ihrem gemeinsamen Kind nie mehr hörte.
Auf Dr. Kleins Rat und mit seiner Hilfe nimmt Roy Kontakt zu seiner ihm völlig unbekannten Tochter Angela auf. Durch seine neue väterliche Verantwortung verschwinden nach und nach seine Symptome, und die 14-Jährige ist auch zufrieden mit diesem neuen Vater, der ihr zudem ein paar Tricks beibringt.
Um seinen vernachlässigten Geschäftspartner Frank bei Laune zu halten, lässt sich Roy auf den größten Coup ihrer gemeinsamen Karriere ein: Ein gewissenloser Unternehmer soll um 80.000 US-Dollar betrogen werden. Tochter Angela will bei dem Plan unbedingt mitmachen, was der überforderte Roy schließlich zulässt …
Zwei Trickbetrüger, ein Psychiater, eine Tochter, die nach 14 Jahren in das Leben des einen Trickbetrügers tritt und ein letzter, Genz großer Coup. Das ist einer dieser Filme, beim denen man auf jede Geste, jedes Wort, jeden Bildschnitt achten muss, weil hinter jeder Ecke ein Betrug lauern kann. Am schönsten hat das George Roy Hill 1973 in Der Clou durchexerziert, als er Paul Newman und Robert Redford im wunderbar wieder aufgebauten 30er-Jahre-Chicago einen großen Gangster übers Ohr hauen ließ.
Ridley Scott kann nicht auf historische Kulissen zurückgreifen, "Tricks" spielt im Großraum Los Angeles von heute. Neben einem mondänen Appartement, in dem Roy Waller mit seinen Ticks lebt, spielt der Film in alltagstauglichen Büros, Wohnungen, Bars und Bowlingbahnen. Roy und frank sind also Trickbetrüger. Roy ist schon so lange im Geschäft, dass er ein kleines Vermögen im Bankschließfach für die Zeit nach der Karriere angehäuft hat, eigentlich arbeitet er nur noch, um Frank einen Gefallen zu tun. Beide sind an sich nicht unsympathisch, Frank kümmert sich fürsorglich um Roy, wenn dem die Ticks durchgehen, weil er keine Pillen mehr hat, und Roy ist ein netter Typ, der seine Tochter vermisst, die er nur als zwei Monate alten Schwangerschaftsbauch an seiner ehemaligen Frau kennt. Diese Charaktereigenschaften machen beide Charaktere menschlich und zugänglich; aber es bleiben zwei Betrüger, die unschuldige Menschen ausnehmen. Nahe kommen sie mir damit nicht und umso mühsamer ist es, den beiden zuzugucken, wie sie kaum etwas zu tun haben. Ein gesellschaftliches Leben außerhalb ihrer engen Betrugswelt gibt es nicht. Es wäre kein Film von Ridley Scott, wenn der Film nicht interessant anzugucken wäre. Er sieht aus, wie eine Verbeugung vor dem Gangsterkino des klassischen Hollywood, bleibt inhaltlich aber statisch, also leblos.
Roy kämpft mit seinen Ticks und dann steht eines Tages seine Tochter vor ihm und mit der Zeit verschwinden die Ticks. Eine gute Rolle für Nicolas Cage, der sich mit schrägen Charakteren auskennt und hier solide den einsamen Trickbetrüger und melancholischen MöchtegernVater spielt ("Windtalkers" – 2002; Corellis Mandoline – 2001; Family Man – 2000; Nur noch 60 Sekunden – 2000; Bringing Out the Dead – 1999; "8mm" – 1999; Spiel auf Zeit – 1998; Stadt der Engel – 1998; Im Körper des Feindes: Face/Off – 1997; Con Air – 1997; The Rock – Fels der Entscheidung – 1996; Leaving Las Vegas – 1995; "Kiss of Death" – 1995; 2 Millionen Dollar Trinkgeld – 1994; "Tess und ihr Bodyguard" – 1994; Red Rock West – 1993; Air Borne – Flügel aus Stahl – 1990; Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula – 1990; Mondsüchtig – 1987; Arizona Junior – 1987; Peggy Sue hat geheiratet – 1986; "Birdy" – 1984; Cotton Club – 1984; Rumble Fish – 1983; Ich glaub' ich steh' im Wald – 1982). Uns als Zuschauer bleibt die herzige, fröhliche und vertrauenswürdige Tochter Angela dennoch fremd. Sie taucht ziemlich unvermittelt auf, drängt immer stärker in Roys Leben, schimpft über ihre Mutter, die wir aber nie zu Gesicht bekommen – und also nicht sicher sein können, ob es sich hier – Betrügerfilm – wirklich um Roys Tochter handelt oder um Teil irgendeines noch nicht erklärbaren Coups. Gespielt wird das 14-jährige Mädchen von der 23-jährigen Alison Lohmann (Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht – 2003; "Weißer Oleander" – 2002; The 13th Floor – 1999) – auch eine Art Trickbetrügerei.
