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Plakatmotiv: Leise weht der Wind des Todes (1971)

Ein orientierungsloser Film, der sich hinter
der Schönheit Candice Bergens versteckt

Titel Leise weht der Wind des Todes
(The Hunting Party)
Drehbuch Gilbert Ralston + Lou Morheim + William W. Norton
Regie Don Medford, UK, USA 1971
Darsteller

Oliver Reed, Gene Hackman, Candice Bergen, Simon Oakland, Ronald Howard, L.Q. Jones, Mitchell Ryan, William Watson, G.D. Spradlin, Rayford Barnes, Bernard Kay, Richard Adams, Dean Selmier, Sarah Atkinson, Francesca Tu u.a.

Genre Action, Drama
Filmlänge 111 Minuten
Deutschlandstart
4. September 1971
Inhalt

Der reiche und rücksichtslose Rancher Brandt Ruger behandelt jeden, auch seine junge Frau Melissa, wie sein Eigentum und eine Bedienstete. Als Ruger und einige Freunde zu einer Jagd aufgebrochen sind, entführt der weithin bekannte Gesetzlose Frank Calder mit seiner Bande Melissa, da er sich von ihr, die von Beruf Lehrerin ist, das Lesen beibringen lassen möchte. Er erzählt ihr, dass er sich nicht für ihre Familiengeschichte interessiere. Da er sie gut behandelt und sich um sie kümmert, verliebt sich Melissa in Frank.

Als Ruger von der Entführung erfährt, empfindet er sie als persönliche Demütigung. Voller Hass und Rachegelüste macht er sich auf die Verfolgung, um Frank und, falls es nötig sein sollte, auch Melissa zu töten.

Plakatmotiv: Leise weht der Wind des Todes (1971)Zusammen mit seinen Freunden und mit den neuesten Präzisionsgewehren ausgestattet, radiert Ruger die Leute Franks, die lieber ein Lösegeld kassiert hätten, statt Melissa weiter bei sich zu behalten, nacheinander aus, bis nur noch dieser selbst und Melissa übrig bleiben …

Was zu sagen wäre

"The Hunting Party" heißt der Film im Original und das beschreibt den Film in seiner ganzen Komplexität ganz gut – auch wenn wir uns unter dem Begriff Party im allgemeinen etwas Fröhliches vorstellen. Fröhlich ist an diesem Film nichts. Aber er beschreibt eine Jagd, eine Menschenjagd. Der deutsche Titel indes führt insofern in die Irre, als das der "Wind des Todes" hier nicht leise weht. Brandt Ruger und seine Jagdgesellschaft hat zwar Winchester-Gewehre, die über die unglaubliche Distanz von 800 Metern treffen können – somit einen Wind des Todes imitieren – aber dieser Wind ist alles andere als leise.

Der Film erzählt in archaischen Strukturen: Männer mit Besitz. Männer ohne Besitz. Zwischen ihnen eine junge, schöne Frau, die der Mann mit Besitz als seinen Eigentum ansieht, während der ohne Besitz um sie kämpft. Gene Hackman ("Kein Lied für meinen Vater" – 1970; "Verschollen im Weltraum" – 1969; "Schussfahrt" – 1969; "Bonnie und Clyde" – 1967), dem man die Kaltherzigkeit des Mannes mit Besitz jederzeit abnimmt, füllt diese Figur mit Leben, so gut es eben geht. Nicht nur mit dem Score lehnt sich Don Medford an die frühen Italowestern an. Auch in der kargen Dramaturgie. Es gibt keine zweite Ebene. Großgrundbesitzer Ruger ist ein skrupelloser Über-Leichen-Geher, Underdog Frank Calder will Lesen lernen, weil sein bester (und mittlerweile toter) Freund ihm ein Tagebuch hinterlassen hat, und entführt deshalb Rugers Frau. Punkt. Der Rest ist Konsequenz.

Candice Bergen ("Das Wiegenlied vom Totschlag" – 1970), die diese Ehefrau Melissa spielt, ist für so einen Film das perfekte Opfer. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, als habe die Regie diese außergewöhnlich schöne Frau nur besetzt, um sie für ihre Schönheit zu bestrafen; dauernd steckt sie in blutigen Auseinandersetzungen oder Vergewaltigungsszenen. Eine Rolle über ihre Schönheit hinaus hat sie nicht. Dass sie ihre männlichen Entführer allesamt irre macht, liegt eben in Candice Bergens unschuldiger Schönheit begründet, nicht im Drehbuch.

Keine der Figuren erzählt eine tiefere Geschichte. Ruger und seine Männer erschießen aus der großen Distanz Entführer, bis sich die Schützen wegen schlechten Gewissens von Ruger abwenden. Das ist die eine (kleine) Entwicklung in diesem Film. Bei den Entführern gibt es die klassische Mischung aus notgeilen Arschlöchern und eigentlich ganz okayigen Typen, aber warum sich Melissa in Bandenchef Frank verliebt, nur weil der sie nach einer ersten Vergewaltigung eigentlich ganz nett behandelt, bleibt der Fantasie des Zuschauers überlassen.

Mit dem Abspann bleibt eine Versuchsanordnung zurück, die schief gegangen ist: Böser Potentat. Freier Radikaler. Schöne Frau. Da hätte es nun irgendeine Entwicklung geben müssen. Irgendwer hätte durch die Geschehnisse des Films Erkenntnisse filtern müssen. Tut aber niemand. Statt dessen erleben wir lauter kleine blutige, sexistische, brutale Miniaturen, die übertünchen sollen, dass es kein Großes Ganzes gibt.

Am Ende liegen halt alle tot in der Wüste, und also kann ich nach Hause gehen mit der Erkenntnis: „Aha: Die alte Welt des Law-without-Order-Westens ist Geschichte.“ Okay. Aber das haben mir frühere Western schon eleganter erzählt, mit weniger aufgeblasener Pseudo-Bedeutung und mit spannenderen Geschichten.

Wertung: 2 von 8 D-Mark
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