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Plakatmotiv: Mosquito Coast (1986)
Peter Weir entzaubert
den Aussteiger-Traum
Titel Mosquito Coast
(Mosquito Coast)
Drehbuch Paul Schrader
nach dem gleichnamigen Roman von Paul Theroux
Regie Peter Weir, USA 1986
Darsteller Harrison Ford, Helen Mirren, River Phoenix, Jadrien Steele, Hilary Gordon, Rebecca Gordon, Jason Alexander, Dick O'Neill, Alice Heffernan-Sneed, Tiger Haynes, William Newman, Andre Gregory, Melanie Boland, Martha Plimpton, Raymond Clare u.a.
Genre Drama, Abenteuer
Filmlänge 117 Minuten
Deutschlandstart
19. Februar 1987
Inhalt

Der Erfinder Allie Fox lehnt die amerikanische Konsumgesellschaft ab. Deswegen entscheidet er sich, all seinen Besitz zu verkaufen und mit seiner Familie in den Dschungel Mittelamerikas auszuwandern.

Dort treffen sie auf einen Eingeborenenstamm, von dem die Auswanderer herzlich aufgenommen werden. Allie möchte die Gastfreundschaft mit einer Erfindung wertschätzen und entwickelt eine Eismaschine. Was zunächst als großes Abenteuer beginnt, entwickelt sich allerdings schon bald zu einer gigantischen Belastungsprobe für die Familie Fox.

In der neuen Umgebung kommen die Ecken und Kanten des exzentrischen Erfinders wesentlich deutlicher hervor, als es noch in der amerikanischen Zivilisation der Fall war und gipfeln schließlich in Obsession und Wahnsinn. Besonders seine Frau und der jugendliche Sohn Charlie leiden unter der rechthaberischen Art des Vaters …

Was zu sagen wäre

Wird es dem Esel zu wohl, geht er aufs Eis. Peter Weir räumt gründlich auf mit Aussteigerfantasien und mit den Idealen einer natürlichen und deshalb lebenswerteren Art des Lebens. Wir können nicht zurück, sagt sein Film. UNd Zurück bedeutet in diesem Fall: Wir Kinogänger, die wir in Häusern aus Stahlbeton leben, über asphalterte Straßen gehen, Schutz vor Starkregen finden, indem wir die Fenster schließen, sind für die freie Natur nicht gewachsen.

Allie, die Hauptfigur, tut ja wirklich viel, um abseits der Schnellrestaurants, Supermärkte und globalisierten Industrie zu leben. Aber er übersieht, dass im Dschungel eben auch das Gesetz des Dschungels gilt. Irgendwann stehen drei mit russischen Sturmgewehren bewaffnete Guerilla-Kämpfer im frisch aufgebauten Dorf. Das friedliche Leben scheint vorüber zu sein. Allie wird klar, dass er sie nicht mit Worten loswerden wird. Er richtet daraufhin in der eben erst erbauten Kältemaschine einen Schlafplatz für die Guerilleros ein, die sich dort schlafen legen. Nachts verbarrikadieren sein ältester Sohn und er den Schlafplatz und starten die Kältemaschine, um die Guerilleros zu vergasen. Das geht schief: Die Maschine explodiert, Flammen schlagen auf das neu erbaute Dorf über und zerstören das gesamte Werk. Darüber hinaus verseuchen die Chemikalien aus der Eis-Maschine den Fluss. Wo der Mensch hinkommt, macht er sich die Erde untertan und zerstört den natürlichen Kreislauf – so lässt sich zusammenfassen, was Peter Weir erzählen will.

Offen allerdings lässt Weir, wer recht hat. Allies Gegenspieler sind nicht Frau und Kinder, sondern ein Missionar, der seine Arbeit – und seine Karriere – durch den intellektuellen Pragmatiker gefährdet sieht. Der missionar ist immerhin pragmatisch genug, seine Predigten via Bildschirm in den entlegenen Dschungel zu schicken und Widersacher mit der Flinte zu erlegen. Die Kirche ist auch keine Hilfe mehr gegen den Untergang der Welt.

Und was heißt schon Untergang: Weirs Protagonist Aliie ist einer, dem sofort schlecht wird, wenn sich jemand auf einer Errungenschaft ausruht. Er erfindet eine gigantische Eis- und Schneemaschine für die Eingeborenen, die freuen sich alle – und leben dann weiter wie bisher (nur mit Eis), schicksalergeben. Allie aber, für den Harrison Ford ein wenig Hilfe aus der Kostüm- und MakeUp-Abteilung braucht, um sein Han-Solo-Draufgänger-Image abzustreifen („Der einzige Zeuge“ – 1985; Indiana Jones und der Tempel des Todes – 1984; Die Rückkehr der Jedi-Ritter – 1983; Blade Runner – 1982; Jäger des verlorenen Schatzes – 1981; Das Imperium schlägt zurück – 1980; Ein Rabbi im Wilden Westen – 1979; Apocalypse Now – 1979; „Das tödliche Dreieck“ – 1979; „Der wilde Haufen von Navarone“ – 1978; „Helden von Heute“ – 1977; Krieg der Sterne – 1977; „Der Dialog“ – 1974; American Graffiti – 1973), fängt im Urwald an, die Umgebung zu zivilisieren, den Menschen im Urwald durch Technologie ein besseres Leben zu ermöglichen; er strebt nach jenem Fortschritt, dem er in den USA gerade entflohen ist.

Peter Weirs kopflastiges Portrait eines selbstgerecht Naturbewegten ist ein pessimistischer Film, weil er zu dem Schluss kommt, dass eine Umkehr, die manch einer als möglichen Ausweg aus Wettrüsten, Verarmung und Industrialisierung empfehlen, nicnt möglich ist; für einzelne Ja – Allie ist von jedem Rückschlag ganz begeistert – für die meisten Nein – allies Familie ist nach jedem Rückschlag überzeugter, „nach Hause“ zu wollen.

Wertung: 6 von 10 D-Mark
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