IMDB

Plakatmotiv: Schnappt Shorty (1995)

Ein cooler Gangster mischt das
heiß gelaufene Hollywood auf

Titel Schnappt Shorty
(Get Shorty)
Drehbuch Scott Frank
nach dem gleichnamigen Roman von Elmore Leonard
Regie Barry Sonnenfeld, USA 1995
Darsteller

John Travolta, Gene Hackman, Rene Russo, Danny DeVito, Dennis Farina, Delroy Lindo, James Gandolfini, Jon Gries, Renee Props, David Paymer, Martin Ferrero, Miguel Sandoval, Jacob Vargas, Bobby Slayton, Linda Hart, Bette Midler u.a.

Genre Komödie, Krimi
Filmlänge 105 Minuten
Deutschlandstart
29. Februar 1996
Inhalt

Chili Palmer ist nicht nur ein recht erfolgreicher Schuldeneintreiber, sondern auch ein Kinofan, und das von ganzem Herzen. Da trifft es sich doch gut, dass sein neuester Auftrag ihn nach Hollywood, das Herz der amerikanischen Filmproduktion, verschlägt.

Schon bald erkennt Chili eine Sache ganz deutlich: Zwischen seinem Job und dem eines Filmproduzenten gibt es gar nicht so viele Unterschiede …

Was zu sagen wäre

Irgendwo gibt es eine Tasche mit 300.000 Dollar. Woanders, in einem Schließfach, gibt es eine Tasche gar mit 500.000 Dollar. Die jeweiligen Taschenbesitzer haben sich dieses Geld erschwindelt, aber das ist nicht so ausschlaggebend. Wichtig ist, dass in Hollywood solche Summen mit Kusshand genommen, um an einem einzigen Tag in den Sand gesetzt zu werden. Zum Beispiel für den Kauf eines Oscar-verdächtigen Drehbuches. Für das sich einer der Topstars der Branche interessiert, Martin Weir, gedrungene Statur, gerade mit "Napoleon" auf der Leinwand erfolgreich, der sich in Restaurants immer so hinsetzt, dass er das Billboard mit seinem Konterfei im Blick hat.

Eigentlich gibt es zwei Drehbücher. Das eine ist soweit fertig, das andere existiert im Kopf von Chili Palmer, der eben erst in Hollywood eingetroffen ist, wo er eigentlich ein paar Schulden eintreiben soll und gleichzeitig die Tasche mit den schon erwähnten 300.000 Dollar an sich nehmen will. Chili, der Geldeintreiber der Mafia – und Filmfan – hat schnell raus, wie der Hase läuft in der Filmbranche. Eigentlich nämlich nicht anders, als in seiner Branche. Im Filmbusiness werden vielleicht nicht so viele Leute erschossen.

Barry Sonnenfeld steht auf schräges Zeug, hat der "Addams Family" 1991 und 93 zwei erfolgreiche Auftritte auf der Leinwand verschafft und dazwischen mit der konventionellen Romantic Comedy "Ein Concierge zum Verlieben" (1993) gelernt, wie es sich anfühlt, 30 Millionen Dollar Produktionsgelder in den Sand zu setzen (der Film spielte nur etwa die Hälfte wieder ein). Sonnenfeld ist ein Insider, das macht seinen Film über das Filmbusiness so reizvoll. Er kennt sich aus, weiß, dass die Filmbranche irgendwie funktioniert wie die Mafia, oder umgekehrt. Nur sind beim Film die leitenden Akteure nicht so cool und nicht so schnell tot.

