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Plakatmotiv: Hammett (1982)

Ein eleganter, nostalgischer Film, der
für seinen Regisseur zum Albtraum wird

Titel Hammett
(Hammett)
Drehbuch Dennis O'Flaherty + Thomas Pope + Ross Thomas
nach einem Roman von Joe Gores
Regie Wim Wenders, USA 1982
Darsteller

Frederic Forrest, Peter Boyle, Marilu Henner, Roy Kinnear, Elisha Cook Jr., Lydia Lei, R.G. Armstrong, Richard Bradford, Michael Chow, David Patrick Kelly, Sylvia Sidney, Jack Nance, Elmer Kline, Royal Dano, Samuel Fuller u.a.

Genre Crime, Drama
Filmlänge 97 Minuten
Deutschlandstart
13. Januar 1983
Inhalt

San Francisco, 1928. Früher arbeitete Hammett als Detektiv bei der Pinkerton-Agentur. Seit er den Dienst quittierte, schlägt er sich als Autor von ebenso billigen wie populären Kriminalgeschichten durch. Reich ist er mit der Schreiberei nicht geworden, aber dafür kennt ihn in San Francisco praktisch jedes Kind.

Eines Tages bekommt Hammett unerwarteten Besuch von Jimmy Ryan, einem alten Kollegen aus Pinkerton-Zeiten. Er bittet Hammett, ihm bei der Suche nach einer chinesischen Prostituierten namens Crystal Ling behilflich zu sein. Nach anfänglichem Zögern willigt Hammett ein. Schließlich hat er überall Bekannte und Freunde, die ihm Tipps geben könnten, wo die Frau sich aufhält. In den düsteren, labyrinthischen Gassen von Chinatown beginnen Hammett und Ryan mit ihren Recherchen. Doch anstatt Crystal Ling zu finden, ist plötzlich auch Ryan wie vom Erdboden verschluckt.

Auf der Suche nach seinem Freund trifft Hammett auf zwei alte Bekannte von der Polizei: Leutnant O'Mara und Detektiv Bradford warnen Hammett, nicht weiter nach der Chinesin zu fahnden. Plakatmotiv (US): Hammett (1982) Doch der alte Spürhund in ihm ist längst zu neuem Leben erwacht. Daher merkt er auch sehr schnell, dass er von einem gefährlich aussehenden Burschen verfolgt wird. Langsam schwant Hammett, dass er einem großen Fall auf der Spur ist. Es geht um Sex und Erpressung, um Moral, Mord und Macht …

Was zu sagen wäre

Ein Wim-Wenders-Film, der eigentlich kein Winder-Wenders-Film sein darf. Wenders hat ihn gedreht, er leugnet das auch gar nicht. Aber sein Film über den Kriminalschriftsteller Dashiell Hammett wäre ein anderer gewesen, unter anderem wäre er knapp 40 Minuten länger gewesen und er wäre in schwarz-weiß gedreht worden. Das war Wenders Plan gewesen, vor langer Zeit. Dass sein Film 136 Minuten gehabt hätte, weiß man, weil es eine vom Monitor des Schneidetischs abgefilmte Version der Wenders-Fassung gibt (aber in Farbe), die im Münchner Filmmuseum lagert. Alle Negative und Kopien dieser Filmfassung wurden vernichtet.

Was wir im Kino sehen, ist ein Francis-Ford-Coppola-Film, der vielleicht seinen eigenen Chinatown-Film haben wollte, denn so sieht der Film aus. Er ist eine Hommage an all die Filme, die aussehen wie dieser, nur viel früher und in schwarz-weiß gedreht wurden. "Hammett" ist nur nicht so elegant wie Roman Polanskis Chinatown und in der im Kino zu sehenden Schnittfassung als ein Film von Wim Wenders auch ein Rätsel. Wir erkennen in einigen Bildern Wenders' Verehrung für den Maler Edward Hopper, dessen Motive er in manchen seiner Filme interpretiert und mit ein bisschen Phantasie kann man in der Hammett-Figur, die hier nicht biographisch abgearbeitet, sondern fiktiv erzählt wird, einen der suchenden Einzelgänger erkennen, die in Wenders' Filmografie immer wieder vorkommen – der Tormann, der verhinderte Schriftsteller, der Projektor-Mechaniker, – aber Hammetts Interpret, der Schauspieler Frederic Forrest ("Einer mit Herz" – 1981; The rose – 1979; Apocalypse Now – 1979; Duell am Missouri – 1976; "Der Dialog" – 1974), spielt ihn als weißblonden Humphrey Bogart, inklusive dessen Manierismen.

