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Jane Fonda und Robert Redford wecken
Erinnerungen an das Kino von früher

Titel Unsere Seelen bei Nacht
(Our Souls at Night)
Drehbuch Scott Neustadter + Michael H. Weber
nach dem gleichnamigen Roman von Kent Haruf
Regie Ritesh Batra, USA 2017
Darsteller
Robert Redford, Jane Fonda, Matthias Schoenaerts, Iain Armitage, Judy Greer, Bruce Dern, Phyllis Somerville, Anthoula Katsimatides, Audrey Walters, Leana Lewis, Blanca Camacho, Michael Love Toliver, Hawley Penfold, Kathleen Timberman, Ted Maritz u.a.
Genre Drama, Romanze
Filmlänge 103 Minuten
Deutschlandstart
29. September 2017 (Streamingpremiere)
Inhalt

Addie Moore und Louis Waters kennen sich seit Jahren und hatten doch nie viel miteinander zu tun, sie lebten einfach als Nachbarn in derselben Gegend in Holt, Colorado. Aber nun haben beide vor einiger Zeit ihre jeweiligen Ehepartner verloren, ihre Kinder sind längst weggezogen und sie leben ganz allein in ihren großen Häusern.

So beschließt Addie eines Tages, Louis einen spontanen Besuch abzustatten, weil sie hofft, noch einmal Anschluss an einen anderen Menschen zu finden. Ihr machen die einsamen Nächte zu schaffen und sie glaubt, dass sie mit jemandem an ihrer Seite wieder schlafen könnte.

So kommt es, dass der zunächst überraschte Louis ab und zu bei ihr übernachtet und sie sich gegenseitig von ihrem Leben erzählen. Doch als die Beziehung der beiden immer enger wird, stellen sie fest, dass die jeweiligen, längst eigene Leben lebenden Kinder dieser entwicklung eher mit Unmut begegnen …

Was zu sagen wäre

Vielleicht will man im hohen Alter einfach keine Zeit mehr verplempern mit romantischer Anbandelei, die einem, als man Teen oder Twen oder auch noch Thirtysomnething war, so schwierig und zweitraubend erschien. Aber natürlich ist es eben auch Jane Fonda, Ikone der selbstbestimmten Frau im 1970er-Jahre-Kino, die da Robert Redford, firedensbewegte Linken-Ikone aus dem 70er-Jahre-Hollywood fragt, ob man nicht künftig die Nächte miteinander verbringen wolle. Diese seien doch sehr einsam geworden.

Wären es nicht Fonda und Redford, die sich hier gegebübersäßen, die zuletzt in Sydney Pollacks legendärem Elektrischen Reiter 1979 zusammen spielten, wäre dieser vom Streamingkanal Netflix produzierte und verbreitete Film wahrscheinlich nicht der Rede wert. Es sitzen sich da – vor allem in der Auftaktszene, aber natürlich auch später immer wieder – zwei Kinostars gegenüber, die ihre Geschichte und ihre filmhistorisch wertvollen Filmcharaktere immer im Gepäck mit sich führen. Die beiden spielen ihre Rollen großartig. Und Redford verzichtet endlich darauf, immer nochmal beweisen zu wollen, wie agil er noch ist. Statt dessen hat er angekündigt, dass es das mit der Filmerei nach diesem Film jetzt dann wohl gewesen sei – er fühle sich zu alt dafür.

Der Film ist eine rührende Liebesgeschichte, ein Plädoyer auf die Gemeinschaft auch und vor allem im Alter. Wie die beiden das Getuschel der Nachbarn, die feuchten Anmerkungen im Coffeeshop bald weggiggeln und in neuer Lebensfreude aufblühen, das ist wunderbar mit anzusehen. Im letzten Drittel konstruiert der Film dann alle Problemklischees hintereinander, in in Familien unterschwellig oder auch gerade heraus gegeneinander schwelen, um die Liebesgeschichte der beiden Alten in Gefahr zu bringen. Das muss vielelicht so sein, um Dramaturgie zu erzeugen. Aber das ist auch sehr vorhersehbar. gerade noch sagt man, jetzt müsste eigentlich eine Krankenhausszene folgen, ind er sich beide ihrer vselbst vergiwissern, da ist der Film auch schon im Krankenhaus. Man würde diese Netflix-Produktion einfach übersehen.

Wären da nicht Redford und Fonda, der Elektrische Reiter und seine Barbarella. Mit ihnen weht ein Hauch melancholischer Erinnerung an bessere Zeiten – vor allem bessere Kinozeiten – über dem TV-Film.

Wertung: 6 von 8 €uro
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