Zwei Jahrzehnte, nachdem sie ihre Stelle als Assistentin beim Magazin Runway aufgegeben hat, ist Andrea "Andy" Sachs zu einer angesehenen Reporterin in New York City geworden. Doch während einer Preisverleihungsgala wird ihre gesamte Redaktion plötzlich per SMS entlassen.
Andy hat das Glück, eine Stelle bei ihrer ehemaligen Chefin bei Runway, Miranda Priestly, zu ergattern. Miranda steht in der Kritik, weil sie einen Lobgesang auf eine Marke, die in Ausbeuterbetrieben produziert, nicht ausreichend geprüft hat. Um das Ansehen des Magazins zu verbessern, zwingt Mirandas Chef Irv Ravitz sie, Andy als Redakteurin für Sonderbeiträge einzustellen. Miranda, die Schwierigkeiten hat, sich in der modernen Mode-Medienlandschaft noch zurechtzufinden, ärgert sich über diese Einmischung.
Obwohl einige ihrer tyrannischen Verhaltensweisen im Büro bestehen bleiben, haben Beschwerden der Personalabteilung Mirandas Herrschsucht abgeschwächt. Mirandas rechte Hand, Artdirector Nigel Kipling, erklärt, dass im Internet-Zeitalter niemand mehr die Printausgabe von Runway lese. Um die Rechnungen zu bezahlen, muss die einstige Perfektionistin Miranda auf Clickbaiting und billig produzierte Kurzinhalte setzen. Andy schreibt ernsthafte Artikel, aber nur wenige Leute lesen sie. Unterdessen findet sie einen neuen Freund, Peter.
Nach dem Ausbeutungsskandal versucht Miranda, das Vertrauen ihrer Werbekunden zurückzugewinnen. Ein wichtiger Kunde ist Dior, bei dem Andys ehemalige Kollegin und Mirandas einstige erste Assistentin Emily Charlton arbeitet …
Die Welt dreht sich weiter, unerbittlich, ohne Rücksicht auf gewesene Schönheiten, gefeierte Macherinnen oder erfolgreiche Magazine. Kein Mensch liest mehr Gedrucktes, heißt es gleich zu Anfang in dieser Fortsetzung eines 20 Jahre alten Kinohits. Und trotzdem existiert das hippe Modemagazin Runway immer noch auf Papier und dass es in den Kiosken verstaubt, ist nur halb so schlimm, weil die Leute heute durch die Hochglanzstrecken auf den Onlineseiten gerne auf dem kleinen Bildschirm ihres Handy wischen, „während sie pinkeln“. Man möchte gerne glauben, dass in diesem gestöhnten Satz von Artdirector Nigel Kipling auch ein versteckter Tritt von Regisseur Nigel Frankel gegen das heutige Kinopublikum steckt, das sich nicht nur gerne Breitwandepen in gekürzter Form auf dem Handy gibt, sondern auch im Kino, während der Film läuft, noch irgendwelche Informationen auf ihren Klugtelefonen checken.
Das jedenfalls ist die Ausgangssituation des Films, der dann stehen bleibt und irgendwann zu Ende ist. Die Zuschauer sehen elegante Kleider, mondäne Schauplätze während der Mailänder Modewoche und auch sonst fast nur Ort, die Menschen ohne Platin-Kreditkarte – also jeder durchschnittliche Kinogänger und jede durchschnittliche Modemagazinleserin – in ihrem Alltag eher nicht zu sehen bekommen.
Runway also ist mehr oder weniger pleite. Wären die spendablen Sponsoren nicht, also die großen Modemarken, die ein Interesse an diesem Hochglanzschaufenster für die Welt haben, wär's vorbei; von einer zahlenden Kundschaft allein kann sich das einstmalige Flaggschiff unter den Modemagazinen nicht finanzieren. Irgendwo heißt es dann mal, dass man jetzt auch kleinere Brötchen backen müsse, auch Designer veröffentlichen, die man vor 20 Jahren nicht mal ignoriert hätte. Aber deutlich wird das nicht, obwohl das die Backstory dieser Fortsetzung, die eher eine Wiederholung ist wäre.
