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Plakatmotiv: Zoomania 2 (2025)

Alles richtig gemacht.
Eine große Freude.

Titel Zoomania 2
(Zootopia 2)
Drehbuch Jared Bush & Byron Howard
Regie Jared Bush + Byron Howard, USA 2025
Stimmen
Ginnifer Goodwin, Josefine Preuß, Jason Bateman, Florian Halm, Ke Huy Quan, Rick Kavanian, Fortune Feimster, Andy Samberg, David Strathairn, Idris Elba, Oliver Stritzel, Shakira, Patrick Warburton, Quinta Brunson, Nate Torrence, Daniel Zillmann, Bonnie Hunt, Don Lake, Macaulay Culkin, Brenda Song, Maurice LaMarche, Christian Brückner, Leah Latham, Ed Sheeran, Blake Slatkin, Peter Mansbridge, Steven Gätjen, Fabienne Growley, Susanne Daubner u.a.
aufgeführt sind deutsche und US-Synchronsprecher
Genre Animation
Filmlänge 108 Minuten
Deutschlandstart
26. November 2025
Website disney.de/filme/zoomania-2
Inhalt

Ex-Gauner-Fuchs Nick Wilde und Polizeianfänger-Häsin Judy Hopps haben gemeinsam den bis dato größten Fall in der Geschichte von Zoomania gelöst und wollen ihre ungewöhnliche Zusammenarbeit nun als frischgebackene Partner fortsetzen. Doch das ist längst kein Selbstläufer und die beiden hadern miteinander.

Chief Bogo schickt die beiden deshalb zum Therapieprogramm "Partner in Krisen". Doch es dauert auch nicht lange, bis das Duo direkt in einen richtigen Fall und damit das nächste Abenteuer stolpert. Die Giftschlange Gary De’Snake taucht in der tierischen Metropole auf und sorgt für Chaos und Panik, schließlich wurde ein solches gefährliches Reptil seit vielen Jahren nicht mehr in der Stadt gesichtet.

Nick und Judy wollen herausfinden, was es damit auf sich hat, und müssen sich dafür auf einen gefährlichen Undercover-Einsatz in Ecken von Zoomania begeben, die selbst ihnen unbekannt sind …

Was zu sagen wäre

Schlangen mag niemand (mit Ausnahme von Reptilienforschern). Die Schlange zischelt, sie schlängelt sich nackt durchs Gebüsch, bleckt giftige Zähne, erwürgt ihr Opfer; die Schlange wird verantwortlich gemacht für des Menschen Vertreibung aus dem Paradies: Eva – Apfel – Schlange – Versuchung – Get oudda here! War es vielleicht in Wirklichkeit alles ganz anders?

Schlangen sind also das perfekte Vehikel für Disney, wenn das Großstudio an den großen Erfolg von Zoomania aus dem Jahr 2016 mit einer großen Geschichte anknüpfen will. Schlangen sind in Zoomania, diesem Melting Pot aller Tierarten, die Parias, die Bösen, die keiner haben will, weil sich alle vor ihnen fürchten. Eine Schlange soll einst einen der Gründerväter Zoomanias getötet haben. Daraufhin sorgten die einflussreichen Luchse dafür, dass Schlangen aus der Gemeinschaft verbannt werden. War es aber vielleicht in Wirklichkeit alles ganz anders?

In diesem großartigen, visuell explodierenden Abenteuer vermischen sich klassische Sagen und Legenden mit Magischen Kinomomenten und aktueller Weltpolitik und vermengen sich zu einem gesellschaftlichen Tableau. Die Vertreibung aus dem Paradies spielt genauso eine Rolle wie der Westernmythos des Landräubers. Der Israel-Gaza/Russland-Ukraine-Konflikt scheinen auf. Plakatmotiv: Zoomania 2 (2025) Das verschneite Labyrinth aus Kubrick Shining bekommt seinen Auftritt mitsamt einem Jack Nicholson-Lookalike, und was eigentlich aus Pixars begabter Küchenratte Ratatouille geworden ist, verrät der Film in einem schnellen Kameraschwenk auch.

