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Plakatmotiv: Aus der Mitte entspringt ein Fluss (1992)

Robert Redfords Liebeserklärung
an seine Vereinigten Staaten

Titel Aus der Mitte entspringt ein Fluss
(A river runs through it)
Drehbuch Richard Friedenberg
nach der gleichnamigen Romanvorlage von Norman Maclean
Regie Robert Redford, USA 1992
Darsteller

Craig Sheffer, Brad Pitt, Tom Skerritt, Brenda Blethyn, Emily Lloyd, Edie McClurg, Stephen Shellen, Vann Gravage, Nicole Burdette, Susan Traylor, Michael Cudlitz, Rob Cox, Buck Simmonds, Fred Oakland, David Creamer u.a.

Genre Drama
Filmlänge 123 Minuten
Deutschlandstart
6. Mai 1993
Inhalt

Missoula, Montana, im frühen 20. Jahrhundert. Die beiden Brüder Paul und Norman sind charakterlich grundverschieden, jedoch beide in der Liebe zum Fliegenfischen vereint. Paul ist ein lebenslustiger und heimatverbundener Naturbursche, Norman ein eher ruhiger und verschlossener Intellektueller. Geerbt haben sie ihre Liebe zum Fliegenfischen von ihrem Vater, einem presbyterianischen Pfarrer, dessen Erziehung gelegentlich streng, aber dennoch liebend ist. Norman verlässt das Elternhaus, um an der Universität Dartmouth Literatur zu studieren. Der Draufgänger Paul bleibt in Montana, wo er nach dem Collegeabschluss als Lokalreporter arbeitet.

Im Sommer 1926 kehrt Norman nach erfolgreichem Collegeabschluss in seine Heimat zurück, die er sechs Jahre nicht besucht hat. Bei einem Tanz zum Unabhängigkeitstag lernt er die schöne Jessie kennen, mit der er sich fortan trifft. Norman versucht sogar, sich mit Jessies unfreundlichem Bruder Neal zu verstehen und Fliegenfischen zu gehen. Da der betrunkene Neal aber mit einer Frau nackt in der Sonne schläft und dadurch Sonnenbrand bekommt, gerät der Ausflug zur Katastrophe und Jessie wendet sich kurzzeitig von Norman ab. Norman bekommt schließlich eine Stelle als Literaturprofessor in Chicago, er versöhnt und verlobt sich mit Jessie.

Paul gerät hingegen immer mehr in die Mühlen von Alkoholismus und Spielsucht, was ihn mehrfach mit der Polizei in Konflikt bringt. Er trifft sich mit der Indianerin Mabel, diese Beziehung wird allerdings gesellschaftlich nicht akzeptiert …

Was zu sagen wäre

Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss mit gelegentlichen Stromschnellen. In seiner dritten Regiearbeit dreht Robert Redford das Prinzip Familie aus seinem Debutfilm Eine ganz normale Familie (1980) auf den Kopf. Hier ist nicht dysfunktional, hier gibt es keine unverarbeitete Tragödie, die die Familie zerreißt. Der Vater ist streng, okay, aber er lässt seinen Söhnen nach getaner Pflicht lange Leine, die die nutzen, um zu fischen. Und die Mutter backt die besten Kuchen.

Das Leben der Familie fließt dahin im atemberaubend schönen US-Bundesstaat Montana, aus dem man zwar wegziehen kann, in das man aber immer wieder heimkehrt. In Redfords Film ist Montana das Herz Amerikas. Hier ist das Leben, wie die Siedler es einst auf ihrem Trek nach Westen ersehnt haben, urwüchsig, der Natur verbunden. Es ist kein schnelles, kein abenteuerliches, kein Thriller-Leben, das sich für einen Kinoknaller eignet, wie wir sie im Kinosessel heute erwarten. Redford verweigert sich dieser Erwartung, folgt statt dessen dem Geist der autobiografischen Buchvorlage, die großes Americana erzählt, das Leben im Kleinen feiert und so langsam dahin gleitet wie die Dampflokomotive die die Menschen von hier fort und wieder zurück bringt. In diesem Norman-Rockwell-Bilderbogen ist kein Platz für effekthaschende Schnitte, dramatische Musik, Schießereien, Verfolgungsjagden oder was sonst gemeinhin die Leinwand zum glühen bringt. Nicht, dass das Drama solches nicht hergäbe.

Paul, der jüngere Sohn und begnadete Fliegenfischer verlebt seine Nächte in der Halbwelt Missoula, hat Spielschulden und bringt die falschen Leute gegen sich auf. Paul, dem Glücksritter und „Künstler an der Angel“, gehört die Sympathie Robert Redfords, den er sicher nicht zufällig mit Brad Pitt besetzt hat ("Cool World" – 1992; Thelma & Louise – 1991), der hier aussieht, wie Redfords jüngerer Bruder. Pitt strahlt jene Unbekümmertheit aus, die an den jungen Redford als Sundance Kid erinnert. Um Pitt herum hat Redford einen stabilen Cast aus jungen Nachwuchshoffnungen und ein paar alte Hasen gesetzt, unter denen Tom Skerritt (Alien – 1979) als gestrenger, aber gütiger Vater und Brenda Blethyn als warmherzige Mutter herausstechen. Hier zeigt sich die große Kunst des Robert Redford, die nur entfalten kann, wer sein Sujet liebt: Redford, der große Schauspieler ist ein begnadeter Schauspieler-Regisseur und Erzähler. Kameramann Philippe Rousselot (Hope & Glory – 1987; "Der Smaragdwald" – 1985) wurde für seine Arbeit unter Redfords Regie mit dem Oscar ausgezeichnet.

 

Wertung: 9 von 10 D-Mark
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