Dashiell Hammett ist Autor unter anderem von "The Maltese Falcon", verfilmt von John Huston mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle. Wenders zitiert Houstons Film mehrere Male. Hammetts verlässlichen Freund, den Taxifahrer Eli etwa spielt Elisha Cook, der in The Maltese Falcon jenen überkandidelten, unterbelichteten Gangster spielt, den hier David Patrick Kelly nahezu identisch verkörpert und auch nahezu identisch aus dem Film befördert wird.. Es gibt die herzensgute Nachbarin, normalerweise Sekretärin/Assistentin, es gibt das Good-Cop-Bad-Cop-Duo, es gibt das rätselhafte Chinatown, es gibt vernebelte Bootsstege und eine Traumsequenz, die "Hammett" vielleicht tatsächlich als einen Film von Wim Wenders enttarnen könnte; sie ist quietschbunt, mit cartoonartigen Kakteen, darüberhinaus wenig aussagekräftig. Plakatmotiv (Fr.): Hammett (1982) Dieser Film, der 39 Minuten kürzer ist, als die erwähnte – und auch nur mutmaßliche – Wenders-Version, ist nichts weiter als eine an Zitaten reiche Verbeugung vor dem film Noir mit Privat Eye, Femme fatal und mächtigen reichen Drahtziehern.

Wim Wenders hat den Film in den USA, in Hollywood gedreht, dem Land seiner Film- und seiner Albträume, wie seine frühen Werke es häufig suggerieren. Francis Ford Coppola, Regisseur von Kinokklassikern wie Der Pate oder Apocalypse Now, hat ihn nach Hollywood geholt, nachdem er Wenders' Der amerikanische Freund gesehen hat. Bei "Hammett" fungiert Coppola als Ausführender Produzent, also als derjenige, der am Set darüber wacht, dass das investierte Geld so eingesetzt wird, dass Gewinn erwirtschaftet wird.

Der Produktionsprozess von "Hammett" zog sich schließlich über vier Jahre hin. In diesen vier Jahren drehte Wenders noch zwei weitere Filme, Nick's Film und Der Stand der Dinge, der von einem Regisseur handelt, der von seinem Produzenten im Stich gelassen wird, und der Parallelen zur Entstehungsgeschichte von "Hammett" aufweist. So sind etwa – wie auch bei Hammett – die Geldgeber nicht damit einverstanden, dass der Regisseur einen Schwarzweißfilm machen möchte. Auch Wenders' dokumentarischer Kurzfilm "Reverse Angle" befasst sich mit der Produktion von Hammett. Es gab von Anfang an unterschiedliche Auffassungen zu Drehbuch, Besetzung und Filmmusik, die Streithähne waren Wenders selbst, der gerne seine Ehefrau Ronee Blakley prominent besetzen und Ry Cooder für den Score holen wollte, Coppola, der prominentere Gesichter vor der Kamera wollte und Orion Pictures, die weder einen Schwarz-Weiß-Film, noch Kunst wollten, sondern einen publikumswirksamen Actionfilm erwarteten.

Herausgekommen aus diesem kreativen Chaos ist ein elegant fotografierter, stilsicher ausgestatteter Film, der uns ins verrauchte, schwitzende San Francisco Chinatown der 20er Jahre führt. Gleichzeitig kann der Film seine Studiohaftigkeit nie abstreifen.

Es ist ein schöner Film, der aber im Kanon der Filmgeschichte seinen Platz nur hat, weil seine Produktion Wim Wenders traumatisierte und, blickt man auf seine Folgefilme, spürbar etwas in ihm zerbrechen ließ.

Wertung: 5 von 9 D-Mark
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