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Plakatmotiv: Gladiator (2000)

Die Rückkehr des
Sandalen-Epos‘

Titel Gladiator
(Gladiator)
Drehbuch David Franzoni & John Logan & William Nicholson
Regie Ridley Scott, USA, UK 2000
Darsteller

Russell Crowe, Joaquin Phoenix, Connie Nielsen, Oliver Reed, Richard Harris, Derek Jacobi, Djimon Hounsou, David Schofield, John Shrapnel, Tomas Arana, David Hemmings, Ralph Moeller, Spencer Treat Clark, Tommy Flanagan, Sven-Ole Thorsen u.a.

Genre Abenteuer, Action
Filmlänge 155 Minuten
Deutschlandstart
25. Mai 2000
Inhalt

Maximus! Er war der General, der das Imperium des römischen Kaisers Marcus Aurelius zu jener sagenhaften Größe brachte. Maximus ist ein ehrenvoller Mann. Ein tapferer Kämpfer. Aber heute, nachdem er die Germanen besiegt hat, möchte er nach Hause – nach zweieinhalb Jahren endlich zurück zu Frau und Sohn. Aber der Kaiser hat andere Pläne. Marcus Aurelius wird bald sterben und er wünscht, dass Maximus als neuer Kaiser nach Rom geht und die Macht an den Senat und das Volk zurückgibt. Das Volk soll aus dem Joch politischer Intrigen und Tyrannei befreit werden. Aber soweit kommt es nicht.

Commodus, des Kaisers eifersüchtiger Sohn tötet seinen Vater und befiehlt den Tod des Maximus‘ und dessen Familie. Im letzten Augenblick kann Maximus entkommen. Nun ein Geächteter, ein Heimatloser, dessen Familie, die er so lange nicht gesehen hatte, von dem brutalen Commodus hingeschlachtet wurde. Er gerät in die Sklaverei und wird an den Gladiatoren-Trainer Proximo verkauft. Sein Schicksal scheint besiegelt, irgendwo in den römischen Provinzen. Und Maximus, der große Kämpfer ist ein schlechter Gladiator. Er schlachtet seine Gegner so schnell, dass dem Publikum der Spaß genommen wird.

Zu dieser Zeit hat Kaiser Commodus die Spiele wieder eingeführt. Im Circus Maximus kämpfen die Gladiatoren wieder. Das Volk strömt begeistert und aus den fernen Provinzen kommt Proximo mit seinen Männern. Als er in Rom eintrifft, ist Maximus schon eine Legende unter den Gladiatoren, ehrfurchtsvoll nur "Der Spanier" gerufen. Hier, in der ewigen Stadt, sieht er die Chance, zu Ende zu bringen, was Marcus Aurelius ihm einst aufgetragen hatte und Rache zu nehmen an Commodus …

Was zu sagen wäre

Nach 20 Jahren im Dienste seines Cäsar, in denen Kriege geführt und Roms Grenzen nach außen verschoben hat, kommt der Soldat in eine Heimat zurück, die nicht die ist, für die er so viel geopfert hat. Der Senat ist korrupt. Das Volk ist im Luxus der Jahrzehnte innerhalb der marmornen Mauern Roms dekadent geworden, amüsiert sich auf Kosten anderer, die für sie in der großen Arena von Gladiatoren oder Löwen zerfleischt werden. Und der neue Imperator ist ein Mörder, ein Schlächter. und er, der große Soldat? Steht als Sklave und Gladiator zur Schlachtbank bereit. Aber er kann erst abtreten, loslassen, wenn der Mörder seiner Familie vor ihm im Staub liegt: der Imperator, der oben auf seinem Thron auf dem Balkon sitzt und mit Daumen entscheidet, wer jenem und wer sterben muss.

Der Regisseur lässt sich von Gemälden inspirieren

Ein Gemälde, auf dem eine solche Daumen-hoch-Dauemn-runter-Szene zu sehen ist, hatte es Ridley Scott angetan. Es ist das kunsthistorisch nicht weiter bedeutende Werk "Pollice verso" von Jean-Léon Gérôme, das zeigt, wie ein Gladiator über zwei niedergerungenen Gegnern steht und eine Meute von Rängen mit Daumen runter den Tod der Unterlegenen fordert. Scott hat sich in seinem Schaffen häufig von Bildern zu einem Film inspiriert gefühlt; außerdem ist er großer Fan von der Sandalenepen Quo Vadis (1951), Ben Hur (1959) und Spartacus (1960). In der Grundstruktur seines Filmes allerdings hat Scott sich an Anthony Manns Der Untergang des Römischen Reiches (1964) orientiert, in dem Kaiser Marc Aurel seinen Feldherrn Livius zum Nachfolger machen will und von seinem Sohn Commodus deshalb ermordet wird.

