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Plakatmotiv: Der Mann, der König sein wollte (1975)

Ein großes Abenteuer
über die Hybris des Westlers

Titel Der Mann, der König sein wollte
(The Man Who Would Be King)
Drehbuch John Huston & Gladys Hill
nach der gleichnamigen Erzählung von Rudyard Kipling
Regie John Huston, UK, USA 1975
Darsteller

Sean Connery, Michael Caine, Christopher Plummer, Saeed Jaffrey, Larbi Doghmi, Jack May, Karroom Ben Bouih, Mohammad Shamsi, Albert Moses, Paul Antrim, Graham Acres, The Blue Dancers of Goulamine, Shakira Caine u.a.

Genre Abenteuer, Drama
Filmlänge 129 Minuten
Deutschlandstart
5. März 1976
Inhalt

Peachy Carnehan und Danny Dravot sind zwei ehemalige Soldaten der britischen Armee im späten 19. Jahrhundert, die durch ihre Einsätze Indien wie ihre Westentasche kennen. Außerdem sind sie Abenteurer, Halunken und Freimaurer. Gerade dieser Umstand bringt sie mit dem Korrespondenten für den Northern Star, Rudyard Kipling, zusammen, dessen Uhr Peachy klauen wollte, bevor er an der Uhrenkette den Freimaurer-Bruder erkennen musste. Unter Kiplings Anwesenheit setzen Peachy und Danny einen Vertrag auf, in dem sie ihren Plan verschriftlichen, ins legendäre Kafiristan zu reisen und sich dort zu Königen krönen zu lassen.

Nach einer beschwerlichen Reise quer durch Indien und Afghanistan und über den Himalaja kommen die beiden schließlich nach Kafiristan, wo sie dank ihrer militärischen Ausbildung und ihrer Waffen einem Dorf helfen können, sich ihrer Feinde zu entledigen. So ziehen sie von Sieg zu Sieg, bis Danny bei einem Angriff von einem Pfeil getroffen wird, ohne jedoch zu bluten. Die Bewohner Kafiristans halten ihn für Sikander, den wiedergekehrten Sohn Alexanders des Großen, der wie eine Gottheit verehrt wird. Anstatt sich die Reichtümer unter den Nagel zu reißen und zu verschwinden, wie Peachy es Danny rät, findet Danny nach und nach Gefallen an seinem neuen Leben als Gottheit …

Was zu sagen wäre

Was wäre eigentlich der Osten ohne den Westen. Glaubt man dem Kino, dann lebten in der Region um Indien, Afghanistan, Pakistan und Mongolei lauter ungebildete, primitive Völker, die sich kaum ernähren können. Un Gefahr mit dieser Attitüde sind die Briten ja einst in Indien einmarschiert und haben es nach ihrem Bild zivilisiert. John Houstons großer Abenteuerfilm "Der Mann, der König sein wollte" erzählt von dieser arroganten Haltung und was sie letztlich bewirkt hat. Nämlich nichts. Zwar ist Indien immer noch britisch geprägt. Aber die Inder sind froh, die Engländer los zu sein.

In Hustons Film kommen exotische Träume, westliches Hegemoniedenken und das Geheimnis der Freimaurer zusammen, um im Kleinen zu erzählen, wie westliche Kolonialpolitik am Osten scheitert. Die Freimaurerei spielt in Rudyard Kiplings literarischer Vorlage eine größere Rolle – da treffen die beiden Glücksritter auf eine kaifrische Religion, in der den Freimaurern ähnliche Rituale begangen werden, über die die beiden ihren Betrug untermauern können. John Huston (Der Mackintosh Mann – 1973; "Das war Roy Bean" – 1972; Die Nacht des Leguan – 1964; "Nicht gesellschaftsfähig" – 1961; Denen man nicht vergibt – 1960; Moby Dick – 1956; "Schach dem Teufel" – 1953; African Queen – 1951; Asphalt-Dschungel – 1950; Gangster in Key Largo – 1948; Der Schatz der Sierra Madre – 1948; Abenteuer in Panama – 1942; Die Spur des Falken – 1941) nutzt die Geschichte, um einen epischen Abenteuerreise-Film zu inszenieren, der vom Aufeinandertreffen zweier Kulturen erzählt, und gleichzeitig die eigene, die westliche Kultur dabei mit Ironie vom selbstgezimmerten Thron zu schubsen.