Frank ist uns keine große Hilfe. Er hat kein Leben außerhalb des Betrugs, jedenfalls bekommen wir keins gezeigt. Daher verschwindet er funktionslos immer wieder länger von der Bildfläche, wenn Roy seinen Vaterfreuden nachgeht. Sam Rockwell spielt ihn als flatterhaften Charakter mit einer scharfen Portion Ruchlosigkeit, sodass wir auch hier nie scher sein können, ob er seinen Partner nicht irgendwie übers Ohr haut (Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind – 2002; Heist – Der letzte Coup – 2001; 3 Engel für Charlie – 2000; Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall – 1999; The Green Mile – 1999; Celebrity – Schön, reich, berühmt – 1998).
So plätschert der Film dahin unter der gleißenden Sonne Kaliforniens. Wir erleben Schauspieler, die zielgenau windige Charaktere spielen, die während des Films drei Gaunereien ausbaldowern und durchziehen. Wir müssen Zufälle, die die Glaubwürdigkeit des Drehbuchs strapazieren, schlucken und Charakterbrüche akzeptieren, die zu einem Menschen, der professionell seit vielen Jahren dem Gelderwerb durch Betrug nachgeht, nicht passen. Wir haben es also mit unsympathischen, wenig glaubwürdigen Hauptfiguren in einem nur dünn mit Story ausgefüllten Film zu tun. Das hat manch Schönes, etwa die elegante Kameraarbeit von John Mathieson (Hannibal – 2001; Gladiator – 2000). Aber er lässt mich kalt, schafft in keinem Moment eine Bindung zum Zuschauer. Das Finale ist berührend, aber da schon lange nicht mehr wichtig.
Regisseur Ridley Scott auf der Leinwand
Sir Ridley Scott (* 30. November 1937 in South Shields, England) ist ein britischer Filmregisseur und Filmproduzent. Er gilt als einer der renommiertesten und einflussreichsten Regisseure und hat die Erzählweisen mehrerer Filmgenres geprägt.
Scott ist Eigentümer der 1995 gegründeten Filmproduktionsfirma Scott Free Productions.
- Die Duellisten (The Duellists, 1977)
- Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (Alien, 1979)
- Blade Runner (Blade Runner, 1982)
- Legende (Legend, 1985)
- Der Mann im Hintergrund (Someone to Watch Over Me, 1987)
- Black Rain (Black Rain, 1989)
- Thelma & Louise (Thelma & Louise, 1991)
- 1492 – Die Eroberung des Paradieses – (1492 – Conquest of Paradise, 1992)
- White Squall – Reißende Strömung (White Squall, 1996)
- Die Akte Jane (G.I. Jane, 1997)
- Gladiator (Gladiator, 2000)
- Hannibal (Hannibal, 2001)
- Black Hawk Down (Black Hawk Down, 2001)
- Tricks (Matchstick Men, 2003)
- Königreich der Himmel (Kingdom of Heaven, 2005)
- Ein gutes Jahr (A good Year, 2006)
- American Gangster (American Gangster, 2007)
- Der Mann, der niemals lebte (Body of Lies, 2008)
- Robin Hood (Robin Hood, 2010)
- Prometheus – Dunkle Zeichen (Prometheus, 2012)
- The Counselor (The Counselor, 2013)
- Exodus: Götter und Könige (Exodus: Gods and Kings, 2014)
- Der Marsianer (The Martian, 2015)
- Alien: Covenant (Alien: Covenant, 2017)
- Alles Geld der Welt (All the Money in the World, 2017)
- The last Duel (The last Duel, 2021)
- House of Gucci (House of Gucci, 2021)
- Napoleon (Napoleon, 2023)
- Gladiator II (Gladiator II, 2024)
