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Plakatmotiv: Helden aus der zweiten Reihe (2000)
Klassisches Aufsteigermärchen
mit einer erfrischender Note
Titel Helden aus der zweiten Reihe
(The Replacements)
Drehbuch Vince McKewin
Regie Howard Deutch, USA 2000
Darsteller Keanu Reeves, Gene Hackman, Brooke Langton, Orlando Jones, Faizon Love, Michael Taliferro, Ace Yonamine, Troy Winbush, David Denman, Jon Favreau, Michael Jace, Rhys Ifans, Gailard Sartain, Art LaFleur, Brett Cullen u.a.
Genre Komödie, Drama
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
21. Juni 2001
Inhalt

Bei den „Washington Sentinels“ in der National Football League geht die aktuelle Saison ihrem Ende entgegen. Die Playoff-Runde rückt in greifbare Nähe. Ausgerechnet zu diesem höchst ungünstigen Zeitpunkt fängt das Team der Washington Sentinels einen Streik an. Grund: Die profitgierigen Sport-Stars wollen (noch) mehr Geld.

Edward O'Neil, der Besitzer der Sentinels, wendet sich in seiner Verzweiflung an Washingtons legendären, mittlerweile längst in Rente gegangenen Trainer Jimmy McGinty. Der alte Coach soll binnen einer Woche ein Team aus Ersatzspielern zusammenstellen. Das Resultat ist eine bunt zusammengewürfelte Truppe aus Underdogs, die völlig unverhofft ihre zweite Chance erhalten.

Angeführt wird das Außenseiter-Team von Ex-Quarterback Shane Falco, der einst wegen mangelnder Nervenstärke seine Profi-Karriere vorzeitig beendet hatte. Weiterhin rekrutierte McGinty den sprintstarken aber fangschwachen Clifford Franklin, den ungestümen Psycho-Polizisten Daniel Bateman, den ehemaligen walisischen Fußball-Profi Nigel „The Leg“ Gruff, Knast-Freigänger Earl Wilkinson alias „Smith“ und Sumo-Ringer Jumbo Fumiko. Nach anfänglichen Schwierigkeiten vollbringen die „Replacements“ wahre Wunder, auch gegen die gehässigen Profis.

Plakatmotiv (US): The Replacements – Helden aus der zweiten Reihe (2000)Falco freundet sich mit dem Cheerleader Annabelle Farrell an. Beziehungen zwischen den Spielern und den Cheerleadern sind aber grundsätzlich verboten …

Was zu sagen wäre

Es ist die ewige Aufsteigerstory im Sportmilieu. Ein paar größere und kleinere Nieten – „Du bist kein Ehemaliger. Du bist ein Niemals-dabei-Gewesener!“ – sollen in kürzester Zeit in die Play-Offs gegen ausgefuchste Profis einziehen. Mehr amerikanischer Geist geht kaum, es sei denn, man setzt noch das deutlich kapitalistische Moment oben drauf. Hier streiken Millionäre mit bemerkenswerten Begründungen – „Naja, zu den fünf Millionen im Jahr muss man ja sehen, dass noch zehn Prozent an den Agenten gehen und Steuern…“ – für noch mehr Geld und es kämpfen in der Folge echte Sportler für kein Geld für die Meisterschaft. Das ist eine frische Farbe in diesem Topos. Aber alles andere ist, naja, ein Sumo-Ringer in der Defense, ein drahtiger Rhys Ifans (ausgeflippt) im Spielaufbau und Keanu Reeves als knapp gescheiterte Legende im Quaterback-Job … da ist schnell klar, wohin die Reise geht und der durchaus fragwürdige Streik-Hintergrund lediglich ein Feigenblatt.

Zum weiteren Personal gehört auch die Chefin der Cheerleader, die sich besser im Football auskennt, als die Spieler und unglaublich attraktiv ist, bei der also völlig klar ist, dass sie und Keanu am Ende … und so lehnen wir uns zurück und verfolgen einen gänzlich überflüssigen, aber unterhaltenden Film, Motto: „Earn Your Respect.“ Schön ist, dass die Besetzung Gene Hackmans als Trainer – und also einer der Good Gys – die Wohlfühlathmosphäre unterstreicht – „Ich bin nur eine weitere Ente auf dem Teich.“ Seine Erfahrung im Showbusiness bringt der mittlerweile 70-Jährige hier als die Altersweißheit eines Football-Trainers (was ja auch Showbusiness ist) ein. Schön, dass er dabei ist, einfach, weil er The Gene ist (Der Staatsfeind Nr. 1 – 1998; Im Zwielicht – 1998; Absolute Power – 1997; Die Kammer – 1996; „Extrem… mit allen Mitteln“ – 1996; The Birdcage – 1996; „Schnappt Shorty“ – 1995; Crimson Tide – 1995; „Wyatt Earp – Das Leben einer Legende“ – 1994; „Die Firma“ – 1993; Erbarmungslos – 1992; „Das Gesetz der Macht“ – 1991; „Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses“ – 1988; No Way Out – 1987; Superman IV – Die Welt am Abgrund – 1987; „Freiwurf“ – 1986; Die verwegenen Sieben – 1983; „Unter Feuer“ – 1983; „Reds – Ein Mann kämpft für Gerechtigkeit“ – 1981; Superman – 1978; „Die Brücke von Arnheim“ – 1977; French Connection II – 1975; Frankenstein Junior – 1974; „Der Dialog“ – 1974; Die Höllenfahrt der Poseidon – 1972; French Connection – Brennpunkt Brooklyn – 1971; „Bonnie und Clyde“ – 1967).

Die spezielle Qualität dieses Films enthüllen die Cheerleaders. Jene hübschen, jungen, knapp bekleideten Mädels, welche wegen der streikenden Profis der Washington Sentinals durch Table Dancerinnen ersetzt wurden, denen man das leicht anzügliche Getänzel nicht erst lange antrainieren muss. Deren dann doch sehr spezieller Cheering-Style aber lenkt die gegnerischen Jungs auf dem Feld nun derart ab, dass ihre Trainer offiziell Beschwerde einlegen. Es ist eine hübsche Spitze gegen eine Cheerleading-Kultur, der auch noch am prüdesten Campus der Hauch einer Aufforderung zum Sex anhaftet. Mit dieser Szene setzt Howard Deutch (Immer noch ein seltsames Paar – 1998; „Der dritte Frühling“ – 1995; „Ferien zu dritt“ – 1988; „Ist sie nicht wunderbar?“ – 1987; Pretty in Pink – 1986) echt einen Punkt. Es folgen Rückschlag, Melancholie, Romantik – und das zu erwartende durchschnittliche Kinoerlebnis treibt einem melancholische Tränen und Gänsehaut in den Körper.

Schon klar: Dieser Film ist ein kommerzielles Produkt eines auf Gewinn ausgelegten Filmstudios, kurz: Es ist erste Sahne verlogene Scheiße aus der Hand von Leuten, die eine möglichst hohe Rendite einstreichen wollen (vulgo: Filmstudio) über Leute, die eine möglichst hohe Rendite einstreichen wollen (vulgo: böse Sportgewinnmaximierer). Da steckt viel drin zwischen den Zeilen.

Ich mag aber diese Team-building-Geschichten, wenn sie von professionellen Handwerkern und Erzählern erzählt wird. Macht Spaß.

Wertung: 7 von 11 D-Mark
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