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Plakatmotiv: Im Zwielicht (1998)

Die alten Recken
schlagen sich gut

Titel Im Zwielicht
(Twilight)
Drehbuch Robert Benton & Richard Russo
Regie Robert Benton, USA 1998
Darsteller

Paul Newman, Susan Sarandon, Gene Hackman, Reese Witherspoon, Stockard Channing, James Garner, Giancarlo Esposito, Liev Schreiber, Margo Martindale, John Spencer, M. Emmet Walsh, Peter Gregory, Rene Mujica, Jason Clarke, Patrick Malone u.a.

Genre Crime
Filmlänge 94 Minuten
Deutschlandstart
6. August 1998
Inhalt

Den ehemaligen Schauspieler Jack Ames hat das Glück verlassen. Er ist krebskrank und pleite. Seine attraktive Frau Catherine ist dem Alkohol verfallen und auch Tochter Mel bereitet Sorgen.

Harry Ross, ein ehemaliger Cop und später dann Privatdetektiv, verrichtet für das befreundete Ehepaar kleine Jobs gegen freie Kost und Logis. Dazu gehören auch gelegentliche Kurierdienste. Über den Inhalt weiß er wenig. Er ist loyal und stellt keine überflüssigen Fragen.

Als er wieder einmal einen prallgefüllten Umschlag übergeben soll, gerät er zur Begrüßung in einen Kugelhagel. Kurz darauf entdeckt er in einem der Räume einen bleidurchsiebten Schnüffler. Bei näheren Hinsehen entdeckt Harry bei dem Toten eine Mappe mit alten Zeitungsartikeln von Jack und Catherine, deren erster Mann angeblich Selbstmord begangen hat. Es sieht so aus, als ob Jack erpresst werden würde. Anlass genug für einen alten Fuchs wie Harry, die Fährte aufzunehmen.

Diese Fährte bringt ihn zunächst einmal geradewegs zur Polizei, die ihn des Mordes an dem Unbekannten beschuldigt, der auf ihn schoss. Harry hat Glück: Die verantwortliche Kommissarin ist seine heimliche Geliebte aus vergangenen Tagen. Verna gibt ihm 24 Stunden, um den Mord selber aufzuklären. Unerwartete Hilfe erhält Harry von seinem alten Freund und ebenfalls Ames-Vertrauten Raymond Hope. Doch Antworten auf seine Fragen gibt auch er nicht …

Was zu sagen wäre

Dass vermeintlich einfache Fälle für Privatdetektive niemals einfach sein werden, wissen wir seit Raymond Chandlers Privatschnüffler Philip Marlowe. Da gilt es, dass augenscheinlich banale Fälle in Abgründe führen.

Nun schreiben wir das Jahr 1998 und damit ist diese Privatschnüffler-Erkenntnis aus dem Jahr 1946 auch eine eher abgehangene. Robert Benton schickt seine Protagonisten deshalb alle aufs Altenteil. Der Privatschnüffler ist gar keiner mehr: „Mein Name ist Harry Ross. Dies ist die Geschichte meines Lebens. Zuerst war ich Polizist und Privatdetektiv. Und dann … Trinker! Irgendwann war ich auch mal Ehemann und Vater. Man sollte meinen, bei all dem würde die Welt ihre Macht verlieren, einen zu verführen, aber das ist ein Irrtum.“ Er lebt bei einem befreundeten Schauspielerpaar, deren Untermiete er mit Handlangerjobs begleicht. Es ist eine seltsame Menage à trois, die sich da offenbart. Harry, der übernachtende Schnüffler steht auf die Hausherrin. Jack, der Hausherr weiß das, geht aber locker damit um und Catherine fühlt sich wohl zwischen zwei Männern, die sie begehren.