Den Geldeintreiber der Mafia spielt John Travolta (Pulp Fiction – 1994; "Staying Alive" – 1983; Blow Out – Der Tod löscht alle Spuren – 1981; "Urban Cowboy" – 1980; Grease – Schmiere – 1978; Nur Samstag Nacht – 1977; Carrie: Des Satans jüngste Tochter – 1976). Der wollte zuerst nicht, bis ihm Quentin Tarantino riet, auch mal den zugrundeliegenden Roman von Elmore Leonard zu lesen. Travolta las, sah, dass entscheidende Szenen im Buch für das Drehbuch umgeschrieben – entschärft – worden waren und regte an, die Drehbuchszenen denen der Romanvorlage wieder anzugleichen. Und weil der ehemals von Hollywood längst abgeschriebene Travolta seit Pulp Fiction wieder obenauf ist, ließ sich das Studio darauf ein. Jetzt ist Travolta in diesem Film der netteste, ideenreichste Filmliebhaber und Geldeintreiber der Kinogeschichte; und immer im schwarzen Anzug. So eine Art Fleisch gewordenes Cool. Ein Typ, der sich mit großen Summen auskennt und damit, wie man sie anderen Leuten aus den Rippen schneidet.

Chilis ursprünglicher Auftrag bringt ihn in Hollywood mit dem windigen Produzenten Harry Zimm zusammen, der sich mit Mutantenschockern und Science-Fiction-Grusel über Wasser hält und nun ein Drehbuch an der Hand hat, das ihn von „meinem Miss Daisy und ihr Chauffeur“ träumen lässt. Diesen Gerade-so-über-Wasser-Halter spielt Gene Hackman (Crimson Tide – 1995; Geronimo – Eine Legende – 1993; Die Firma – 1993; Erbarmungslos – 1992; Das Gesetz der Macht – 1991; Narrow Margin – 12 Stunden Angst – 1990; Eine andere Frau – 1988; Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses – 1988; No Way Out – 1987; Superman IV – Die Welt am Abgrund – 1987; Die verwegenen Sieben – 1983; Under Fire – 1983; Superman – 1978; Die Brücke von Arnheim – 1977; French Connection II – 1975; 700 Meilen westwärts – 1975; Frankenstein Junior – 1974; "Der Dialog" – 1974; Die Höllenfahrt der Poseidon – 1972; French Connection – Brennpunkt Brooklyn – 1971; Leise weht der Wind des Todes – 1971; Bonnie und Clyde – 1967), dem man ansieht, dass er solche Leute, wie er sie hier spielt, in seiner Branche schon kennengelernt hat. Sein Harry Zimm ist ein Glücksspieler, dem die leise Verzweiflung immer im Augenwinkel klebt, und der trotzdem immer weiter macht, sich dafür auch mit windigen Leuten einlässt. Von ihm lernt Chili, wie leicht man sich im Produzentengewerbe durchsetzen kann. Man muss es nur können. Und cool bleiben.

Rene Russo (Outbreak – Lautlose Killer – 1995; In the Line of Fire: Die zweite Chance – 1993; Lethal Weapon 3: Die Profis sind zurück – 1992; Freejack – Geisel der Zukunft – 1992) spielt die Frau an seiner Seite, Karen Flores, eine Schauspielerin in Harrys B-Movies, die mit Superstar Weir verheiratet ist, mit Harry ins Bett geht und Chili anziehend findet. Und als eitler Schauspielsuperstar Martin Weir gibt Danny DeVito ein kleines Kabinettstückchen, in dem er seinen Berufsstand erheblich durch den Kakao zieht (Junior – 1994; Batmans Rückkehr – 1992; Twins – Zwillinge – 1988; Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil – 1985; Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten – 1984; Zeit der Zärtlichkeit – 1983; Einer flog über das Kuckucksnest – 1975). Merke: Stars zahlen niemals selbst und bestellen im Restaurant niemals etwas, das auf der Karte steht.

Diese vier gruppiert Barry Sonnenfeld in einem coolen Ballett, bei dem Gangster, Produzenten, Schläger und Schauspieler zu einem funky-jazzy Score von Jim Jarmuschs Hauskomponisten John Lurie ("Down by Law" – 1986; "Stranger than Paradise" – 1984) um insgesamt 800.000 Dollar kreisen und sich gegenseitig austricksen und dann nicht in jedem Falle überleben. Nur Chili behält den Überblick und nur die Polizei hat mal wieder überhaupt keinen Zugriff. Eine wunderbare Farce, gebaut auf ein schönes Drehbuch mit hörenswerten Dialogen.

Wertung: 10 von 11 D-Mark
IMDB