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Plakatmotiv: Der Klient (1994)

Besser wurden juristische Spitzfindigkeiten
bisher nicht für die Leinwand erklärt 

Titel Der Klient
(The Client)
Drehbuch Akiva Goldsman & Robert Getchell
nach dem gleichnamigen Roman von John Grisham
Regie Joel Schumacher, USA 1994
Darsteller

Susan Sarandon, Tommy Lee Jones, Mary-Louise Parker, Anthony LaPaglia, J.T. Walsh, Anthony Edwards, Brad Renfro, Will Patton, Bradley Whitford, Anthony Heald, Kim Coates, Kimberly Scott, David Speck, William H. Macy, Ossie Davis u.a.

Genre Crime, Drama
Filmlänge 119 Minuten
Deutschlandstart
22. September 1994
Inhalt

Der 11-Jährige Mark gerät in große Gefahr. Kurz vor seinem Selbstmord vertraut ein Mafia-Anwalt dem Jungen brisante Informationen an. Bald schon sind die Mafia und die Behörden, angeführt von Bundesstaatsanwalt Roy Foltrigg, hinter Mark her. Seine Zeugenaussage könnte einen wichtigen Mafioso ins Gefängnis bringen.

In der Anwältin Reggie Love findet Mark eine treue Freundin, die den Jungen immer wieder aus der Klemme hilft. Doch die Mafia lässt nicht locker, sie will den Tod des unangenehmen Zeugen …

Was zu sagen wäre

John Grishams Justiz-Romane schreien geradezu nach einer Verfilmung (Die Firma – 1993; Die Akte – 1993). Es sind Action verpackte Abhandlungen juristischer Spitzfindigkeiten. Joel Schumacher setzt das gut in Leinwand taugliches Bewegtbild um. Für die Hauptakteure ist es ein Minenfeld, in dem sie sich bewegen; der 11-jährige Mark hat Dinge von einem Anwalt erfahren, die der Mafia gefährlich werden können. Danach hat sich der Anwalt umgebracht. Kann der Junge nicht einfach der Polizei sagen, was er erfahren hat? Schwer zu sagen. Sgt. Hardy wirkt bedrohlich. Ist er gekauft? Der Staatsanwalt? Ist ein eitler Sack, der seine Karriere offenbar wichtiger findet, als das Schicksal einzelner Menschen. Die Anwältin, der er sich anvertraut? Hat selbst ein paar Stolpersteine in ihrer Biografie, die den Jungen automatisch abschrecken. Die Mafia? Will den Jungen auf Teufel komm raus los werden. Dass sich selbst Anwältin und Staatsanwalt, die beide dasselbe wollen, nicht grün sind, macht den Reiz dieses spannend verfilmten juristischen Seminars aus.

Joel Schumacher bekommt es hin, dass sein juristisch unbelecktes Publikum nachverfolgen kann, welche Stolpersteine es für Jungs wie Mark und für besonders motivierte Staatsanwälte geben kann. Dass zum Beispiel der strahlende Staatsanwalt-Held nicht einfach einen 11-jährigen Jungen befragen darf, dessen Frage nach einem Anwalt mit „Die sind doch nur lästig“ abgeschmettert wird; das passiert im Kino sonst andauernd. Unrechtmäßig genommene Fingerabdrücke? Zeugenbeeinflussung? Bedrohung eines Minderjährigen? Alles Fragen, die die Juristen im Film durchkauen.

Hier hat der Jurist John Grisham die Vorlage geschrieben und prompt bekommen unsere Hauptfiguren noch den ein oder anderen Freifahrtschein, weil die Jurisprudenz – die Polizei – eben nicht alles darf. Hinzu kommt, dass der Posten eines Staatsanwaltes in den USA an Wahlen geknüpft ist und dass der Job des Staatsanwaltes durchaus ausgerichtet ist auf noch viel höhere Positionen – etwa als Bundesrichter oder sogar als Präsidentschaftskandidat. Entsprechend gilt auch Roy Foltrigg, der Staatsanwalt, in diesem Film als nicht vertrauenswürdiger Player, weil wir im Kinosessel nie wissen, ob er für seine eigenen Ziele, die eigentlich mit denen des Jungen übereinstimmen, nicht sogar einen 11-jährigen Jungen über die Klinge springen ließe – Tommy Lee Jones, der schon häufiger bewiesen hat, dass er dem Unscheinbaren Charakter geben kann ("Explosiv – Blown Away" – 1994; Zwischen Himmel und Hölle – 1993; Auf der Flucht – 1993; Alarmstufe: Rot – 1992; JFK: Tatort Dallas – 1991; "Black Moon" – 1986; "Die Augen der Laura Mars" – 1978), spielt diesen Staatsanwalt als undurchschaubaren Staatsbeamten. Und schon ist Mark, 11 Jahre alt und für uns Zuschauer die einzige direkte Bezugsperson, ganz auf sich gestellt. Brad Renfro porträtiert diesen Jungen in all seiner Unentschiedenheit. Mal sieht er aus wie der Schulhofbully, der sich von keinem was sagen lässt, dann ist er wieder der Junge, der Schutz sucht bei seiner Mutter oder seiner Anwältin; eine schauspielerische Glanzleistung.

Wir im Kinosessel sind, wie der Junge, maximal orientierungslos: Die Mafia? Tödlich. Der Staatsanwalt? Fragwürdig. Die Mutter? Hilflos. Die Anwältin? Ist Susan Sarandon, und da atmen wir zum ersten Mal befreit auf. Die Frau kennen wir, deren Expertise vertrauen wir früher, als der Junge das tut ("Lorenzos Öl" – 1992; The Player – 1992; Thelma & Louise – 1991; Die Hexen von Eastwick – 1987; Begierde – 1983; "Rocky Horror Picture Show" – 1975; Extrablatt – 1974). Im Kinosessel wird sie zu unserem Anker in diesem mörderischen Konstrukt.

Joel Schumacher (Falling Down – 1993; Flatliners – 1991; The Lost Boys – 1987; St. Elmo's Fire – 1985) liefert einen beinharten Justizthriller ab. Er verbietet sich inszenatorische Mätzchen, verfilmt statt dessen mehr oder weniger, was Grisham aufgeschrieben hat. Das wird kein filmisches Kunstwerk. Aber ein spannendes Erlebnis im Kinosessel.

Wertung: 7 von 10 D-Mark
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