Und dann haben wir ja noch gar nicht über die beiden Hauptfiguren gesprochen. Die heißen auch hier wieder Judy Hopps und Nick Wilde – sie Häsin, er Fuchs. Beider Verhältnis hat sich seit den Ereignissen vor neun Jahren – die im Film gerade mal eine Woche zurückliegen – kaum verbessert. Die ehemaligen Fressfeinde sind jetzt befreundet – irgendwie –, Partner in der Polizeiuniform. Sie sehr aktiv, engagiert und nach vorne gerichtet, er eher den vermeintlich unabänderlichen Realitäten des Lebens ablehnend ins Auge blickend. Und die Polizeiführung setzt im Straßeneinsatz mehr auf die Kollegen mit den Hörnern – Schafe, Büffeln, Warzenschweine – als auf die PR-Lieblinge Fuchs und Hase – was sehr schnell zu Blechschäden und Schreierei des Captain führt. Den Regeln des klassischen Buddy-Movies folgend dürfen die beiden kein Paar werden, müssen aber lernen, einander blind zu vertrauen und auf dem Weg dahin wird es turbulent, unterhaltsam, herzerwärmend. Es menschelt sehr unter den Tieren, von denen hier einige nur deshalb einen kurzen Auftritt haben, weil sie in Film 1 eingeführt und gemocht wurden und also, ohne groß in die Handlung einzugreifen, nochmal in die Kamera winken dürfen. Bis auf Flash, das Faultier natürlich. Flash, das Zeitlupentier, hat eine tragende Rolle.

In den neun Jahren seit dem ersten Film, der uns ausführlich und spannend diese Welt aufgedröselt hat, in der die unterschiedlichsten Tiere – große und kleine, Fressfeinde und Vegetarier – zusammenleben, in dem es um Diversität und den Glauben, alles erreichen zu können ging, haben sich in den Köpfe der beiden Filmemacher Jared Bush und Byron Howard soviel neue Ideen angesammelt, dass sie uns tatsächlich eine ganz neue Geschichte in einer neuen Welt voller wilder Ideen liefern können. Es bleibt ein Disney-Film, also werden die Werte von Freundschaft und Vertrauen wieder zum Anschlag getrieben. Dabei entfaltet sich aber ein ganz neues Zoomania. Neue Landschaften, neue Habitate, neue Tiere, eine neue geheimnisvolle Verschwörung und eine Geschichte, die von Vertreibung und Landraub erzählt, die niemand in Zoomania so wirklich wissen möchte.

Bis auf Judy Hobbs. Sie brennt darauf, kein One Hit Wonder zu bleiben, will unbedingt den zweiten großen Polizeicoup nach ihrem Auftritt mit Nick vor einer Woche landen und – das darf man getrost verraten – schafft das auch. Die Auflösung entlarvt diesen Fall als weniger spektakulär, als damals, als die Bürgermeisterin mörderische Intrigen gesponnen hatte, mit der sie beinahe die Seele der Stadt zerstört hätte. Sie bietet aber in dieser irre abwechslungsreichen Stadt ausreichend verschlungene Verstrickungen, um den Film diesbezüglich in die Nähe von Roman Polanskis Chinatown zu schieben. Plakatmotiv: Zoomania 2 (2025) Und was den Ruf der Schlange angeht, sollten Bibelexegeten sich das Alte Testament in Sachen Vertreibung aus dem Paradies vielleicht doch noch mal genauer angucken.

Visuell ist der Film Lichtjahre von seinem Vorgänger entfernt. Die Bilder sind nicht einfach bunt und farbsatt. Ihr Detailreichtum sprengt den Rahmen des einmal Gucken. Shakiras singende Antilope hat jetzt im Gesicht ein sichtbar weich gezeichnetes Fell. Im Fell von Judy wie dem von Nick bewegt sich jedes einzelne Härchen. Die Welt von Zoomania erweitert sich um gefährliche Wasserröhren, Marschland für Seelöwen und die versteckten Reptilien, schweizartiges Hochgebirge und neue Freunde. Eine zupackende Biberdame entzückt des Zuschauers Herz und Gary De’Snake, die vermeintlich tödliche Giftschlange ist eine würdige Urenkelin der Disney'schen Boa Constrictor Kaa, die im Dschungelbuch 1967 Mowgli die Augen verdrehte.

Und überhaupt: Wenn Police-Rookie Judi Hobbs zum Undercover-Einsatz im gelben Ballkleid aufläuft, die langen Ohren zur Hochsteckfrisur verknotet, ist sie goldig hoch fünf – einer der großen Momente des Kinojahres 2025. Diese Fortsetzung ist aus so vielen Gründen ihren Aufwand wert. Eine große Freude.

Die Trickfilmstudios bei Disney haben sich mittlerweile auf Fortsetzungen eingespielt. Nach Vaiana 2 im vergangenen und "Zoomania 2" in diesem Jahr folgt im Sommer "Toy Story 5" und 2027 in diesem Theater "Die Eiskönigin 3". Für großes Aha sorgte da im Kino heute ein Trailer für "Hopper", einen Disney-Pixar-Film, der im März 2026 kommen soll und was Eigenständiges hat – auch wenn es inhaltlich gewisse Anleihen zu James Camerons Avatar von 2011 zu geben scheint.

Wertung: 8 von 8 €uro
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