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Plakatmotiv: Die Duellisten (1977)

Ein jahrzehntelanger Kampf um Ehre
in einer wie hingetupften Landschaft

Titel Die Duellisten
(The Duellists)
Drehbuch Gerald Vaughan-Hughes
nach der Erzählung "Das Duell" von Joseph Conrad
Regie Ridley Scott, UK 1977
Darsteller

Keith Carradine, Harvey Keitel, Albert Finney, Edward Fox, Cristina Raines, Robert Stephens, Tom Conti, John McEnery, Diana Quick, Alun Armstrong, Maurice Colbourne, Gay Hamilton, Meg Wynn Owen, Jenny Runacre, Alan Webb u.a.

Genre Drama
Filmlänge 100 Minuten
Deutschlandstart
19. Mai 1978
Inhalt

D'Hubert und Feraud sind Offiziere der Husaren der napoleonischen Armee. Feraud verwundet in einem Duell den Neffen des Bürgermeisters von Strasburg und wird dafür von seinem Vorgesetzten unter Hausarrest gestellt.

D'Hubert überbringt ihm die Nachricht darüber, was Feraud als Beleidigung auffasst und ihn zu einem Duell auffordert.

D'Hubert zieht sich aus diesem Duell zurück, nachdem er Feraud verwundet hat. Feraud gibt sich damit aber nicht zufrieden und so eskaliert die Situation zu einer verzehrenden Passion, die in den nächsten 15 Jahren das Leben der beiden Männer bestimmt.

Immer wieder kreuzen D'Hubert und Feraud die Schwerter, um irgendwann ihr Recht und ihre Ehre wiederherzustellen, während sie statt dessen ihr eigenes Leben versäumen …

Was zu sagen wäre

Zwei Männer verbeißen sich ineinander aufgrund eines strengen Ehrenkodex'. Es sind zwei Offiziere der napoleonischen Armee, der eine ein Hitzkopf, der andere ein geselliger Charmeur. Der Grund für ihre immer wieder aufflammende Fehde ist eine Nichtigkeit. Für den Zuschauer ist diese Ehrpusseligkeit schwer zu verstehen, aber sie verändert das Leben beider Männer.

In der Vorlage von Joseph Conrad bleiben beide Männer anonym, keiner hat oder bekommt eine Geschichte. Conrad war in einem zehnzeiligen Zeitungsartikel über die „wohlbekannte Tatsache“ gestolpert, dass zwei Offiziere der Grande Armée Napoleons inmitten der großen Kriege unter einem nichtigen Vorwand eine Serie von Duellen ausgetragen hätten. Videocover (US): The Duellists (1977) Warum, wurde nie geklärt. Die weiteren Details seiner Geschichte erfand Joseph Conrad kurzerhand hinzu. Ridley Scott und sein Drehbuchautor Gerald Vaughan-Hughes entschieden sich, die Geschichte aufzubohren. Einer der Männer bekam eine eigene Geschichte. und so bekommt der gesellige D'Hubert die sinnliche Laura an die Seite, der die Ehe versprochen ist, die aber lieber bei ihrem D'Hubert liegen bleibt.

Aber das immer wieder aufflammende Duell, das auch nicht durch unterschiedliche militärische Ränge beendet werden kann, weil beide stets zeitnah vom Leutnant zum Hauptmann zum Major zum Brigadegeneral befördert werden, treibt Laura schließlich in die Arme eines Anderen. Bald zehn Jahre später hat seine Schwester für D'Hubert eine Ehe arrangiert mit Adele, einer jungen Frau von Stand, die ein großes Haus mit in die Ehe bringt, Liebreiz und bald auch ein gemeinsames Kind austrägt. Das endlich bringt D'Hubert zur Vernunft, woraufhin er sich noch einem letzten Duell stellt. Es ist das fünfte Duell, diesmal mit Pistolen. Vorher waren Degen, Säbel und Säbel zu Pferde die Waffen.

Der stets fordernde Feraud bleibt wenig mehr als ein Gesicht, das meist im Gasthaus anzutreffen ist. Es ist das Gesicht von Harvey Keitel, dessen Karriere gerade durchstartet (Taxi Driver – 1976; "Alice lebt hier nicht mehr" – 1974; "Hexenkessel" – 1973). Hat Feraud durch die Duelle etwas oder jemand zu verlieren? Wir erfahren es nicht. Und Ridley Scott ist das auch nicht so wichtig. Der Grund, warum er diese wenige Seiten lange Erzählung von Joseph Conrad verfilmt: Er wollte einen Film drehen, der in dieser Zeit spielt. Weil ihn die Bilder dazu gereizt haben, mit denen man aus dieser Zeit erzählen kann. Scott nutzt die Filmkamera, um zu malen. Inspirieren ließ er sich von zeitgenössischen Malern: vor allem von Gemälden des Landschaftsmalers John Constable. Das erzeugt eine atmosphärische Qualität und Intensität, wie man sie im kommerziellen angloamerikanischen Kino selten findet.

So sollte man diesen Film tatsächlich als visuelle Erzählung verstehen, die über 15 Jahre napoleonischer Herrschaft eine Galerie bestaunenswerter Bilder malt, bei denen man an Stanley Kubricks Barry Lyndon (1975) erinnert wird, der seine Innenaufnahmen nur von Kerzenlicht ausleuchten ließ. Scotts Kameramann Frank Tidy macht was Ähnliches. Wenn Licht von links durch ein Fenster in einen Raum fällt, mal er rechts dunkle Schatten. Dieser harte Kontrast gibt seinen Bildern eine enorme Tiefe, beinahe eine Dreidimensionalität.

"The Duellists" ist ein Kunstwerk für die große Leinwand, dem fürs Kino die große Handlung fehlt.

Wertung: 7 von 9 D-Mark
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