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Plakatmotiv: Julie & Julia (2009)

Erfolgsgeschichten zweier Frauen aus
zwei Jahrzehnten charmant erzählt

Titel Julie & Julia
(Julie & Julia)
Drehbuch Nora Ephron
nach einem Roman von Julie Powell
Regie Nora Ephron, USA 2009
Darsteller

Meryl Streep, Amy Adams, Stanley Tucci, Chris Messina, Linda Emond, Helen Carey, Mary Lynn Rajskub, Jane Lynch, Joan Juliet Buck, Crystal McCreary, George Bartenieff, Vanessa Ferlito, Casey Wilson, Jillian Bach, Andrew Garman u.a.

Genre Biografie, Drama
Filmlänge 123 Minuten
Deutschlandstart
3. September 2009
Inhalt

Aus Langeweile sucht sich Julia Childs für die Zeit, in der ihr Diplomaten-Gatte Paul arbeitet, eine Beschäftigung. Ein Kochkurs soll es sein. Offen für Neues lernt Julia alle Tricks der Kochkunst. Blöd nur, dass es im Frankreich des Jahres 1948 kein Kochbuch in englischer Sprache gibt. Als Julia die beiden einheimischen Köchinnen Simone und Louisette kennenlernt, tun sich die drei zusammen, um amerikanischen Hausfrauen die Kunst der französischen Küche nahezubringen.

Zeitsprung ins Jahr 2002, wo "Mastering the Art of French Cooking" längst zum Standardwerk der kulinarischen Literatur avanciert ist. Kurz vor ihrem 30. Geburtstag fühlt sich Julie Powell niedergeschlagen. Auf der Suche nach einer anderen Richtung, die sie ihrem Leben geben könnte oder zumindest etwas Zerstreuung, entdeckt sie eine neue Leidenschaft: Akribisch kocht sie innerhalb von einem Jahr alle 524 Rezepte in Julia Childs’ berühmtem Kochbuch-Klassiker nach und stellt anschließend ihre Erfahrungsberichte ins Internet – zur großen Freude einer zunehmend wachsenden Fangemeinde im Cyberspace …

Was zu sagen wäre

Der Reiz dieses Films entfaltet sich schnell dadurch, dass er zwei ungewöhnliche Erfolgsgeschichten parallel erzählt – dass es Erfolgsgeschichten sind, wissen wir, weil es sich um historische Figuren handelt – und stets darauf achtet, dass in dem Moment, wo sich ein schwerwiegendes Problem auftut, die Zeitebene gewechselt wird. Dass es Hindernisse auf dem Weg zum Erfolg gab, soll der Zuschauer erfahren, er muss sich aber nicht mit den zeitgenössischen Protagonistinnen durch die Tiefen der möglichen Albträume kämpfen, die so ein wackliger Lebensentwurf mit sich bringt. Weil: Beide Biografien, die hier verfilmt werden, waren ja schon von Erfolg gekrönt.

Nora Ephron, die eine Spezialistin in Beziehungskisten ist, deren Protagonisen sich nie begegnen (e-mail für Dich – 1998; Schlaflos in Seattle – 1993), schickt ihre beiden Protagonistinnen, die 53 Jahre getrennt voneinander leben auf identische Karrieregeschichten. Was die Bloggerin 2002 durchmacht – kaum jemand traut ihr was zu, nahezu alle halten sie für übertrieben besessen, sie kocht sich in eine Beziehungskrise – machte auch die große Köchin Julia Childs durch. Aber in beiden Zeitebenen setzen sich die engagierten, fokussierten Köchinnen durch.

Nora Ephron hat diesen Film inszeniert und auch – nach Vorlage – geschrieben (Lucky Numbers – 2000; e-m@il für Dich – 1998; Michael – 1996; Schlaflos in Seattle – 1993). Eine Frau also hat dieses Frauendrama geschrieben und inszeniert. Kann man nichts sagen. Oder? Zeitlich ordnet sich der Film ein Jahr nach 9/11 ein. Zwei Ehefrauen, zwei Ehemänner. Letztere sind Diplomat in Paris, Rom, Peking oder Bonn; oder sie sind Redakteur bei einem Gourmet-Magazin. Plakatmotiv (US): Julie & Julia (2009) Die jeweils dazu passenden Ehefrauen finden ihr Heil im Kochen. Ich komme im Kinosessel nicht umhin, darüber zu grübeln, was dieser Film gerade jetzt sagen soll. Hollywood ist strukturell ein konservativer Stadtteil. Es werden Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung propagiert, aber in seinen Filmen, die weltweit für Kasse sorgen müssen, feuert man lieber konservative Rollenbilder. Der Mann geht arbeiten, die Frau bleibt Zuhause und kocht; das heißt, 2002 geht auch die Frau arbeiten – am besten irgendwas Soziales – und kocht anschließend für ihren Mann.

Weder das Leben von Julie 2002, noch das von Julia 1949, wird als lahmes Die Frau kocht, der Mann lenkt inszeniert. Die Sympathien sind stets bei den weiblichen Protagonisten. Die Hauptrollen Amy Adams und Meryl Streep und die jeweiligen Männer Chris Messina und Stanley Tucci (Streep und Tucci, die jetzt ein wildes Ehepaar spielen, nachdem sie vor drei Jahren in Der Teufel trägt Prada das sarkastische Von-einander-abhängig-Paar Chefredakteurin gegen künstlerischen Leiter personifiziert haben) leben ein meist harmonisches Eheleben, jeweils einmal – kurz – durchbrochen von der Suche der jeweiligen Männer nach Orientierung im Zusammenleben mit zunehmend erfolgreichen Frauen.

Meryl Streep ist wunderbar (Von Löwen und Lämmern – 2007; Der Teufel trägt Prada – 2006; Robert Altmans Last Radio Show – 2006; Der Manchurian-Kandidat – 2004; Die Brücken am Fluss – 1995; Am wilden Fluss – 1994; Das Geisterhaus – 1993; Jenseits von Afrika – 1985; Kramer gegen Kramer – 1979; Manhattan – 1979; "Die durch die Hölle gehen" – 1978). Als dickköpfige Ich-will-kochen-Frau strahlt und lacht und herzerwärmt sie durch die Hauptstädte Europas, in denen ihr Mann jeweils arbeitet und treibt den größten Kochmuffel vom Kinosessel an den Herd. Amy Adams (Der Krieg des Charlie Wilson – 2007) als Orientierung suchende Julie im Jahr 2002 ist das Gegenteil von Streep Julia. Die verhinderte Schriftstellerin mit dem ewig halbfertigen Roman eiert der ersten Lebenskrise entgegen und entdeckt ihr Heil im Kochen. Das heißt, eigentlich darin, einen Blog zu schreiben. Aber über was? Erst als sie sich unter Druck setzt524 Rezepten in 365 Tagen kochen, hat sie ein Ziel. Und es spricht für den Charme der Inszenierung, dass wir nicht alle paar Minuten in Julies Blogeinträgen in Großaufnahme gezeigt bekommen, wie viele Tage schon vergangen und wie viele Rezepte erst gekocht sind.

Wertung: 5 von 7 €uro
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