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Plakatmotiv: Sierra Charriba (1965)

Die Männer des Westens
sind aussortiert und müde

Titel Sierra Charriba
(Major Dundee)
Drehbuch Harry Julian Fink + Oscar Saul + Sam Peckinpah
Regie Sam Peckinpah, USA 1965
Darsteller

Charlton Heston, Richard Harris, Jim Hutton, James Coburn, Michael Anderson Jr., Senta Berger, Mario Adorf, Brock Peters, Warren Oates, Ben Johnson, R.G. Armstrong, L.Q. Jones, Slim Pickens, Karl Swenson, Michael Pate u.a.

Genre Western
Filmlänge 137 Minuten
Deutschlandstart
17. April 1965
Inhalt

Major Dundee ist ein Kavallerie-Offizier der Union im amerikanischen Bürgerkrieg. Auf Grund eines Zwischenfalls wird er nach New Mexico in ein Kriegsgefangenenlager geschickt. In der Nähe wird eine Armeekolonne und eine Rancherfamilie von einem Stamm der Apachen unter der Führung von Häuptling Sierra Charriba massakriert, woraufhin Dundee eine eigene Truppe aufstellt, um die Apachen zu verfolgen.

Dafür rekrutiert er jeden, den er kriegen kann: Weiße und Schwarze, gefangene Soldaten, Indianer und Söldner. Zudem Tyreen, einen alten Freund Dundees, der zu den Südstaaten übergelaufen ist. Gemeinsam nehmen sie die Verfolgung auf, die sie bis nach Mexiko führt. Dundees Truppe verwickelt die Indianer in einige Kämpfe. Dabei geraten sie zwischen die Fronten von Mexikanern und Franzosen, die Kaiser Maximilian in Mexiko an die Macht bringen wollen.

Plakatmotiv (US): Major Dundee – Sierra Charriba (1965)Zu ihnen stößt Teresa Santiago, die Wiener Witwe eines mexikanischen Landarztes, die mit den Rebellen sympathisiert. Zwischen Dundee und Tyreen kommt es zu Spannungen. Die ganze Expedition droht zu scheitern …

Was zu sagen wäre

Die Helden sind müde. Der Bürgerkrieg zwischen Süd- und Nordstaaten tobt seit mehr als drei Jahren, Loyalitäten sind keine ehernen Regeln mehr, die Männer des Westens sind in Auflösung; mehr wilder Haufen als stolze Krieger.

Sam Peckinpah führt uns in seiner dritten Regiearbeit an die mexikanische Grenze. Hier brandschatzen Indianer. Keine stolzen Krieger sind das mehr. Es sind Räuber und Mörder. Das nahe gelegene Fort führt Major Amos Charles Dundee, offenbar in Ungnade gefallen, denn das Fort, das er leitet, ist ein schmuddliges Gefängnis am Rand der Welt. Kriegsgefangene und Trunkenbolde sitzen hier fest. Unter ihnen der einst beste Freund Dundees, der zu den Südstaatlern übergelaufene Benjamin Tyreen. Die Moral im Fort ist so wie die Moral draußen vor den Palisaden. Die Ordnung zerfällt.

Es ist der äußere Feind, der die Männer zusammenbringt und über sechs Monate quer durch New Mexiko und Texas treibt. Es gilt, den brandschatzenden Indianern drei weiße Kinder wieder abzujagen, die die Indianer geraubt haben. Major Dundee schwört, sie zurückzuholen und dann Rache an Charriba, dem mordenden Indianer, zu üben. Peckinpah zitiert hier das Motiv aus John Fords Klassiker Der schwarze Falke (1956) und Charlton Heston (El Cid – 1961; Ben Hur – 1959; König der Freibeuter – 1958; Weites Land – 1958; Die zehn Gebote – 1956; Am fernen Horizont – 1955; Pony-Express – 1953) gibt einen ähnlich grimmen Sucher, wie einst John Wayne es war. Erst, als die Frau ins Spiel kommt, die Deutsche Senta Berger, bricht die mühsam aufrecht erhaltene Fassade harter Männlichkeit zusammen.

Plakatmotiv (US): Major Dundee – Sierra Charriba (1965)Alsbald liegt der grimme Major als Trunkenbold in einem mexikanischen Dorf in der Gosse und verliert der Film dramaturgischen Fokus. Die Jagd nach Charriba spielt eine Weile keine Rolle mehr, statt dessen Romantik mit und Männerfrotzeleien um Senta Berger, Kabbeleien mit den Franzosen, Eifersuchtgeschichten. Es ist viel von Ehre und Pflichtgefühl, von Freundschaft und Verrat die Rede zwischen den furchenreichen Männern, aber in dieser übrig gebliebenen Welt abseits der gloriosen Wild-West-Shootouts, im Grenzland zu Mexiko, sind das Werte mit geringer Halbwertszeit: „Es scheint kein Ende zu nehmen“, klagt die Wienerin, die in Mexiko einen Arzt geheiratet hat. „Erst sind wir von den Apachen überfallen worden. Dann von mexikanischen Banditen. Dann von Wegelagerern aus Texas. Von denen haben uns die Franzosen befreit. Und jetzt kommt die Kavallerie der Vereinigten Staaten. Leider kommen Sie etwas zu spät. Wir können Ihnen nichts mehr geben.“.

Die beiden ehemaligen besten Freunde, Charlton Heston der eine, der Ire Richard Harris der andere ("Meuterei auf der Bounty" – 1962; Die Kanonen von Navarone – 1961), schwören sich zwei Stunden lang, wenn der Indianer tot oder gefangen ist, sich umzubringen. Statt dessen reitet der eine dann in die Front der mit Übermacht aufmarschierten Franzosen, um dem anderen und seinem versprengten Häuflein übrig Gebliebener den Rückweg zu sichern; und es war eigentlich von vornherein klar, dass das so oder ähnlich endet.

Sam Peckinpah feiert die ausgestorbenen Männer, die mal Helden waren, aber in den aufstrebenden Vereinigten Staaten keinen Platz haben. Deshalb verkämpfen sie sich in alten Nord-Süd-Scharmützeln bis sie einen neuen Gegner finden. Da schließen sich dann auch noch die afroamerikanischen Männer an, bis eben noch Sklaven des Südens, aber jetzt Feuer und Flamme, mit den Jungs von Überall her für die Fahne mit den Stars und den Stripes zu kämpfen. Am Ende reiten sie über den großen Fluß heim nach Texas. Peckinpah zeigt das nicht als eine Heimkunft.

Am Ende reiten die Männer in die Ferne und aus dem Bild.

Wertung: 6 von 8 D-Mark
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