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Plakatmotiv: Con Air (1997)

Dieser Gefangenentransport
will nicht so recht abheben

Titel Con Air
(Con Air)
Drehbuch Scott Rosenberg
Regie Simon West, USA 1997
Darsteller

Nicolas Cage, John Cusack, Steve Buscemi, Ving Rhames, Colm Meaney, John Malkovitch, Danny Trejo, Mykelti Williamson, Nick Chinlund, Renoly Santiago, Dave Chappelle, Rachel Ticotin, Steve Eastin, M.C. Gainey, Landry Allbright, Monica Potter u.a.

Genre Action
Filmlänge 115 Minuten
Deutschlandstart
12. Juni 1997
Inhalt

Amerikas skrupelloseste und gefährlichste Schwerverbrecher werden, schwer bewacht, in speziell gepanzerten Sonderflugzeugen befördert. Das Ziel: Hochsicherheits-Gefängnisse an Orten, die niemand kennt und niemand kennen will. Aus den fliegenden Festungen ist noch niemand entkommen. Bis jetzt!

Eine Gruppe gewalttätiger Sträflinge, von denen fast keiner mehr was zu verlieren hat, übernimmt das Kommando über den Jet und erklärt die Wärter zu ihren Geiseln. Nur Poe, auf dem Weg in die Freiheit, könnte helfen. Er ist der einzige Gefangene an Bord, der ein Motiv hat, das gekaperte Flugzeug wieder auf alten Kurs zurückzubringen.

Egal, wieviel Tote auf beiden Seiten das kostet …

Was zu sagen wäre

Die Ausgangssituation ist zu verführerisch, als dass ein Filmproduzent wie Jerry Bruckheimer (Dangerous Minds – 1995; Crimson Tide – 1995; Bad Boys – 1995; Tage des Donners – 1990; Top Gun – 1986; Beverly Hills Cop – 1984; Flashdance – 1983; Katzenmenschen – 1982; Ein Mann für gewisse Stunden – 1980) sie einfach ignorieren könnte: ein Flugzeug voller Strafgefangener, die von einem Gefängnis in ein anderes verlegt werden sollen. Nachdem Bruckheimer im vergangenen Jahr mit dem Actionkracher The Rock so großen Erfolg hatte, wollte er dasselbe Erfolgsprinzip nochmal anwenden. Profilierte Schauspieler in einem durchgetakteten Räderwerk aus Action und Explosionen. Bruckheimer mag es laut und deutlich ohne überflüssige Handlungsstränge, die das Drehbuch verkomplizieren könnten. Die "Con Air" ist dabei keine Drehbucherfindung, sondern eine der ältesten Unterabteilungen der US-Bundespolizei. Der Aufgabenbereich dieser Spezialfluglinie umfasst Gefangenentransporte und die Beförderung von Kronzeugen und Richtern.

Diesmal hat Bruckheimer Simon West auf den Regiestuhl gesetzt, der, wie The Rock-Regisseur Michael Bay, aus dem Videoclip-Business kommt. Da muss man eine Geschichte in den dreieinhalb Minuten erzählen, die ein durchschnittlicher Popsong dauert, West hat Erfahrung darin, Plots auf ihr absolutes Minimum zu reduzieren. Seine Con Air transportiert erwartungsgemäß – dies ist ein Actionmovie, kein Dokumentarfilm – nicht einfach irgendwelche Strafgefangenen, sondern „Bestien! Die meisten von ihnen sind Lebenslängliche. Einige warten auf die Todesstrafe. Jeder einzelne von ihnen ist ein Monster!Plakatmotiv (US): Con Air (1997)Das Wachpersonal an Bord besteht aus unterbezahlten Beamten: „Sollte es irgendwelchen Ärger geben. Sollte einer von Euch auch nur in meine Richtung furzen und meine empfindlichen Nasengänge beleidigen, dann werden Eure Eier mein Privateigentum!“ Es dauert nicht lange, da liegen die Beamten als blutend am Boden. Es ist in amerikanischen Actionfilmen immer wieder bewundernswert, wie einfach es schwer bewachten, angeketteten Gefangenen gelingt, in Hochsicherheitsgefängnissen die Regie zu übernehmen. Aber das in einem Actionfilm zu hinterfragen, wäre albern. Simon West legt statt dessen Agent Larkin, der die Con-Air-Mission leitet, ein paar Gedanken über die Resozialisierung von Gefangenen formulieren und sich beklagen, dass die harten Knastbedingungen aus den Männern erst Monster gemacht haben. Larkin wird gespielt von John Cusack, der im Independentfilm beheimatet ist (Grosse Pointe Blank: Ein Mann, ein Mord – 1997; City Hall – 1996; Bullets Over Broadway – 1994; "Money for Nothing" – 1993; "Bob Roberts" – 1992; The Player – 1992; "Der Preis der Macht" – 1991; Broadcast News – 1987; Stand by Me – 1986; Der Volltreffer – 1985; Das darf man nur als Erwachsener – 1984) und hier sichtlich Spaß damit hat, lauter Drehbuchsätze in einem Rhythmus zu sprechen, der sich der jeweiligen Actionszene anpasst.

