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Plakatmotiv: Narrow Margin – 12 Stunden Angst (1990)

Ein Thriller vom Reissbrett – Gelungen

Titel Narrow Margin – 12 Stunden Angst
(Narrow Margin)
Drehbuch Peter Hyams
nach einem Script von Earl Felton + Martin Goldsmith + Jack Leonard
Regie Peter Hyams, USA 1990
Darsteller

Gene Hackman, Anne Archer, James Sikking, J.T. Walsh, M. Emmet Walsh, Susan Hogan, Nigel Bennett, J.A. Preston, B.A. 'Smitty' Smith, Codie Lucas Wilbee, Barbara Russell, Antony Holland, Doreen Ramos, Kevin McNulty, Andrew Rhodes u.a.

Genre Action, Crime, Thriller
Filmlänge 97 Minuten
Deutschlandstart
14. März 1991
Inhalt

So hat sich Carol Hunnicut ihre erste Verabredung mit dem Rechtsanwalt Michael Tarlow nicht vorgestellt: Kaum sind sie in Tarlows Hotelzimmer angekommen, als auch schon ein mächtiger Mafioso mit seinen Killern auftaucht, um den Rechtsanwalt zu ermorden.

Carol kann sich zwar erfolgreich vor den Gangstern verstecken, doch als potenzielle Kronzeugin steht sie jetzt ganz oben auf der schwarzen Liste der Mafia. Ihre Flucht führt in eine einsame Berghütte in Kanada, wo sie alsbald Besuch bekommt; sowohl von Auftragskillern als auch von Staatsanwalt Robert Caulfield, der sie zur Aussage vor Gericht gegen den Mafiaboss bewegen will. Gemeinsam entkommen Robert und Carol nur knapp einem brutalen Anschlag der Gangster.

Es gelingt ihnen trotz ständiger Verfolgung, den Nachtzug nach Vancouver zu besteigen. Dort angekommen, wären sie in Sicherheit. Doch auch die Mafia-Schergen befinden sich im Nachtzug. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie ihre Opfer stellen werden …

Was zu sagen wäre

Eine Kronzeugin gegen das Organisierte Verbrechen. Die einen wollen sie auf Teufel komm raus ausschalten. Die anderen wollen sie auf Teufel komm raus lebendig als Zeugin in den Gerichtssaal bringen. Diese Geschichte ist im Kino so oft erzählt worden, dass es dafür mittlerweile feste Storymodule geben muss. Die Frage für die Produzenten lautet lediglich: In welchem Rahmen läuft die Geschichte ab.

Peter Hyams wählt den Zug. Züge sind eng, es gibt jede Menge Abteile, es gibt die schmalen Gänge, an denen man sich aneinander vorbei drücken muss, es gibt festgelegte Haltestellen und dazwischen nichts als von Gleisen durchschnittene Wildnis.

"Narrow Margin" ist ein Konzept-Thriller in der Hand eines Autorenfilmers. Peter Hyams ist Autor, Kameramann und Regisseur in Personalunion, der einen alten RKO-Thriller aus dem Jahr 1952 neu inszeniert. Plakatmotiv (US): Narrow Margin (1990)Das Konzept lautet: Jäger und Gejagte auf engstem Raum ohne Fluchtmöglichkeit. Warum? Wieso? Weshalb? Das spielt überhaupt keine Rolle, Figuren und Taten sind austauschbar. Es geht nur darum, dass Du Dein Popcorn im Kinosessel nicht vergebens mampfst. Über weite Strecken gelingt Peter Hyams (Presidio – 1988; Diese Zwei sind nicht zu fassen – 1986; Outland – Planet der Verdammten – 1981; Unternehmen Capricorn – 1977) das sehr gut, nur im letzten Drittel, wenn der Zug nicht mehr hält, das Personal also auf sich begrenzt ist, knickt der Spannungsbogen ein. Es wird viel geredet, es gibt bleischwere Männergangster-Dialoge mit Wir-wollen-das-unblutig-beenden-Sätzen plus deren Ergänzung Wir bieten Ihnen das Zehnfache. Aber das sind letztlich nur zähflüssige Ankündigungen dessen, was da am Ziel in Vancouver auf die Protagonisten wartet, ohne, dass das Spannung erzeugt.

Im Zug, vor dem Showdown, das ist die Regel eines Konzeptfilms, wird unseren Helden nichts passieren. Zumal dieser Held von Gene Hackman verkörpert wird (Eine andere Frau – 1988; Mississippi Burning – 1988; No Way Out – 1987; Superman IV – Die Welt am Abgrund – 1987; Die verwegenen Sieben – 1983; Unter Feuer – 1983; Superman – 1978; Die Brücke von Arnheim – 1977; French Connection II – 1975; Frankenstein Junior – 1974; "Der Dialog" – 1974; Die Höllenfahrt der Poseidon – 1972; French Connection – Brennpunkt Brooklyn – 1971; Leise weht der Wind des Todes – 1971). Hackman spielt einen Schreibtischhengst. Im Zeugenschutz ist er nicht sonderlich erfahren, eher ein in seinen Fall verbissener Schluffi. Für die im Actionthriller notwendige Emotion sorgt Anne Archer (Eine verhängnisvolle Affäre – 1987). Sie ist die Kronzeugin wider Willen, die insgesamt beschlagener wirkt, was das Dem-Mob-aus-dem-Weg-gehen angeht, als der stellvertretende Staatsanwalt, der sie beschützen will.

Das große Finale in Vancouver findet dann gar nicht statt, statt dessen eines auf dem Dach des durch die gebirgige Wildnis fahrenden Zuges. Das Duell oben auf dem Dach ist überraschend abwechslungsreich. Auch hier zeigt Peter Hyams seine wahre Begabung. Der Schauplatz ist spektakulär – ebenso wie die Bilder, die Hyams als Director of Photography immer wieder für seinen Thriller findet. Nicht so spektakulär ist die ausgeleierte Dramaturgie.

Visuell ist der Thriller ein Erlebnis. Das hilft im Kinosessel über die Durchhänger im letzten Drittel.

Wertung: 6 von 10 D-Mark
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