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Plakatmotiv: Der Liebe verfallen (2006)

Eine Liebesgeschichte
ohne romantische Tiefe

Titel Der Liebe verfallen
(Falling in Love)
Drehbuch Michael Cristofer
Regie Ulu Grosbard, USA 1984
Darsteller

Robert De Niro, Meryl Streep, Harvey Keitel, Jane Kaczmarek, George Martin, David Clennon, Dianne Wiest, Victor Argo, Wiley Earl, Jesse Bradford, Chevi Colton, Richard Giza, Frances Conroy, James Ryan, Sonny Abagnale, George Barry, L.P. McGlynn, J.S. Klinetob u.a.

Genre Romantik, Drama
Filmlänge 106 Minuten
Deutschlandstart
5. April 1985
Inhalt

Es ist Weihnachtszeit in New York, die Stadt ist noch hektischer, als sie es schon unter normalen Umständen ist. Schließlich gilt es, andere Leute zu besuchen, Feiern vorzubereiten und ein paar letzte Geschenke zu kaufen. So auch Frank Raftis und Molly Gilmore, die auf der Suche nach einem passenden Präsent für die jeweiligen Partner in einem Buchladen landen. Dort kommt es zu einer unglücklichen Verwechslung, weshalb beide mit dem Geschenk des anderen die Heimreise antreten, ohne es zu merken.

Monate später laufen sich die beiden zufällig erneut über den Weg, dieses Mal in einer U-Bahn. Sie verstehen sich auf Anhieb so gut, dass sie ihren Tagesablauf fortan so einrichten, dass sie sich öfter begegnen. Ihre Leidenschaft und Liebe wird für Frank und Molly das Wichtigste in ihrem Leben.

Hin- und hergerissen zwischen ihren Gefühlen und dem, was die Vernunft ihnen gebietet, sehen sich beide vor die schwierigste Entscheidung ihres Lebens gestellt …

Was zu sagen wäre

Wir schreiben die 80er Jahre, die Kinder der Flower-Power-68-Generation ist in Beruf, ehe und Familie angekommen. Die Scheidungsraten in den westlichen Industrienationen steigen. Allein in Deutschland hat die Rate der Scheidung seit 1981 um 18 Prozent zugelegt, 1983 wurden 495.392 Ehen geschlossen und 170.941 geschieden, sagt das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Darauf reagiert das Kino. Hollywood hat ein Näschen für Trends. Schon 1979 kam mit Kramer vs. Kramer war ein Drama um Ehescheidung sehr erfolgreich im Kino, auch damals spielte Meryl Streep die weibliche Hauptrolle ("Silkwood" – 1983; "Sophies Entscheidung" – 1982; Kramer gegen Kramer – 1979; Manhattan – 1979; Die durch die Hölle gehen – 1978).

Jetzt also ein Liebesdrama um zwei Menschen, die sich zufällig über den Weg laufen, beide in gefestigten, man kann auch sagen eingefahrenen Ehen, er mit, sie ohne Kinder und weil wir nicht mehr die 60er schreiben, gehen die beiden aufeinander zu. Und verlieben sich. Das heißt, anfangs drucksen sie sich eher schüchtern an, wissen gar nicht, was sie, wie sie was sagen sollen und ob überhaupt. Mit stolperndem Beziehungsauftakt haben die beiden Schauspieler Übung. Meryl Streep und Robert De Niro (Es war einmal in Amerika – 1984; "King of Comedy" – 1982; "Wie ein wilder Stier" – 1980; Die durch die Hölle gehen – 1978; New York, New York – 1977; Der letzte Tycoon – 1976; 1900 – 1976; Taxi Driver – 1976; Der Pate II – 1974; "Hexenkessel" – 1973) fanden schon in Die durch die Hölle gehen keinen romantisch verklärten Einstieg, sondern drucksten herum, zumal sie die Freundin seines besten Freundes war.

Jetzt ist Molly mit einem Arzt verheiratet. Beider Kinderwunsch blieb bislang tragisch unerfüllt. Besonders lebhaft ist ihre Beziehung in einem schönen großen Haus vor der Stadt nicht. Anders bei Frank, was vor allem an den beiden lebhaften Jungs liegt, die durchs Haus poltern und von einer duldsamen Mutter und aufmerksamen Ehefrau in Schach gehalten werden. Die Gegensätze der beiden Ehen ist dramaturgisch überhöht, unterm Strich sollen sie uns zeigen: Sie findet ihren Mann nett, liebt ihn aber nicht. Er liebt seine Familie, hätte aber wohl gerne eine etwas zupackendere Partnerin – weniger Liebchen, mehr Buddy. Das muss man jedenfalls daraus schließen, wenn sich Molly und Frank immer wieder verabreden und schließlich ineinander verlieben. Streep und De Niro sind ein wunderbares, schüchternes, zurückschreckendes, forcierendes Anbandel-Paar, nicht auszudenken, wie das schief gegangen wäre, wenn nicht zwei sehr gute Schauspieler sich in diese dürren Charaktere hätten einfinden können.

Tatsächlich behauptet der Film nämlich nur. Ununterbrochen tapsen beide aufeinander zu, führen Wie geht's Dir? Danke und Dir?-Dialoge und stellen fest, dass sie nicht dürfen was sie doch so dringend möchten. Was sie am anderen so fasziniert, dass beider bisherige Leben dahinter verblassen, lässt das Drehbuch im Dunkeln. Er ist Architekt, sie illustriert Kinderbücher, beide haben also eine kreative Ader. die aber nie Thema zwischen beiden ist. Es gibt auch keine Szene, in der gemeinsame Interessen aufscheinen, die eine gemeinsame Zukunft erahnen ließen, aber für eine naive Schmetterlinge-im-Bauch-Verliebtheit sind beide – sie Mitte 30, er Anfang 40 – zu erfahren in ihrem Leben. Im Filmhintergrund zerbrechen darüber zwei Ehen ohne großes Drama; man ist wohl Mitte der 80er Jahre nicht mehr so spießig, dem Ehepartner/in eine Szene zu machen, insgeheim haben die Zurückgelassenen ja irgendwie schon geahnt, dass was im Busch ist. Auch das thematisiert der Film nicht, scheint auf den Erfahrungsschatz seines Publikums zu rekurrieren: Wenn beinahe jede zweite Ehe geschieden wird, wissen 50 Prozent der Zuschauerinnen und Zuschauer im Kinosessel ohnehin Bescheid, was passiert. Da konzentriert er sich lieber auf die Liebesgeschichte, die dem Film ja auch seinen Titel gibt. Diese Liebesgeschichte bietet große Schauspielerei, hat aber überhaupt kein Feuer, weil sie überhaupt keine Geschichte hat.

Wertung: 3 von 9 D-Mark
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