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Plakatmotiv: Verdammt in alle Ewigkeit (1953)

Der Alltag in Uniform als
Spiegel des Lebens

Titel Verdammt in alle Ewigkeit
(From Here to Eternity)
Drehbuch Daniel Taradash
nach dem gleichnamigen Roman von James Jones
Regie Fred Zinnemann, USA 1953
Darsteller

Burt Lancaster, Montgomery Clift, Deborah Kerr, Donna Reed, Frank Sinatra, Philip Ober, Mickey Shaughnessy, Harry Bellaver, Ernest Borgnine, Jack Warden, John Dennis, Merle Travis, Tim Ryan, Arthur Keegan, Barbara Morrison u.a.

Genre Drama, Krieg
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
6. Februar 1954
Inhalt

Sommer 1941 in der US-Kaserne Schofield, Hawaii: Der Soldat Robert E. Lee Prewitt wird auf den US-Truppenstützpunkt Pearl Harbor versetzt. Sein Captain Dana Holmes hat viel mit ihm vor: Er will befördert werden und der Weg scheint nur über seine erfolg- und siegreiche Boxstaffel zu führen.

Da Prewitt früher ein begabter Boxer war, will Holmes ihn dafür rekrutieren. Allerdings hat Prewitt die Boxhandschuhe inzwischen an den Nagel gehängt, nachdem er bei einem Trainingskampf seinen Sparringspartner blind geschlagen hatte. Holmes will sich damit nicht abfinden und lässt Prewitt schleifen. Der Geschundene erträgt jedoch alle Schikanen. Trost sucht Prewitt bei Lorene, die er in einem Bordell kennengelernt hat.

Sergeant Milton Warden sieht sich das alles aus der Distanz an. Der Stellvertreter von Holmes hat nämlich heimlich ein Verhältnis mit dessen Frau Karen, allerdings unter strengster Geheimhaltung, da ihm sonst das Militärgefängnis droht. Als Prewitts Freund Maggio in einem Straflager zu Tode geprügelt wird, tötet Prewitt den verantwortlichen Sergeant Judson. Anschließend desertiert er und versteckt sich – da greifen die Japaner Pearl Harbor an …

Was zu sagen wäre

Im Grunde ist das Leben auf dem Kasernenhof auch nicht anders als das draußen in freier Wildbahn. Je länger nichts los, alles friedlich ist, desto krudere Sitten und Rituale bilden sich im Alltag. Erst, wenn's kracht, sind alle Streitereien beiseite gelegt und wird die Energie gegen den Feind von außen gewendet. Fred Zinnemanns Blick in die Männerwelt des Militärs ist also ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.

Mit Krieg, also dem tieferen Sinn ihrer Gemeinschaft, rechnet in der Kaserne in Schofield niemand. Ein Captain hofft, über ein erfolgreich trainiertes Boxteam endlich zum Major befördert zu werden und ordnet dem alles andere unter. Ein Soldat, ehemals erfolgreicher Boxer, der nicht boxen will, wird grausam kujoniert und von den Kameraden geschleift – von wegen "Kameradschaft" und "Loyalität". Die Werte, die das leben in der Armee angeblich ausmachen – in Schofield haben die Ausgang. Die einfachen Soldaten leben für ihren Ausgang am Wochenende, um mit den Mädchen in der Stadt zu feiern.