Im 20 Jahre alten Original haben wir die klassische fish-out-of-water-Situation – und wir waren der Fisch. Gemeinsam mit der ahnungs- und arglosen Andy Sachs betraten wir diesen Modemagazin-Kosmos und wurden dort ausführlich herumgeführt, bis die Geschichte im letzten Drittel während der Pariser Modewoche in einem intriganten Machtkampf um die Führung im Haus endete, der manche Blessur, aber keine Toten hinterließ. Das war interessant und hintergründig, ohne nachrichtlich fad zu sein. Der Einblick in diese Welt war elegant gefilmt und ausgestattet und die zynischen Snobs an der Spitze bekamen ein bisschen Stress. Der Einblick in diese wundersame Welt war zugleich die Backstory des Films.
Jetzt ist alles wieder so. Wieder giften sich alle an, sind vordergründig begeistert, entzückt und sowas von beeindruckt und hinter der nächsten Ecke gelangweilt, erschrocken und angewidert vom eben Gesehenen. Wie schon im Vorgänger kämpft Anne Hathaway (Die Odyssee – 2026; Vergiftete Wahrheit – 2019; Ocean's 8 – 2018; Man lernt nie aus – 2015; Interstellar – 2014; Don Jon – 2013; The Dark Knight Rises – 2012; Zwei an einem Tag – 2011; Valentinstag – 2010; Der Teufel trägt Prada – 2006; Brokeback Mountain – 2005; Plötzlich Prinzessin! – 2001) als hibbelig-kugeläugige Andy auf verlorenem Posten, füllt diesmal das bunte Online-Runway mit Qualitätsjournalismus, der in der Journalistenblase Eindruck macht, „aber nicht geklickt“ wird – eine scharf beobachtete Tatsache aus dem Alltag des realen Journalismus, der einer der wenigen, allerdings nicht bebilderten Behauptungen in diesen Abgrund moderner Medienzeiten bleibt. Warum eigentlich die Quoten von Runway abrauschen? Was andere Influencer und Modeblogger anders, offenbar besser, jedenfalls näher am Mausklickenden Finger machen? Bleibt verborgen. Wird nicht erzählt und nicht gezeigt. Muss der Zuschauer oder die Zuschauerin dieses Wissen als Voraussetzung mit in den Kinosaal bringen? Offenbar gilt die Grundregel des filmischen Erzählers nicht mehr, dass man immer den ganzen Kosmos abbilden muss – auch die andere Seite davon; oder, wenn man es, wie hier mit einer Fortsetzung zu tun hat, neben der schon geliebten Welt auch eine erweiterte Welt zeigt. Warum sonst sollte es denn eine Fortsetzung geben.
Wieder steht die Karriere der bissigen Chefredakteurin auf der Kippe, das Magazin zum Verkauf. Der Kampf um die begehrtesten Plätze im Runway-Kosmos beginnt diesmal schon nach fünf Minuten, während man selbst sich noch im Vorspann wähnt und die schnell gestreuten Informationen zu bändigen versucht, die erklären, dass Miranda Priestley mit einer Story in ihrem Magazin offenbar richtig ins Klo gegriffen hat – womöglich eine Auswirkung der neuen Geschäftspolitik des hemmungslosen Clickbaiting, um das es ja gehen soll, und dem dann aber eben keine weiteren Erzählungen des Niedergangs der Hochglanz-Prints folgen.
