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Plakatmotiv: Vertrauter Feind (1997)

Ein Film, der zeigt, wie nah selbst
weit entfernte Kriege heutzutage sind

Titel Vertrauter Feind
(The Devil's Own)
Drehbuch David Aaron Cohen & Kevin Jarre & Vincent Patrick
Regie Alan J. Pakula, USA 1997
Darsteller

Harrison Ford, Brad Pitt, Margaret Colin, Rubén Blades, Treat Williams, George Hearn, Mitchell Ryan, Natascha McElhone, Paul Ronan, Simon Jones, Julia Stiles, Ashley Carin, Kelly Singer, David O'Hara, David Wilmot u.a.

Genre Action, Crime, Drama
Filmlänge 111 Minuten
Deutschlandstart
27. März 1997
Inhalt

Rory Devaney ist ein irischer Untergrundkämpfer bei der IRA. Nachdem er eine Schießerei mit der britischen Armee überlebt und in die USA fliehen kann, wird er dort von dem Cop Tom O'Meara aufgenommen. Dieser weiß nicht, wer Devaney wirklich ist, da dieser unter dem Namen Frankie eingereist ist.

Während O'Meara versucht, dem Untergrundkämpfer eine gute Zukunft zu ermöglichen, führt dieser seine Arbeit für die IRA fort. Er hat den Auftrag bekommen, eine Ladung Raketen auf dem Schwarzmarkt zu kaufen.

Als er versucht, das Geld für die Raketen zu besorgen, bringt er nicht nur sich, sondern auch seine Gastfamilie in große Gefahr …

Was zu sagen wäre

Das ist eine irische Geschichte, keine amerikanische“, sagt der Ire Frankie zu seinem US-irischen Buddy Tom und dieser Satz trifft auf mehreren Ebenen dieses interessanten Films zu. Den Konflikt der Nordiren mit England, der die Schlagzeilen beherrscht, wenn es wieder einen Terroranschlag der IRA oder eine Aufräumaktion des englischen Geheimdienstes SAS gegeben hat, verstehen Menschen, die nicht Iren sind, kaum.

Die ausgewanderten Iren, deren Nachfahren in New York Polizisten wurden, sind vor der Armut in Irland geflohen, nicht vor Engländern. Gestorben wird für die Freiheit Nordirlands weiterhin in Irland, nicht in den USA, wo die Iren eher keinen Unterschied zwischen Nord- und Restirland machen. Aber so einfach ist es eben nicht, es ist eben eine irisch komplizierte, keine amerikanisch einfache Geschichte, um die es in diesem Krieg geht. Das versucht Frankie seinem Buddy zu erklären. Aber der begreift die tieferen Zusammenhänge nicht.

Es ist keine amerikanische Geschichte, aber ein amerikanischer Film. Alan J. Pakula (Die Akte – 1993; Aus Mangel an Beweisen – 1990; "Sophies Entscheidung" – 1982; Die Unbestechlichen – 1976; "Zeuge einer Verschwörung" – 1974; "Klute" – 1971) breitetet seinen Thriller in den nasskalten Straßenschluchten Manhattans aus, in denen es nie um irische Terroristen geht, sondern um die Arbeit der Cops, die die Kleinganoven und Stricher in Schach zu halten versuchen. Der irische Terror, der sich in Person von Frankie ins Land geschlichen hat, spielt auf den Straßen Manhattans keine Rolle. Der entwickelt sich parallel, wenn Frankie, der eigentlich Rory heißt, Stinger-Raketen von einem zwielichtigen Waffenhändler kaufen will.

Das bleiben im Film zwei getrennte Welten – hier der US-irische Cop im Streifendienst, der versucht, fair zu bleiben und auch mal einen Farbigen laufen lässt, der eine Packung Kondome geklaut hat, weil es ihm peinlich war, damit an die Kasse zu gehen; der daran zerbricht, dass er seinen Partner, der einen flüchtenden Dieb, der auf ihn geschossen hatte, seine Waffe dann aber wegwarf, in den Rücken geschossen hat, mit einer Lüge gedeckt hat. Da der konspirative IRA-Commander, der schon mit acht Jahren erlebt hat, wie die Staatsgewalt seinen friedlich betenden Vater erschossen hat, der jetzt Stinger-Raketen kaufen will. Die Welten begegnen sich erst im Haus des Cops mit seiner fröhlichen Familie, in dem der IRA-Commander Rory anonym Unterschlupf findet, weil der Einfluss der IRA bis in die höheren Etagen des amerikanischen Justizapparates reicht. Da begegnen sich schließlich die irische und die amerikanische Sicht der Dinge.