Die Geschichte über die Hybris eines Glücksritters, der von einem verschwenderischen Leben zwischen Goldschätzen in London träumt, und dann in einer abgelegenen, kargen Bergregion das Leben eines Gottkönigs schätzen lernt und plötzlich glaubt, er könne ein ihm völlig fremdes Land, dessen Bewohner nach religiösen Riten leben, mit Brücken, Straßen und Gesetzen in einen westlich orientierten Staat verwandeln, lebt von seinen Hauptdarstellern, vor allem aber von seiner grandiosen Kulisse. Huston hat nicht im Himalaya gedreht, sondern in Marokko, aber die Bilder, die ihm sein Kameramann Oswald Morris in Zusammenarbeit mit Set-Designer Alexandre Trauner gestaltet, sind – egal wo aufgenommen – von atemloser Schönheit. Hinzu kommt, die Arbeit des Künstlers Albert Whitlock, dessen Matte-Zeichnung der Sikander-Festung die aufregendsten Landschaftspanoramen ermöglicht, die in diesem Jahr im Kino zu erleben sein werden.

Die beiden Glücksritter spielen Ex-James Bond Sean Connery und Michael Caine (Die schwarze Windmühle – 1974; "Mord mit kleinen Fehlern" – 1972; Jack rechnet ab – 1971; Charlie staubt Millionen ab – 1969; Ein dreckiger Haufen – 1969; Das Milliarden Dollar Gehirn – 1967; Siebenmal lockt das Weib – 1967; Finale in Berlin – 1966; Ipcress - streng geheim – 1965). Mit Caine beginnt der Film, der als Peachy einem Engländer dessen goldene Uhr klaut, dann erkennt, dass der bestohlene Freimaurer ist – wie er – und sie diesem dann zurück gibt. Peachy erzählt auch das ganze Drama dem Zeitungsredakteur Rudyard Kipling, dass John Huston in eine Rückblende packt. Aber Peachy ist nicht die Hauptperson und Michael Caine spielt diesen Peachy auch entsprechend burschikos. Er ist von Beginn an ein launiger Betrüger, der mit möglichst viel Gold ein schönes, sorgenfreies, Frauenreiches leben führen will.

Anders Sean Connery ("Der Wind und der Löwe" – 1975; Die Uhr läuft ab – 1975; Mord im Orient-Express – 1974; Marnie – 1964; Die Strohpuppe – 1964; James Bond 007 jagt Dr. No – 1962). Connery wandelt sich vom arroganten Glücksritter zum überheblichen Engländer, der die Kafiris in ihren einfachen Umhängen als ungebildete, dumme Menschen interpretiert und nicht erkennt, welch starker Einfluss der Glaube auf diese Menschen hat. Will er am Anfang nur einfach möglichst viel Gold abstauben, träumt er am Ende davon, von der Queen – „Cousin“ – auf Augenhöhe behandelt und mit dem Hosenbandorden ausgezeichnet zu werden, um schließlich über seine Arroganz in die Tiefe zu stürzen. Als an der Gesellschaft vorbei regierender Herrscher, als ein Mann, der die Realität zunehmend verleugnet, macht Connery eine gute Figur.

Dabei sollten in Hustons ersten Überlegungen zu diesem Film weder Michael Caine noch Sean Connery irgendeine Rolle spielen. Huston hatte den Film nämlich schon in den 50er Jahren machen wollen mit Humphrey Bogart und Clark Gable, dann mit Burt Lancaster und Kirk Douglas in den Hauptrollen. Als Huston an Robert Redford und Paul Newman herantrat, schlug Newman Connery und Caine als Besetzung vor. Die Darstellerin der Roxanna, Shakira Caine, ist seit zwei Jahren Michael Caines Ehefrau.

Die 1888 veröffentlichte Kurzgeschichte Kiplings wurde von den Abenteuern James Brookes und den Reisen Josiah Harlans inspiriert. Sie beinhaltet Aspekte wie das europäische Aussehen vieler Nuristani, die Schlussszene lehnt sich an die tatsächliche Geschichte vom Kopf des Geologen Adolf Schlagintweit an.

Wertung: 8 von 8 D-Mark
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