Wieder kämpft Andy Sachs um ihren Platz und schiebt sich mit Beharrlichkeit und guter Seele nach vorne, wieder unterstützt von dem auf der Karriereleiter ständig scheiternden, weil zu gutherzigen Artdirector Nigel,
den Stanley Tucci wieder unnachahmlich als charmant zynelnden Menschen unter Haien spielt (The Electric State – 2025; Konklave – 2024; Jolt – 2021; Nomis – Die Nacht des Jägers – 2018; Transformers 5: The Last Knight – 2017; Die Schöne und das Biest – 2017; Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil 2 – 2015; Spotlight – 2015; Wild Card – 2015; Die Gärtnerin von Versailles – 2014; Transformers 4: Ära des Untergangs – 2014; The Company You Keep – Die Akte Grant – 2012; Die Tribute von Panem: The Hunger Games – 2012; Captain America: The First Avenger – 2011; Der große Crash – Margin Call – 2011; Julie & Julia – 2009; Inside Hollywood – 2008; Der Teufel trägt Prada – 2006; Darf ich bitten? – 2004; Terminal – 2004; Road to Perdition – 2002; America's Sweethearts – 2001; Lebe lieber ungewöhnlich – 1997; Harry außer sich – 1997; 2 Millionen Dollar Trinkgeld – 1994; Die Akte – 1993; Ein Hund namens Beethoven – 1992; Die Ehre der Prizzis – 1985).
Und wieder entscheidet sich das Drama im Rahmen glitzernder Modenschauen. Das ist dann ein schnell geschnittenes, dialogarmes Potpourri aus Szenen von Miranda Priestley an den Catwalks der Großen und im Blitzlichtgewitter und Andy, die am Telefon diverse Irgendwers von Irgendwas überzeugen muss, das sich schließlich mit einem letzten Telefonat unter blauem Himmel am schönen Comer See in allseitige Zufriedenheit auflöst.
Na ja, nicht ganz: Da ist ja noch Emily, die Andy im ersten Film das Leben schwer machte, dabei aber nicht so recht vom Fleck kam. Mittlerweile arbeitet sie bei Dior im Marketing und herrscht über die Werbebudgets, hat also eigentlich eine einzigartige Machtstellung gegenüber Runway und Miranda, die sie aber nicht für sich zu nutzen weiß. Emily Blunt spielt sie gewohnt schnippisch (The Fall Guy – 2023; Oppenheimer – 2023; Jungle Cruise – 2021; Mary Poppins' Rückkehr – 2018; A Quiet Place – 2018; Girl on the Train – 2016; The Huntsman & the Ice Queen – 2016; Sicario – 2015; Edge of Tomorrow – Live. Die. Repeat – 2014; Looper – 2012; Die Muppets – 2011; Lachsfischen im Jemen – 2011; Der Plan – 2011; Der Krieg des Charlie Wilson – 2007; Der Teufel trägt Prada – 2006). Nebenbei angelt Emily sich einen Elon Musk-artigen Mann, der ihr alles kaufen kann – auch ein Modemagazin, wenn das gewünscht ist. In diesem Zusammenhang sprechen dann zahllose Consultants, die im Consulting erst einmal erklären, welchen Abschluss sie an welcher renommierten Universität haben, von organisatorischer Ausrichtung, Finanzarchitektur, von digitaler Transformation und Benutzererfahrung sprechen, ohne das Wort Mode oder wenigstens Klamotten in den Mund zu nehmen. Da sind sie dann, die Zerstörer des Hergebrachten. Und nach einer Szene sind sie auch schon wieder weg.
Zwei Stunden Glitzer, Glamour und freundschaftliche Boshaftigkeiten, aber kaum Spannung, kein Drama.
Rein wirtschaftlich hat sich dieser zweite Ausflug in die sündteure Welt der Mode gelohnt. Rund 100 Millionen Dollar hat die Produktion des Films gekostet. Weltweit in die Kinokassen hat der Film mit 693,2 Millionen Dollar mehr als das Sechsfache gespült.
Der Vorgänger
- Der Teufel trägt Prada (David Frankel, 2006)