Brad Pitt spielt den zum Terroristen mutierten Iren mit einer professionellen Härte, die wir aus seinen bisherigen Rollen nicht so kennen (Sleepers – 1996; 12 Monkeys – 1995; Sieben – 1995; Legenden der Leidenschaft – 1994; "Interview mit einem Vampir" – 1994; True Romance – 1993; "Kalifornia" –1993; Aus der Mitte entspringt ein Fluss – 1992; Thelma & Louise – 1991). Der bisherige Sunnyboy, dessen ausnahmsweise Darstellung eines Serienkillers in "Kalifornia" eher Comicniveau hatte, schlägt unter Pakulas Regie einen härteren Ton an, der sich visuell aufregend mit seinem Schwiegersohn-Image beißt. Den guten Amerikaner spielt die Verkörperung so vieler amerikanischer Heldenfiguren, Harrison Ford ("Sabrina" – 1995; Das Kartell – 1994; Auf der Flucht – 1993; Die Stunde der Patrioten – 1992; In Sachen Henry – 1991; Aus Mangel an Beweisen – 1990; Frantic – 1988; Mosquito Coast – 1986; Der einzige Zeuge – 1985; Blade Runner – 1982; Jäger des verlorenen Schatzes – 1981; Das Imperium schlägt zurück – 1980; Ein Rabbi im Wilden Westen – 1979; Apocalypse Now – 1979; Krieg der Sterne – 1977; "Der Dialog" – 1974; American Graffiti – 1973). Diese beiden Kontrahenten bilden großes Kino.

Es gibt Berichte, wonach die beiden, Ford und Pitt, sich nicht mochten, sich beide um den Number One Star-Status balgten. Auch soll Brad Pitt das ursprüngliche Drehbuch sehr geliebt, aber die weiteren Fassungen, die daraus destilliert wurden, nachdem Harrison Ford an Bord kam, zunehmen gehasst haben. Das sind Schlagzeilen, die sich zum Start eines Films immer gut verkaufen, verifiziert sind sie nicht und dem Zusammenspiel der beiden merkt man eine Rivalität nicht an. Die beiden spielen ihre Rollen glaubhaft und lebensnah.

Obwohl der Film mit seinem irisch angehauchten Score von James Horner (Kopfgeld – 1996; Mut zur Wahrheit – 1996; Die Geschichte vom Spitfire Grill – 1996; "Jumanji" – 1995; Apollo 13 – 1995; Casper – 1995; Braveheart – 1995; Legenden der Leidenschaft – 1994; Das Kartell – 1994; Die Akte – 1993; Sneakers – Die Lautlosen – 1992; Die Stunde der Patrioten – 1992; Rocketeer – 1991; Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft – 1989; Feld der Träume – 1989; "Red Heat" – 1988; Willow – 1988; Aliens – Die Rückkehr – 1986; Das Phantom Kommando – 1985; Alles hört auf mein Kommando – 1985; Cocoon – 1985; Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock – 1984; Projekt Brainstorm – 1983; Krull – 1983; Nur 48 Stunden – 1982; Star Trek II: Der Zorn des Khan – 1982; "Wolfen" – 1981; Die Frau in Rot – 1979) und seiner irischen Ausgangssituation nach einem europäischen Trauerspiel aussieht, ist "The Devil's Own" ein zutiefst amerikanischer Film. Straßencop Tom O'Meara gibt sich täglich alle Mühe, der Umschreibung für die New Yorker Straßenpolizei – New Yorks Finest – zu Glanz zu verhelfen. Er ist Vater einer Familie mit drei Töchtern, liebt alle seine Frauen sehr, freut sich aber auch, als mit Frankie einer ins Haus kommt, „der im Stehen pinkelt“. Und auch, als er weiß, was der Ire, der Gast in seinem Haus war, tatsächlich auf dem Kerbholz hat, lässt er sich nicht irritieren und will ihn hinter Gitter bringen; den Mord eines Geheimdiensmannes hat der Ire nicht verdient, sagt der Amerikaner. Und nimmt die Dinge schließlich selbst in die Hand.

Im Finale ist der Film ein Joint Venture aus stets optimistischem US-Kino und leidenschaftlich melancholischem, europäischem Kino. „Das ist eine irische Geschichte, keine amerikanische.

Wertung: 10 von 11 D-Mark
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