Beide Filme berichten von der Schreckensherrschaft des Commodus, von der Dekadenz des fett gewordenen Bürgertums, das die Senatoren in Ridley Scotts Version naserümpfend als „der Mob ist Rom“ bezeichnen. Auf die historische Genauigkeit sollte man aber auch bei diesem Römerfilm nicht zu viel Wert legen. Bestenfalls sind sie zeithistorische Kommentare zur politischen Großwetterlage – Der Untergang des Römischen Reiches entstand, als die US Army nach Vietnam ging und sich in Europa ein noch nebulös erscheinender Staatenbund zusammenfand, "Gladiator" entsteht in einer Zeit, in der Historiker nach dem Fall des Eisernen Vorhangs das Ende der Geschichte ausrufen und behaupten, der Kapitalismus habe gesiegt; solche Selbstzufriedenheit spiegelt Ridley Scotts Film auch im römischen Mob. Im besten Fall, also im vorliegenden, sind Römerfilme nicht Geschichten über ein historisches, reales Rom, sondern Abbild des zeitlosen Traums von einem goldenen Rom, einem perfekten Staat mit aufgeklärten Bürgern und weitsichtigen Führern. Kulissen, Kostüme oder gar die handelnden Personen müssen da nicht historisch korrekt gezeigt werden. Das spiegelt sich auch in der Sprache, die angenehm ungeschwollen mit knappen Sätzen auskommt und jede aus dem Lateinischen abgeleitete, palastherrliche Altertümelei außen vor lässt, die in alten Sandalenfilmen gang und gäbe ist und es seinerzeit bis in die deutschen Winnetoufilme geschafft hat.

Ein neuer Leading Man fürs große Kino

Für Filme wie "Gladiator" werden Kinos gebaut! Wucht! Leidenschaft! Farbe und Sound. Und Russel Crowe in der Titelrolle ist eine Entdeckung – souverän und mit natürlicher Autorität erkämpft er sich die Bewunderung der Massen im Circus, die nach Führung lechzen nach den Jahren mit dem triebhaften Brot-und-Spiele-Imperator. In einer Szene stellt Ridley Scott die Autorität dieses Russel-Crowe-Kerls heraus: Wenn er im großen Zirkus die zusammengewürfelten Einzelkämpfer, die jederzeit damit rechnen, gegeneinander antreten zu müssen, mit wenigen Sätzen, ganz ruhig gegen vier heranlassende Streitwagen in Stellung bringt und einen unmöglichen Kampf dreht und gewinnt, ist hinreißendes, leidenschaftliches Kino.

Mit Russel Crowe hat Ridley Scott einen einen neuen Leading Man fürs Kino gefunden (Insider – 1999; L.A. Confidential – 1997; "Virtuosity" – 1995). Seine Figur, Maximus Decimus Meridius, der stolze Feldherr, der zum Sklaven, zum Gladiator und zum Held der Massen wurde, steht im Mittelpunkt einer Passionsgeschichte, in der zwei "Brüder" aufeinander losgehen (auch wenn die keine echten Brüder sind) – Commodus bezeichnete Maximus mehrfach als „mein Bruder“ und auch Commodus' Vater, der lieber Maximus auf dem Thron gesehen hätte, gesteht, in Maximus den Mann zu sehen, den er lieber als Sohn gehabt hätte. Als wir ihn kennenlernen, ist Maximus kurz davor, Imperator zu werden – obwohl er nach vielen Jahren im Krieg einfach nur nach Hause zu Frau und Sohn, auf seinen schnuckligen kleinen Landsitz möchte. Eine halbe Filmstunde später sind braun und Sohn gemeuchelt und er Sklave auf einem Markt irgendwo in den römischen Provinzen. Immer noch möchte er nach Hause zu Frau und Kind; seine Sehnsucht lautet Endlich Sterben, um die geliebte Familie wieder zu sehen. Nur hat das Schicksal davor die Passion, das Leiden, die Erlösung gesetzt. Maximus ist eine Erlöserfigur, ein Schmerzensmann, ein Jesus Christus mit Schwert auf dem Kreuzweg.

