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Plakatmotiv: Gefährliche Liebschaften (1988)

Vielsagende Blicke in
prachtvoller Kulisse

Titel Gefährliche Liebschaften
(Dangerous Liaisons)
Drehbuch Christopher Hampton
nach dem gleichnamigen Briefroman von Pierre Ambros François Choderlos de Laclos
Regie Stephen Frears, USA, UK 1988
Darsteller
Glenn Close, John Malkovich, Michelle Pfeiffer, Swoosie Kurtz, Keanu Reeves, Mildred Natwick, Uma Thurman, Peter Capaldi, Joe Sheridan, Valerie Gogan, Laura Benson, Joanna Pavlis, Nicholas Hawtrey, Paulo Abel Do Nascimento, François Lalande, François Montagut, Harry Jones, Christian Erickson u.a.
Genre Drama
Filmlänge 119 Minuten
Deutschlandstart
13. April 1989
Inhalt

Die Marquise de Merteuil ist eine listige Aristokratin, die großes Vergnügen daran findet, ihre gesellschaftliche Machtposition auszuspielen. Mit ihrem ehemaligen Liebhaber, dem Vicomte de Valmont, einem Freigeist und Verführer ohne Moral, heckt sie eine Intrige aus, um ihre Rachepläne an einem anderen Ex-Geliebten zu vollenden: Sie trägt Valmont auf, die unschuldige Cécile, Tochter ihrer Cousine und zukünftige Braut ihres Verflossenen, noch vor ihrer Hochzeitsnacht zu verführen. Als Belohnung verspricht sie Valmont eine gemeinsame Liebesnacht.

Doch Valmont will zunächst nicht mitspielen. Er hat seinen Kopf ganz woanders, nämlich bei der ebenso hübschen wie tugendhaften Madame de Tourvel, die im Haus ihrer Tante wohnt, während ihr Ehemann auf Reisen ist. Doch als Madame de Tourvel vor dem berüchtigten Frauenhelden gewarnt wird und seine Chancen bei ihr zunächst gegen Null gehen, willigt Valmont in das zweifelhafte Geschäft mit der Marquise ein. Er verführt die junge Cécile. Doch die Marquise verweigert ihm die versprochene Belohnung: Die gemeinsame Liebesnacht soll es erst geben, wenn Valmont endlich seine Finger von Madame de Tourvel lässt. Das gefährliche Ränkespiel der beiden Intriganten endet in einem offenen Kampf, der nicht nur sie selbst zu vernichten droht …

Was zu sagen wäre

Zu Beginn des Films legen die Kombattanten ihre Rüstungen an – Rouge für die Wangen, gepuderte Perücken, ausladende Reifröcke. Dann ziehen sie in die Schlacht. Gekämpft wird auf dem Schlachtfeld aber nicht mit Degen oder Messer. sondern mit Intrigen, Lust und Verführung. Das Schlachtfeld sind die Schlösser Frankreichs am Vorabend der französischen Revolution. Stephen Frears ("Sammy und Rosie tun es" – 1987; "Mein wunderbarer Waschsalon" – 1985) hat den schaurig verführerischen Briefroman "Les Liaisons Dangereuses" als böses Spiel mit Fassaden und Masken verfilmt. Da bedeutet ein Lächeln nicht immer eine Freundlichkeit, manchmal verbirgt sich auch Arglist dahinter. die besten Akteure verständigen sich mit kurzen Blicken statt Worten.

Nach diesem Film ist es viel begreiflicher, warum es zur französischen Revolution kam, von der in den Schlössern vor Paris im Film freilich noch nichts zu spüren ist. Ein Adel, der vor lauter Langeweile nur noch intrigante Spielchen spielt, gehört dringend aus den Schlössern vertrieben.

Im Mittelpunkt steht eine für jene Zeit selbstbewusst emanzipierte Frau, die Marquise der Merteuil, gespielt von Glenn Close (Eine verhängnisvolle Affäre – 1987; Der Unbeugsame – 1984; Der große Frust – 1983; Garp und wie er die Welt sah – 1982). Seit ihr Mann gestorben ist hat sie nicht wieder geheiratet, genießt das Leben mit wechselnden Liebhabern und versüßt sich das augenscheinlich etwas langweilige Schlossleben mit ihren Intrigen. Ein Liebhaber hat sie verlassen und will eine junge Frau ehelichen. Für die Marquise Anlass genug, Rache zu üben. Sie greift zu ihrer schärfsten Waffe, den Vicomte de Valmont, ein über die Stadtgrenzen hinaus berüchtigter Schürzenjäger und Verführer, den John Malkovich (Das Reich der Sonne – 1987; "Die Glasmenagerie" – 1987; "Tod eines Handlungsreisenden" – 1985) nicht als galanten Don Juan spielt, sondern als rüden Macho, der vor Obszönitäten und Niedertracht nicht zurückschreckt.

Frears führt uns durch prunkvolle Schlösser mit Kronleuchtern, Gemälden, eleganten Chaiselongues zu Menschen in prächtigen Kleidern, die so ausgreifend sind, dass beim Ankleiden Kammerzofen helfen müssen. Was so warmherzig anmutet ist böse und kalt und als sich der Vicomte dann verliebt – also tatsächlich und richtig – in die elegisch schöne Madame de Tourvel, von Michelle Pfeiffer (Tequila Sunrise – 1988; Die Mafiosi-Braut – 1988; Die Hexen von Eastwick – 1987; Kopfüber in die Nacht – 1985; Scarface – 1983; Grease 2 – 1982) mit tugendhafter Anmut und moralisch elegantem Habitus gespielt, da stürzt sich der Intrigengestählte Valmont in emotionales Chaos. Er ist es gewöhnt, dass Frauen ihn begehren, und die, die das nicht tun, wissen es nur noch nicht. Echte Gefühle aber, Liebe gar, ist er nicht gewöhnt. Frears bietet seinen Schauspielern die große Bühne und die nutzen das weidlich für furiose Auftritte.

Wertung: 8 von 10 D-Mark
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