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Plakatmotiv: Presidio (1988)

Gute Bilder, Schlechte Story
Hanebüchene Testosteron-Kerle

Titel Presidio
(The Presidio)
Drehbuch Larry Ferguson
Regie Peter Hyams, USA 1988
Darsteller

Sean Connery, Mark Harmon, Meg Ryan, Jack Warden, Mark Blum, Dana Gladstone, Jenette Goldstein, Marvin J. McIntyre, Don Calfa, Robert Lesser, James Hooks Reynolds, Curtis W. Sims, Rick Zumwalt, Rosalyn Marshall u.a.

Genre Crime, Action
Filmlänge 97 Minuten
Deutschlandstart
13. Oktober 1988
Inhalt

Im Militärstützpunkt Presidio an der Golden Gate Bridge von San Francisco wird die Militär-Polizistin Patti Jean Lynch ermordet, als sie einen Einbruch im Offiziersclub des Stützpunktes untersucht. Lt. Colonel Caldwell wird von militärischer Seite aus beauftragt, den Fall aufzuklären. An seine Seite wird der Polizist Jay Austin gestellt.

Austin hat keine gute Erinnerung an Caldwell, da ihm dieser während seiner Militärzeit auf ebendiesem Stützpunkt ohne Prüfung die Schuld an einem Vorfall zugeschrieben und einen Offizier entlastet hat. Als sich Austin in Caldwells Tochter Donna verliebt, werden die Differenzen zwischen den beiden immer größer. Im Mordfall verdächtigt Jay Austin den Offizier, den Caldwell vor Jahren gedeckt hat. Eine Hülse aus der Mordwaffe scheint den Verdacht zu bestätigen. Als Austin den Verdächtigen verhaften will, kommt dieser bei der Flucht durch einen Autounfall um, wobei der Fahrer des Fahrzeugs Fahrerflucht begeht.

Plakatmotiv (US): The Presidio (1988)Für Austin ist der Fall damit abgeschlossen, nicht jedoch für Colonel Caldwell, dem das Tatmotiv fehlt und der mehrere Hintermänner vermutet …

Was zu sagen wäre

Der Vorspann zeigt uns San Francisco. Im kollektiven Gedächtnis verankert als Stadt der Blumenkinder. Transamerica Pyramid, Golden Gate Bridge, Chinatown. Und dann verlässt im großen Zoom ein Flugzeugträger den Hafen, der Zoom zieht auf und gibt den Blick frei auf Presidio, den Militärstützpunkt an der Golden Gate Bridge, den kaum einer kennt, der nicht selbst einmal vor Ort war. Dieser Vorspann fasst schon das Konfliktpotenzial des folgenden Films zusammen.

Nach dem Blick auf fesche Uniformen führt uns der Film in eine lässig geführte Station der Militärpolizei, in der sich eine Soldatin effektiv den Versuchen der Testosteronbolzen widersetzt, bald darauf aber tot in ihrem Blut liegt. Dann lernen wir Jay Austin vom San Francisco Police Department kennen, der mit – Überraschung – unorthodoxen Methoden einen wild gewordenen Um-sich-Schießer erledigt. Der dann, Jay Austin, auf die adrette Uniform – Lt. Colonel Caldwell – trifft. Und da tanzen die Hormone gleich mal Ringelreihn: „Hier führe ich das Kommando!“, raunzt der Lt. Colonel, „also spucken  Sie nicht so große Töne! Sonst werde ich Ihnen die Eier abschneiden und sie gebraten zum Frühstück verspeisen.“ Der Lt. Colonel vergisst dabei nicht, maliziös zu lächeln. Sean Connery spielt diesen Lt. Colonel Caldwell – und der Auftritt, den ihm das Drehbuch auferlegt, ist in einem Film von doch schon 1988 ein bisschen peinlich.

Aber das könnte man als das übliche Gegockel in einem Hollywoodfilm mit Militärbeteiligung abtun. Wenn der weitere Verlauf dann vernünftig funktioniert. Tut er nur. bedingt. Es erweist sich einmal mehr als Problem, dass die weibliche Hauptfigur von einem Mann geschrieben worden ist – Larry Ferguson hat sich zuvor Bekanntheit erschrieben mit den Skripts zu Beverly Hills Cop II (1987) und Highlander (1986). Meg Ryan spielt die weibliche Hauptfigur (D.O.A. – Bei Ankunft Mord – 1988; "Gelobtes Land" – 1987; Die Reise ins Ich – 1987; "Zwei unter Volldampf" – 1986; Top Gun – 1986) und ihr erster Auftritt ist in Großaufnahme mit blonder Löwenmähne, blauen Augen und charmanter Mundparty – entzückend. Für Männer.

