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Plakatmotiv: Frankensteins Monster aus dem All (1968)
Ishiro Honda holt den Ernst
in den Monsterfilm zurück
Titel Frankensteins Monster aus dem All
(Kaijû sôshingeki)
Drehbuch Ishirô Honda + Takeshi Kimura
Regie Ishirô Honda, Japan 1968
Darsteller

Akira Kubo, Jun Tazaki, Yukiko Kobayashi, Yoshio Tsuchiya, Kyôko Ai, Andrew Hughes, Chôtarô Tôgin, Yoshifumi Tajima, Kenji Sahara, Hisaya Itô, Yoshio Katsuda, Heihachirô Ôkawa, Ikio Sawamura, Yutaka Sada, Hiroshi Okada u.a.

Genre Monsterfilm
Filmlänge 89 Minuten
Deutschlandstart
27. Januar 1971
Website Godzilla-Wiki
Inhalt

Japan im Jahr 1999 – die Zukunft: Die Menschen haben auf dem Mond eine Raumbasis eingerichtet; Godzilla und seine Monsterfreunde sind auf einer Insel untergebracht, auf der sie von Wissenschaftlern des United Nations Scientific Council (UNSC) überwacht werden.

Doch eines Tages werden die auf der Insel arbeitenden Wissenschaftler durch ein rätselhaftes ausströmendes Gas bewusstlos. Trotz der auf der Insel installierten Sicherheitstechnik brechen die Monster aus: Godzilla überfällt das UN-Gebäude in New York, Gorosaurus zerstört den Triumphbogen in Paris, Flugsaurier Rodan den Kreml in Moskau, während Seeschlange Manda London heimsucht und Riesenmotte Mothra in China ein Zugunglück verursacht. Lt. Katsuo reist mit seinen Kollegen von der Mondstation an, um die Vorfälle zu untersuchen.

Dort findet er den Wissenschaftler Dr. Otani und dessen Assistentin Kyoko vor. Dr. Otani enthüllt, dass die Monster von ihm gesteuert werden. Da erscheint die Königin der Kilaaker, einer außerirdischen, ausschließlich aus Frauen bestehenden Zivilisation, und offenbart, dass ihr Volk nun über die Erde herrschen wird. Ihr Einsatz von Gas gegen Katsuo und seine Leute scheitert jedoch an deren Gasmasken.

Plakatmotiv (Jap.): Frankensteins Monster aus dem All (1968)Als Dr. Otani sich wenig später bei einem Verhör aus dem Fenster in den Tod stürzt, stellt sich heraus, dass auch er von den Kilaakern ferngesteuert wurde. Dies bringt Katsuo auf die Idee, nach der Kommandozentrale der Kilaakern zu suchen, um von dort aus die Monster von weiteren Zerstörungen abzuhalten …

Was zu sagen wäre

Einen Schritt zurück: Nachdem die beiden jüngsten Filme aus den Toho-Studios an der Kinokasse nicht überzeugen konnten, hat Ishiro Honda die Regie wieder übernommen, der den ikonografischen Original Ur-Godzilla gedreht hat.

Honda erzählt eine Geschichte aus einer Welt, die 31 Jahre in der Zukunft liegt. Ein Off-Sprecher klärt uns auf, dass es täglich Flüge zum Mond gibt, auf dem die Menschheit eine Raumstation errichtet hat. Der Mond dient menschlicher Forschung. Die Unterwasserwelt dient menschlicher Forschung. Die Insel, auf der Japan seine Ungeheuer angesidelt hat, dient menschlicher Forschung. Das kann nur schief gehen.

Hatte Regisseur Jun Fukuda zuletzt die Idee, aus der Monsterfamilie eine Familienserie für Jung und Alt – aber vor allem für sehr Jung – zu machen, kehrt Honda nun zurück zum wissenschaftlichen Grusel, in dem Wissenschaftler die Hölle entfesseln und die Ungeheuer das Angebot wieder gerne annehmen. Dabei werden die Ungeheuer internationaler: „Godzilla greift New York an!

Honda greift auf außerirdische Mächte zurück, um seinem Umweltthriller ein ihn tragendes Drama zu verpassen. Das hat schon bei Befehl aus dem Dunkel (1965) ganz gut funktioniert; außerirdische Mächte sind eine gute Grundlage für Monsterfilme, weil Außerirdische mit den Ungeheuern Welteroberndes vorhaben, wo die Menschen zwar forschen, aber die Monster gleichzeitig nur einhegen wollen.

Nebenbei greift Honda ein heißes Eisen der internationalen Politik auf. Die Außerirdischen fordern Raum für sich allein auf dem Planeten Erde. Das macht unseren Heimatplaneten zu etwas sehr Besonderem, auf das viele Populationen des Universums Hunger haben, weil sie ohne die Erde aussterben, weil ihre Heimatwelt aus welchen Gründen auch immer zerstört ist. Dazwischen inszeniert er einfach wunderbare Science-Fiction-Materialschlachten – Panzerfahrzeuge, Raketen, Feuersbrünste, die das Spektakel über das rein Monströse hinaus hebt.

Hondas Monsterfilme sind immer Diskussionen der Wissenschaft mit dem einfachen Menschen. Seine Filme sind wissenschaftliche Anklage und (daraus resultierendes) Spektakel zugleich. Seine Monster haben Rechte, die in der vom Menschen gemachten Welt nicht mehr einklagbar sind. Die Monster verlieren also. Aber es sind wenigstens immer neue Monster. In deren Erschaffung ist Honda einzigartig.

Der Rest ist Spektakelkino. Die letzten 20 Minuten, wenn alle strategischen, politischen, moralischen Diskussionen geklärt sind, lässt er die Monster aufeinander los – inklusive des plötzlich auftauchenden Baby-Godzilla, der bei den Fans eigentlich schon durchgefallen war.

Monster gegen Panzer gegen Monster. Das wollen wir sehen.

Wertung: 6 von 8 D-Mark
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