Das ist eine psychologische Konzentration, aus der Robert Benton (Nobody's Fool – 1994; "Billy Bathgate" – 1991; Kramer gegen Kramer – 1979; "Die Katze kennt den Mörder" – 1977) seinen Nektar saugt. Eine Geschichte über alt gewordene Kerle, die am Ende ihres Lebens erkennen, dass Die Welt sich einfach immer weiterdreht, auch ohne sie. Jack, der alte Schauspieler, sitzt schwer krank auf der Bettkante und schaut sich selbst im Fernsehen zu in einer Rolle, die er als junger Mann gespielt hat. Harry, der Streuner, der früher mal Cop und Familienvater war, hat sich von diesem Leben – und von allem anderen – längst verabschiedet. Er hängt seiner Melancholie über verpasste Chancen nach und muss erkennen, dass all seine Werte verraten werden. Paul Newman leiht diesem alten Mann seinen blauen Dackelblick und die Kälte darin, wenn er die Wahrheit scheibchenweise aufdeckt (Nobody's Fool – Auf Dauer unwiderstehlich – 1994; Hudsucker – Der große Sprung – 1994; Die Farbe des Geldes – 1986; "The Verdict" – 1982; Die Sensationsreporterin – 1981; Unter Wasser stirbt man nicht – 1975; Flammendes Inferno – 1974; Der Clou – 1973; Der Mackintosh Mann – 1973; Sie möchten Giganten sein – 1971; Butch Cassidy und Sundance Kid – 1969; Indianapolis – 1969; Der Etappenheld – 1968; Der Unbeugsame – 1967; Man nannte ihn Hombre – 1967; Der zerrissene Vorhang – 1966; Ein Fall für Harper – 1966; Immer mit einem anderen – 1964; Der Wildeste unter Tausend – 1963; Haie der Großstadt – 1961; Exodus – 1960; Die Katze auf dem heißen Blechdach – 1958; Der lange heiße Sommer – 1958). Darin liegt der Charme des Films: Mit 73 Jahren ist Newmans Charakter keine Figur mehr, die den Fall mit Tamtam und Kanonen löst. Newman spielt mit großer Altersgelassenheit.

Über ihnen thront die obligatorisch schöne und geheimnisvolle Femme fatal. Cathrine, Ehefrau, Teilzeitgeliebte, gespielt von Susan Sarandon mit obligatorisch rotem Haar und geheimnisvoll schimmernden Großaugen am Flügel sitzend und klimpern (Dead Man Walking – 1995; The Player – 1992; Thelma & Louise – 1991; "Annies Männer" – 1988; Die Hexen von Eastwick – 1987; Begierde – 1983; "Pretty Baby" – 1978; "Rocky Horror Picture Show" – 1975; Extrablatt – 1974).

Dann ist da noch Raymond Hope, auch Ex-Cop, auch Privatdetektiv, Harrys bester Freund, der es mit der polizeilichen Loyalität nie so genau genommen hat und gerne Fünft hat gerade sein lassen. James Garner spielt ihn mit kühler Abgeklärtheit eines Mannes, der weiß, was er will ("Maverick – Den Colt am Gürtel, ein As im Ärmel" – 1994; "Sunset – Dämmerung in Hollywood" – 1988; "Victor/Victoria" – 1982; "Grand Prix" – 1966; Gesprengte Ketten – 1963).

Die Dramaturgie nimmt sich Zeit. Es ist auch ein Film von alten Männern. Weitab modern daherkommender Hektik erzählt er langsam, fast betulich über Alter, Männlichkeit und darüber, dass Fehler niemals aussterben – und, dass in Filmen alter Männer immer noch 73-jähriger Loser mit dem Herz am rechten Fleck immer noch mit 54-jährigen Frauen in Uniform in einen erotischen Sonnenuntergang tänzeln können. Diese Dummheit macht den Film am Ende beinahe kaputt. Aber bis dahin haben wir unter der Regie eines Oscar-Preisträgers drei Oscar-Preisträgern bei einer gut gespielten Dreiecksgeschichte mit Toten zugeschaut.

Wertung: 7 von 11 D-Mark
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