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Plakatmotiv: Frankensteins Höllenbrut (1972)
Ein fantastisches
Monster-Whooling
Titel Frankensteins Höllenbrut
(Chikyû kogeki meirei: Gojira tai Gaigan)
Drehbuch Takeshi Kimura + Shin'ichi Sekizawa
Regie Jun Fukuda, Japan 1972
Darsteller

Hiroshi Ishikawa, Yuriko Hishimi, Minoru Takashima, Tomoko Umeda, Toshiaki Nishizawa, Zan Fujita, Kunio Murai, Gen Shimizu, Zekô Nakamura, Kuniko Ashihara, Akio Murata, Noritake Saito, Yasuhiko Saijô, Naoya Kusakawa, Wataru Ômae u.a.

Genre Monsterfilm
Filmlänge 80 Minuten
Deutschlandstart
11. Januar 1973
Website Godzilla-Wiki
Inhalt

Eine Gruppe Außerirdische in scheinbarer Menschengestalt versucht die Erde zu erobern und Städte zu zerstören, um diese dann anschließend zu kolonisieren. Sie arbeiten in einem Vergnügungspark, in einem Godzilla nachempfundenen Turm. Zu diesem Zweck rufen sie zwei Monster aus dem Weltraum: Gigan und Ghidorah.

Der Manga-Zeichner Gengo Kotaka erfährt von diesen Plänen bei seiner Arbeit für die Außerirdischen. Mit Hilfe eines gefundenen Tonbandes, das Gengo abspielt, ruft er Godzilla und Anguilas herbei.

Plakatmotiv (Jap.): Frankensteins Höllenbrut (1972)Die vier riesigen Monster kämpfen schließlich gegeneinander, wobei Godzilla und Anguilas mit der Hilfe von Gengo und seiner Freunde auf Seiten den Menschen kämpfen …

Was zu sagen wäre

Die Toho-Studios und ihr Monster Godzilla bleiben sich in jeder Hinsicht treu: Die Filme werden immer bunter, zunehmend weniger ernst, und ihre Botschaft lautet: Schützt unsere Erde vor dem ökologischen Kollaps.

Seinen Schrecken aus den Horrorjahren, als Godzilla als nukleare Nemesis das Land durchpflügte, hat das Ungeheuer verloren. Auch King Ghidora, der gnadenlose Drache mit den drei Köpfen ist mehr Hingucker als Weglaufer. Die Japaner und die Monster haben sich aneinander gewöhnt. So sehr, dass die bösen außerirdischen glauben, sich am besten tarnen zu können, wenn sie einen Monster-Themenpark für Kinder entwickeln – weil diese die Monster heutzutage lieben. Als Anguilas, der Riesenigel, seinen ersten Auftritt am Strand hat, wird er dort zwar von einer Phalanx an Panzern und Strahlenkanonen empfangen; die aber bleiben zunächst mal stumm und warten ab. Wo sie früher gleich gefeuert haben, schauen sie heute erst einmal, wie das Ungeheuer denn so drauf ist.

Godzilla, das Produkt radioaktiver Verseuchung, wurde von den Menschen adoptiert und zählt mittlerweile zum Kanon kindlicher Beglückung. Dass jetzt ein Weltkinderland das perfide Eingangstor ist, sorgt für ein gewisses Spannungslevel, weil Kinder noch mehr zur Opferrolle taugen, zeigt aber vor allem, dass Godzilla und seine Freunde in der japanischen Spielzeugindustrie angekommen sind. Der Handlungsrahmen, in dem ein Freizeitpark für Kinder den zentralen Handlungsort bietet, gibt die Richtung vor – lenkt die Aufmerksamkeit auf das Verbindende von Mensch und Monster gegen die Bedrohung von Außen und dort außen gibt es nur noch Außerirdische.

Das kennen wir aus Befehl aus dem Dunkel, dass Außerirdische über die Erde herfallen, zwar waffentechnisch maximal überlegen, aber sich dann doch noch der Hilfe zweier Ungeheuer aus dem All zu versichern. Das hat auch bei den Monstern aus dem All sogar so gut funktioniert, dass es die an den Kinokassen darbende Godzilla-Reihe wiederbelebte. Damals fehlte den Außerirdischen Wasser auf ihrem Heimatplanaten, heute ist es eine Rasse, die ihre Welt, die noch viel schöner gewesen sein soll als die Erde über Jahrhunderte hinweg zerstört hat:„Krankheiten, Hass oder Feindschaften kannten sie nicht. Ihre Technik war in jeder Beziehung der Euren überlegen. Aber nach etwa zwei Milliarden Jahren sind sie ausgestorben, die ganze Rasse. Schuld hatten sie selbst, denn sie hatten rücksichtslos alles ihrem eigenen Wohlstand geopfert. Sie wollten immer mehr erreichen. Sie haben immer mehr erfunden, sie haben aber nicht gemerkt, dass sie damit ihre lebenswichtige Atmosphäre vergiftet haben. Und vor etwa 100 Millionen Jahren war auch sämtliches Leben in großen Meeren erloschen. Die mit Sauerstoff angereicherte Gashülle, die ihren Planeten einst umschlossen hat, bestand nur noch aus tödlichem Gift. Nach und nach wurde dieser Planet zu einem erloschenem Stern.“ Das ist so plakativ wie die Monster mächtig und es wird sich herausstellen, dass die hoch entwickelten Wesen das Leben gigantischer Kakerlaken gelebt haben. Es ist eben auch immer eine Frage der Perspektive, aus der heraus man behauptet, schöner, besser, höher entwickelt zu sein. Kakerlaken überleben auch den III. Weltkrieg, die Menschheit nicht. Aber die Menschheit allein ist fähig, diesen Weltkrieg auszulösen.

In einer zehn Minuten längeren Version des Film wird die Geschichte dieser Aliens auf unserem Planeten und ihr Einfluss näher erläutert – „Wir sind die Rasse, die unter den schlechtesten Bedingungen am besten leben kann.“ Da werden sogar die Tone der Ungeher in Sprechblasen übersetzt: „He, Anguilas!“, sagt Godzilla. Was ist?“, fragt Anguilas und Godzilla kommandiert „Geh sofort nachsehen, was los ist!“ „Okay!“ „Beeil Dich gefälligst!“ Und es wird eine unselige Lehrer-Schüler-Beziehung offenbart, in der augenscheinlich ein unbescholtener irdischer Schüler gegen einen Außerirdischen ausgetauscht wurde.

„Frankensteins Höllenbrut“ ist ein Scharnierfilm, in dem klassische Godzillafilm-Elemente mit humanistischen Botschaften verknüpft werden und ordentlich Monster-Action inszeniert wird. Jun Fukuda inszeniert bombastische Szenen der nuklearen Apokalypse; das darf man in Japan nie unterschätzen. Die Monster Ghidorah und Gigan schlagen mit erbarmungsloser Härte zu, als wolle diese Freund-Feind-Mutter-Kind-Vater-Opa-egalisierende Gnadenlosigkeit der Monster die Hiroshima- und Nagasaki-Bomben zitieren. Aber wahrscheinlich liegt dieser Verdacht nur einfach nahe bei einem Monsterfilm aus Japan, vielleicht sollte ich nicht zu viel interpretieren, mich statt dessen an einem gelungenen, fantastischem Monster-Whooling erfreuen.

Wertung: 6 von 8 D-Mark
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