Für die Frau neben mir ist sie eine Beleidigung. Ryan spielt die Tochter des Lt. Colonel, die in der zweiten Einstellung dann ein enges weißes Oberteil und einen Rock mit Trägern trägt, die die Silhouetten ihrer Brüste deutlich konturieren. Vom Ex-Soldaten und jetzt Cop Jay Austin ist sie vom ersten Moment an fasziniert. Sekunden nach dem ersten Kennenlernen entwickelt sich folgender Dialog: „Warum haben Sie die Army verlassen?“ „Ich hatte meine Gründe.“ „War mein Vater einer davon? …“ „Sie sind sehr hübsch.“ „Ist er hart?“ „Ist was hart??“ „Ich meine, Ihr Job als Polizist?“ Nach so einem niedergeschriebenen Dialog, der in keiner Gesellschaftsform auf der Welt so ablaufen würde, möchte man eigentlich nach 15 Minuten das Kino schon wieder verlassen. Dann würde man verpassen, wie sie sich ihn beim ersten Date noch am selben Abend auf offener Straße zur Brust nimmt. Der ausgeblendete Sex endet vor fröhlich flackerndem Kamin – Er: „Ich möchte Dich wiedersehen.“ Sie: „Ich ruf' Dich an.

Der Film erzählt von der Stabübergabe der Alten auf die Jungen. Die Zeit eines Sean Connery geht zu Ende, Typen wie Tom Cruise übernehmen das Leitwerk, der seinen Durchbruch vor drei Jahren mit Legende hatte und hier nur deshalb erwähnt wird, weil Mark Harmon aussieht wie Cruises Zwilling. Hollywood klont jetzt nicht mehr nur seine Filmerfolge mit immer weiteren Fortsetzung. Jetzt klont es auch seine Topseller in den Besetzungslisten. Harmon aber hat seinen schauspielerischen Höhepunkt bei einer Verfolgungsjagd zu Fuß durch Chinatown hat, bei dem scheinbar mehr Passanten umgerannt werden als die Stadt Einwohner hat, mehr Gemüsestände als Kalifornien Gemüse produziert. Connery spielt den alternden Colonel runter mit allem, was zum Brummbär gehört – kurz angebunden sein, gegen jüngere Polizisten knurren, sich wegen enttäuschter Liebe zur Tochter besaufen und über das Image als Soldat lamentieren.

Peter Hyams versucht sein Bestes (Diese zwei sind nicht zu fassen – 1986; "2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen" – 1984; "Ein Richter sieht rot"; Outland – Planet der Verdammten – 1981; "Unternehmen Capricorn" – 1977). Er scheitert am Drehbuch, schwimmt in einem Mainstream von Filmen über Kerle, die mal hart, mal hilflos sind, aber immer den Mittelpunkt des Geschehens abbilden, in dem Frauen maximal hübsche Adabeis bilden. Das macht seine Filme im Moment unterhaltsam, im Vergleich aller Filme eines Jahrgangs aber zu professionell inszenierten Nullnummern.

Unter all dem Namens-BlingBling mit Sean Connery und Peter Hyams und Meg Ryan und San Francisco steckt ein sehr durchschnittlicher Fernsehkrimi aus dem Militär, in dem der Schutz durch einen militärischen Rang schon als Motiv für eine Straftat ausreichen kann. In einem Film, in dem junge Frauen ihnen unbekannte Männer nach drei Minuten fragen, ob „er hart“ sei.

Jack Warden bietet den Mentor des alten Kacksacks, den Obi-Wan des ergrauten Sean Connery, der seine Tochter nicht loslassen kann: „Du weißt, wie sehr ich an dem Kind hänge!“ „Ja. Aber dass ich es weiß, ist nicht so wichtig. Sie muss es wissen! Wann hast Du es ihr das letzte Mal gesagt?“ „Sie weiß es!“ „Ich kenne Mauern, mit denen es leichter zu sprechen ist als mit Dir!“ Das Drehbuch liefert Dialoge für diesen Film, die zwischen Drang – immer dann, wenn die Kriminalhandlung vorangetrieben wird – und dümmlich – sobald Cop auf Tochter Donna treffen – oszillieren. Und Hyams, der selbst die Kamera führt und das Szenenbild ausleuchtet, liefert beeindruckende Bilder. Aber die machen nicht satt.

Vieles schaut – analog zu einem Hamburger – schmackhaft aus: In China Town gibt es ein Bild, das aussieht wie New York unter der Brooklyn Bridge 1984 von Sergio Leone; Mark & Meg spazieren vor dem Panorama der Golden Gate Bridge, Sean Connery telefoniert einer Information hinterher, wozu der Schauspieler am Hörer augenscheinlich improvisieren darf „Wie läuft's in Langley? Pass auf, dass Du keine Hämorriden kriegst vom vielen Sitzen. Du musst mir einen Gefallen tun. Hier gibt's eine Gesellschaft, die nennt sich TransCorp. T- R - A - N … ja, ich weiß, dass Du schreiben kannst. Könnte Dein Computer ausspucken, welche Firmen dieser Gesellschaft gehören? (lange Pause am Telefon, dann …) Vielen Dank! Ich werd' mich revanchieren!“ … das alles sind schöne Bilder oder Szenen, die eine Leinwand und den Kinosaal füllen können. Wenn das die Story nur halt auch könnte.

Wertung: 5 von 10 D-Mark
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