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Plakatmotiv: Ein Mann wird gejagt (1966)

Ein böser Blick auf
gelangweilte Menschen

Titel Ein Mann wird gejagt
(The Chase)
Drehbuch Lillian Hellman
basierend auf dem Theaterstück "The Chase" von Horton Foote
Regie Arthur Penn, USA 1966
Darsteller

Marlon Brando, Jane Fonda, Robert Redford, E.G. Marshall, Angie Dickinson, Janice Rule, Miriam Hopkins, Martha Hyer, Richard Bradford, Robert Duvall, James Fox, Diana Hyland, Henry Hull, Jocelyn Brando, Katherine Walsh u.a.

Genre Crime, Drama
Filmlänge 134 Minuten
Deutschlandstart
4. Oktober 1966
Inhalt

Ein Kaff im hintersten Winkel von Texas: Kleinganove Bubber hat genug vom Knast und ist ausgebrochen. Er macht sich auf den Weg nach Tarl, aber Zuhause laufen die Dinge nun anders als früher.

Seine Frau Anna schläft mit dem Sohn des Mannes, der dafür verantwortlich ist, dass Bubber im Gefängnis landete. Der Sprössling fürchtet die Rache des Ex-Häftlings. Sheriff Calder, den die meisten bloß für einen Handlanger des Ölbarons Rogers halten, behagt währenddessen ganz und gar nicht, dass in Tarl Lynchstimmung um sich greift.

Viele fürchten den ausgebrochenen Ganoven, darunter Edwin Stewart. Er stahl als 16-jähriger Geld aus einem Geschäft, doch beschuldigt wurde Bubber. Als öffentlich wird, wo er sich versteckt, ist der Mob nicht mehr aufzuhalten …

Was zu sagen wäre

Irgendwann fliegt eine Tankstelle in die Luft. Und drumrum stehen, Kaugummi kauend, gelangweilte Bürger auf der Suche nach Abwechslung. Bis dahin plätschert der Film als eine Art Gesellschaftssatire vor sich hin.

Plakatmotiv (US): The Chase – Ein Mann wird gejagt (1966)Ausführlich lernen wir die Protagonisten des Städtchens Tarl in Texas kennen: den reichen Ölmagnaten, von dem alle ebenso schicksalsergeben wie fälschlicherweise annehmen, dass er den Sheriff gekauft hat. Die ehrbaren Geschäftsleute, die sich jedes Wochenende3 voll laufen lassen, mit den Frauen ihrer Freunde3 schlafen und sich dauernd gegenseitig beweisen wollen, wer den Dicksten hat.

Mitten drin ist Marlon Brando als Sheriff Calder ("Meuterei auf der Bounty" – 1962; Die Faust im Nacken – 1954; Julius Caesar – 1953; Viva Zapata – 1952; "Endstation Sehnsucht" – 1951). Er versucht, die üblichen Wochenenden-Orgien im Zaum zu halten. Aber da ist noch dieser Sträfling, der ausgebrochen ist, und der möglicherweise einen Mann getötet hat, was er – wie die Zuschauer im Kinosessel wissen – nicht getan hat. Der Film heißt "The Chase", aber es ist weniger die titelgebende Jagd, die Regisseur Arthur Penn interessiert. Er interessiert sich für das Umfeld, die Gesellschaft, den Menschen als solchen und wie er agiert.

Es ist ein kalter Blick auf diese Gesellschaft, die besteht aus Trinkern, Hurenböcken und frustrierten Frauen, die sich unter der Woche alle als ehrbare Honoratioren der Stadt begreifen. Und im Fokus ihrer Woichenendbeschäftigung steht ein Mann, der aus dem Gefängnis getürmt ist, in dem er mehrfach saß, weil er die Schuld anderer auf sich nahm. Sein erster Aufenthalt – als Jugendlicher in einer Besserungsanstalt – saß er ab, weil sein Kumpel Edwin 50 Dollar geklaut hatte und sich nicht traute, was zu sagen, als Bubber verurteilt wurde. Einmal ist er für den farbigen Schrottplatz-Betreiber Lester ins Gefängnis gegangen. Robert Redford spielt eine Art Jesus-Figur, die die Sünden der Welt auf sich nimmt.

Es ist eine böse, kalten Gesellschaft, der man nur durch Flucht im Morgengrauen entkommen kann. Der bösen Kälte des Films kann man, sitzt man einmal drinnen, kaum entkommen.

Wertung: 5 von 8 D-Mark
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