Die Wiederkehr des Ridley Scott

Mit "Gladiator" knüpft Ridley Scott nach Jahren mit mäßig aufregenden Filmen, an alte Erfolge an (s.u.). Der Stoff bietet alles, was Scotts Stärken sind: opulente Bilder, Schlachtengemälde, unbeirrbare, stolze Charaktere und eine packende, epische Geschichte. Und was Scott an Kulisse hat auffahren, beziehungsweise im Computer hat erschaffen lassen, ist ein grandioser, opulenter Hingucker; als Gladiator Maximus zum ersten Mal in den Circus Maximus kommt, fliegt eine entfesselte Kamera um seine Männer und taucht dabei ihn und uns Zuschauer mitten rein in diese riesige Arena – 3D-Effekt ohne 3D-Brille, solche Bilder hat er schon früher mit souveräner Eleganz über seine Filme gestreut. Die Visuel Effects erhielten denn auch einen der 5 Oscars, die "Gladiator" im März 2001 abräumte. "Gladiator" erhielt außerdem die Auszeichnung als "Bester Film", sowie Oscars für die Kostüme und den Sound. Russell Crowe konnte sich den Oscar für die "männliche Hauptrolle" abholen, nachdem er im Jahr zuvor für Insider noch leer ausgegangen war. Der Deutsche Ralph Moeller, allseits beliebter ewiger "kleiner Schwarzenegger", kann hier seinen imposanten Oberkörper in Cinemascope präsentieren. In einer seiner letzten Rollen zeigt Richard Harris, warum er ist, was er ist – einer der Großen im Geschäft (Fräulein Smillas Gespür für Schnee – 1997; Erbarmungslos – 1992; Die Stunde der Patrioten – 1992; "Tarzan, Herr der Affen" – 1981; Die Wildgänse kommen – 1978; Orca, der Killerwal – 1977; Treffpunkt Todesbrücke – 1976; Der Mann, den sie Pferd nannten – 2. Teil – 1976; Robin und Marian – 1976; 18 Stunden bis zur Ewigkeit – 1974; Ein Mann, den sie Pferd nannten – 1970; Sierra Charriba – 1965; Meuterei auf der Bounty – 1962; Die Kanonen von Navarone – 1961). Viel Zeit hat er nicht, als Kaiser Marcus Aurelius Autorität und bleibenden Eindruck zu hinterlassen; Harris braucht aber auch nicht viel Zeit.

Tot vom Barhocker gefallen

Eine zweite Legende spielt den Gladiatoren-Trainer Proximo: Oliver Reed. Er starb während der Dreharbeiten, weshalb er in einigen Szenen gedoubelt, in anderen sein Gesicht digital ins Bild gesetzt werden musste. Sein Proximo ist eine gewaltige Erscheinung, ein Zirkusmann, der für den Applaus lebt, der im sinne des Wortes tötet für die Liebe des Publikums. Diesem Proximo mit den vielen Narben im Gesicht und dem sehr kalten Blick ist nichts fremd und womöglich musste Reed gar nicht spielen, vielleicht musste er mit seiner Vita einfach nur vor der Kamera sein ("Funny Bones" – 1995; Die Rückkehr der Musketiere – 1989; "Tote schlafen besser" – 1978; "Tommy" – 1975; Die vier Musketiere – 1974; Die drei Musketiere – 1973; "Oliver! – 1968). Seine Biografie erzählt neben vielem anderen von vielen Saufgelagen – darunter nicht wenige mit Richard Harris (s.o.) und/oder Peter O‘Toole. Angeblich ist Reed nach Drehschluss abends vom Barhocker gefallen und war tot.

Für eine Legende noch zu jung aber auf dem besten Weg dorthin ist Filmkomponist Hans Zimmer, der auch für "Gladiator" einen Score komponiert hat, der in die Gehörgänge wuchtet und sich da festsetzt und nie wieder geht.

Wertung: 11 von 11 D-Mark
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