Im Zentrum des Films zwischen all den harten Kerlen steht ein wahrer Samariter, Cameron Poe, der eine lange Leidenszeit hinter sich hat, hochdekorierter Ranger bei der Army im Irakkrieg war und sich, kaum zu Hause und in den Armen seiner wirklich klischeehaften blonden, schwangeren Ehefrau gegen drei ebenso klischeehafte Kneipenschläger zur Wehr gesetzt hat und also gerade wegen Totschlags acht Jahre Gefängnis abgesessen hat; irgendwie hat er die Notwehr nicht beweisen können, nachdem da drei Kerle mit Messern auf ihn losgegangen waren. Während der Titelvorspann noch läuft, schreiben sich er und seine kleine Tochter viele liebe Briefe, wir lernen, dieser Cameron ist wirklich ein ganz ein Lieber und der sitzt jetzt halt zufällig zwischen all den Bestien und Monstern im Flugzeug. Nicolas Cage (The Rock – Fels der Entscheidung – 1996; Leaving Las Vegas – 1995; "Kiss of Death" – 1995; "Red Rock West" – 1993; Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula – 1990; "Mondsüchtig" – 1987; Arizona Junior – 1987; Peggy Sue hat geheiratet – 1986; "Birdy" – 1984; Cotton Club – 1984; Rumble Fish – 1983; Ich glaub' ich steh' im Wald – 1982) spielt nach The Rock seine zweite Rolle in einem Bruckheimer-Movie und weil er sich diesmal nicht mit den divenhaften Launen Sean Connerys plagen muss, spielt er locker den netten Kerl, der leider ein bisschen Härte zeigen muss – denn er möchte ja nach Hause zu seiner Frau und seinem Mädchen, das er noch nie gesehen hat. Er will aber auch seinen Zellennachbarn nicht im Stich lassen, der dringend eine Insulinspritze braucht, nach der Geiselnahme an Bord aber keine findet. Und dann ist da auch noch die Wärterin, die droht, von einer der Bestien missbraucht und ermordet zu werden. Alles Gründe, die den netten Mann daran hindern, eine der mehreren Möglichkeiten zu nutzen, das Flugzeug zu verlassen. Cameron Poe in Bruckheimers "Con Air" macht richtig, was die US-Regierung in Bruckheimers The Rock nicht gemacht hat: Er hält sich an die soldatenregel „Leave no one behind“.

Der große Gegenspieler an Bord ist superschlau, gerissen, sadistisch und fackelt nicht lange. Cyrus Gissum, den alle "Cyrus the Virus" nennen. Auch diese Rolle hat sich John Malkovich geschnappt, der seine Brötchen auch eher im gehobenen Drama verdient ("Portrait of a Lady" – 1996; Mary Reilly – 1996; In the Line of Fire 1993; Jennifer 8 – 1992; "Schatten und Nebel" – 1991; Gefährliche Liebschaften – 1988; Das Reich der Sonne – 1987; "Tod eines Handlungsreisenden" – 1985) und hier mit automatischen Waffen zeigt, dass er auch im Stakkato des Actionfilms diabolische Gefahr ausstrahlt.

"Con Air" ist ein unterhaltsamer Actioner, aber auf dem Level dieses speziellen Genres, zu dem nahezu ausschließlich Jerry Bruckheimer die Filme liefert, kommt "Con Air" nicht vom Boden. Die Action findet an und um das Flugzeug statt, das voll ist mit unsympathischen Typen, die knurren und ständig mit irgendwas drohen. Unser freundlicher Held kann sich hier kaum profilieren, weil er dauernd selber knurren muss, um nicht aufzufallen – an Bord glauben alle, er sitze noch weitere 15 Jahre, dabei ist er auf dem Flug nach Hause. An der Stelle übernimmt John Cusacks Con-Air-Chef die Rettungsaction, aber seine Figur wirkt wie dem Film aufgeklebt. Ihr fehlt eine eigene Geschichte. Er ist sympathisch, macht lustige Sachen. Aber im Grunde ist der Typ egal. Das fällt aber erst auf, wenn man nach dem Film schon in der Kneipe sitzt. Im Kino selbst bin ich viel zu sehr von dem Spektakel auf der Leinwand abgelenkt. Und so soll's in so einem Film ja sein.

Wertung: 6 von 11 D-Mark
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