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Plakatmotiv: Der König der Freibeuter (1958)

Bunte Kostüme in Studiokulisse für
einen Wendepunkt in der US-Geschichte

Titel Der König der Freibeuter
(The Buccaneer)
Drehbuch Jesse Lasky jr. + Jeanie Macpherson + Berenice Mosk
nach dem dem Drehbuch (1938) von Harold Lamb + Edwin Justus Mayer + C. Gardner Sullivan, basierend auf dem Roman "Lafitte, the Pirate" von Lyle Saxon
Regie Anthony Quinn, USA 1958
Stimmen

Yul Brynner, Claire Bloom, Charles Boyer, Inger Stevens, Henry Hull, E.G. Marshall, Charlton Heston, Lorne Greene, Ted de Corsia, Douglass Dumbrille, Robert F. Simon, Sir Lancelot, Fran Jeffries, John Dierkes, Ken Miller u.a.

Genre Abenteuer
Filmlänge 119 Minuten
Deutschlandstart
2. Oktober 1959
Inhalt

Die jungen Vereinigten Staaten 1812: Der Pirat Jean Laffite hat mit seinen verwegenen Männern eine kleine Insel vor New Orleans in Beschlag genommen. Dort herrscht Laffite hart, aber gerecht über seine Leute, die dem aufkommenden Unabhängigkeitskrieg zwischen den (neuen) Amerikanern und den Briten mit gemischten Gefühlen gegenüber stehen.

Laffite selbst sieht sich als Amerikaner und er hat ein Liebesverhältnis mit der Tochter des Gouverneurs von Louisiana, sehr zum Verdruss der Piratin Bonnie, die Laffite aus Eifersucht am liebsten am Galgen hängen sehen würde, wovon Lafitte auch gar nicht allzu weit entfernt wäre, verdächtigt man ihn ohnehin schon des. Mordes.

Der Krieg steht kurz bevor.

Plakatmotiv: Der König der Freibeuter (1958)Und die Pirateninsel ist ein wichtiger strategischer Punkt zur Verteidigung der amerikanischen Armee. Laffite ist zwar ein Geächteter, aber er bietet General Jackson an, ihm im Kampf gegen die bevorstehende Invasion der Briten beizustehen, wenn ihm und seinen Männern Amnesie erteilt wird …

Was zu sagen wäre

Ein Film aus einer Zeit, in der der amerikanische Bürgerkrieg noch ferne Zukunft war. Die Vereinigten Staaten hatten sich erst gegründet und suchten noch ihren Weg in eine freie Gesellschaft, den sie mit dem Unabhängigkeitskrieg gegen die Engländer begannen.

Für die Filmstudios in Hollywood ist der Stoff wunderbar. "König der Freibeuter" diskutiert die Amerikanische Verfassung. Die bekommen die Piraten in Louisiana in die Hände und staunen nicht schlecht, als sie da von „unveräußerlichen Menschenrechten“ lesen und dass alle Menschen gleich geschaffen seien. Einige bringt das zum Nachdenken und auf die Idee, am Festland zu bleiben und Amerikaner zu werden. Von den Amerikanern in Louisiana sind allerdings die Wenigsten noch so richtig begeistert. Die Engländer rücken ihnen mit einer Übermacht auf den Pelz, da wollen sie lieber, Landhaus, Felder und Pelze sichern, als unveräußerliche Rechte dahergelaufener Piraten.

Die Piraten stehen zwischen England und den werdenden Vereinigten Staaten. Da müssen sich einfache Kerle plötzlich staatsmännisch entscheiden – Britannia oder New World? Sie müssen Partei ergreifen, wo sie doch einfach nur die Freiheit der Meere wollten. Aber die Politik, die Zivilisation, die Macht nimmt jeden in ihre Gewalt. Da entscheidet der Humanismus des Augenblicks, dass ein weißblonder Junge mit Hund überleben darf, was die Freiheit der New World umschreibt, und vor allem dramaturgisch dringend benötigte Vatergefühle bei Yul Brynner weckt.

Plakatmotiv: Der König der Freibeuter (1958)Der Film eiert eine ganze Weile vor sich hin, ist bunt, ist Action, ist Abenteuer; ist aber vor allem, abgesehen von ein paar Totalen von Segelschiffen auf hoher See, komplett in Studiohallen entstanden, was man in jeder Szene sieht. Durch die nachgebauten Sumpflandschaften laufen Figuren in bunten Kostümen, was dem Film prompt eine Oscar-Nominierung in dieser Kategorie einbrachte. So richtig spannend wird's nie. Selbst ein Überfall auf hoher See, bei dem abtrünnige Piraten gegen Lafittes Herrschaft aufbegehren und 80 Menschen töten, ist dramatisch, aber nicht spannend. Die Auflösung dieser Situation will uns dann weiß machen, dass Lafitte mit seinem großen Segler unbemerkt an den abtrünnigen Segler herangeschlichen ist und unbemerkt dessen Brücke geentert hat. Das ist hilflos erzählt. Aber dieser Überfall mit 80 Toten ist schließlich das zentrale moralische Dilemma im Film und für das Finale entscheidend.

Beherrscht wird der Film natürlich – Piraten! – von seinen Kerlen. Yul Brynner (Die Zehn Gebote – 1956; Der König und Ich – 1956) ist der harte Herrscher über die Piraten, manchmal melancholisch, sehnsuchtsvoll in die befriedete Welt der aufkommenden Zivilisation stierend. Charlton Heston (Weites Land – 1958; Die zehn Gebote – 1956; Am fernen Horizont – 1955; Pony-Express – 1953) ist der kantige aber gütige Gerald Andrew Jackson, der der britischen Übermacht etwas entgegensetzen soll, und es dabei mit halben Kindern und feigen Spießern zu tun bekommt. Mit seiner Grauhaar-Tolle sieht er aus, wie sein eigenes Ölgemälde; so bewegt er sich auch. Ein bisschen mehr Schauspieler hätten dem Film gut getan.

Als sich dann die Kontrahenten Lafitte und Jackson zum ersten Mal gegenüber stehen, merken sie schnell, dass der jeweils andere so tickt, wie man selbst und lösen ihren Konflikt the american way: „Wann kriege ich Pulver und die Zündsteine, Lafitte?“ „Sobald Sie meine Männer frei gelassen haben.“ „Ich bezahle nicht gerne eine Ware, die noch nicht geliefert worden ist.“ „Sie werden sie auf dem Schlachtfeld bekommen!“ „Sie wissen, dass das ein General-Pardon für jeden Ihrer Teufel ist, der kämpfen will. Wie viele, glauben Sie, werden mitmachen?“ „Versprechen kann ich es nur für einen Mann. Für mich!“ grinst Lafitte. Es ist der Pirat, dieses freie Radikal, das der früh schon gemütlich gewordenen US-Gesellschaft, die Zukunft retten muss.

Wertung: 4 von 7 D-Mark
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