Ja, Frauen gibt es auch. Der auf den nächsten Schulterklappen-Stern scharfe Box-Captain lässt seine wunderschöne Frau alleine zuhause sitzen, nachdem die nach einem tragischen Ereignis keine Kinder mehr gebären kann und als Mutter einer Vorzeigefamilie also für die Karriere nicht mehr interessant ist, und besucht seine Damen in der Stadt. In diese Lücke springt der Spieß der Kompanie, Sergeant Warden, den die zur Schau gestellte Kühle der verwaisten Ehefrau reizt. Plakatmotiv (US): From here to Eternity (1953) Es wird exerziert, gesungen, geprügelt – und auch gestorben, ohne Feindeinwirkungen. Als schließlich die Japaner am 7. Dezember 1941 Pearl Harbor angreifen, ist das für alle beinah eine Erleichterung: das öde Leben in Uniform ergibt Sinn, als die Flugzeuge die ersten Bomben werfen. Der Zuschauer im Kinosessel ist da, wie so oft im Kino, früher im Bilde, als die Protagonisten: Als sich für den Schützen Robert E. Lee Prewitt, jenem schikanierten Soldaten, der nicht boxen will, endlich alles zum Guten, mit einem neuen Captain ein neuer Stil in die Einheit kommt, lehnt Sergeant Warden sich an die Wand, an der ein Kalender unübersehbar den 6. Dezember anzeigt – das neue Leben in der Einheit beginnt am letzten Nachmittag vor dem Krieg.

Fred Zinnemanns Männerfilm dauert knapp zwei Stunden und nicht immer ist was los. Sein Film spiegelt die Leere des Soldatenlebens zwischen Karriere und Kantine und schaut auf drei Handlungsstränge. Da ist die Liebesgeschichte des Sergeanten mit der Frau des Captain, immer in Gefahr, aufgedeckt zu werden, was den Sergeanten, den scheinbar einzig vernunftbegabten Mann in der Kaserne, seinen Rang kosten würde. Burt Lancaster ("Der rote Korsar" – 1952) spielt ihn mit der stoischen Ruhe eines Mannes, der weiß, was er vom Leben erwarten darf; und diese von der eleganten, leicht unterkühlt wirkenden Deborah Kerr gespielte Ehefrau (Julius Caesar – 1953; Quo Vadis – 1951) ist für den Sergeanten eigentlich schon eins drüber – die Leidenschaft beider Liebe zueinander inszeniert Zinnemann in einer zu ihrem Entstehungszeitpunkt unerhörten Szene: beide liegen in Badehose/Badeanzug knutschend am Strand, als sie von mächtiger Gischt überschwemmt werden; eine Szene, die zu den am häufigst zitierten und veralberten Szenen der Kinogeschichte gehört.

Die zweite Geschichte ist die des Soldaten Prewitt, der sich für 30 Jahre in der Armee verpflichtet hat, eines ziemlichen Dickschädels, der bis zum Ende nicht verrät, was ihn eigentlich in dieser Armee so fasziniert, in der er unter Vetternwirtschaft, Karrieristen und Schlägern zu leiden hat und das Gute und Schöne – vulgo: die Liebe – nur außerhalb der Kaserne erfährt. Insofern ist Montgomery Clift in dieser Rolle, für die zunächst unter anderen Aldo Ray und John Derek im Gespräch waren, sehr richtig besetzt. Clift umgibt seine Leinwandfiguren immer mit dieser Aura eines zwanghaften Wahns ("Rom, Station Termini" – 1953; Zum Schweigen verurteilt – 1953; "Red River – Panik am roten Fluss" – 1948).

Und dann ist da noch die Geschichte des fröhlichen Angelo Maggio, der wirkt, als habe er beim Pokern verloren und habe deshalb in die Armee eintreten müssen. Er lebt für Wein, Weib und Gesang, aber nicht für Befehl und Gehorsam. Zur Überraschung vieler spielt Frank Sinatra diese Rolle, dessen Stern schon hinterm Horizont verschwunden schien. Eli Wallach war für die Produzenten und auch für den Regisseur Zinnemann (Zwölf Uhr mittags – 1952) erste Wahl. Sinatra bot an, die Rolle ohne Gage zu übernehmen. Als Wallach dann schließlich absagte, da er lieber am Broadway auftreten wollte, erhielt Sinatra die Rolle für nur 8.000 Dollar Gage. Zum Vergleich: Clift erhielt 150.000, Lancaster 120.000 Dollar Gage.Sinatra legt sich ins Zeug, ist präsent, herzlich, dramatisch. Im März 1954 wurde Sinatra für sein Spiel mit dem Supporting-Actor-Oscar ausgezeichnet.

Wertung: 5 von 6 D-Mark
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