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Plakatmotiv: America’s Sweethearts (2001)

Böser Blick auf die Traumfabrik
mit gut gelaunten Top-Stars

Titel America’s Sweethearts
(America’s Sweethearts)
Drehbuch Billy Crystal & Peter Tolan
Regie Joe Roth, USA 2001
Darsteller

Julia Roberts, Billy Crystal, Catherine Zeta-Jones, John Cusack, Hank Azaria, Stanley Tucci, Christopher Walken, Seth Green, Alan Arkin, Keri Lynn Pratt, Larry King, Rainn Wilson, Byron Allen, Sam Rubin, Lisa Joyner u.a.

Genre Komödie, Drama
Filmlänge 102 Minuten
Deutschlandstart
11. Oktober 2001
Inhalt

Sie sind das Traumpaar Amerikas, im Leben wie auf der Leinwand: Die Hollywoodstars Gwen und Eddie führen seit Jahren eine öffentliche Ehe, die beträchtlich zum Erfolg ihrer Filme beiträgt. Hinter den Kulissen jedoch sind die beiden längst getrennt, hat sich Gwen einen heißblütigen Spanier ins Bett geholt und sich Eddie in eine Art Heilkloster zurückgezogen, weil er die Trennung nicht verkraftet.

Ausgerechnet jetzt müssen sie noch ihren letzten gemeinsamen Film promoten, in dem sie ein innig verliebtes Paar spielen. Um den schönen Schein aufrecht zu erhalten, versucht der gewiefte PR-Profi Lee die Aufmerksamkeit der Weltpresse auf eine vermeintliche Versöhnungsgeschichte der beiden zu lenken. DVD-Cover (US): America’s Sweethearts (2001)Dabei helfen soll Gwens Assistentin Kiki, die zugleich noch Gwens Schwester ist und mit den Launen des Megastars einigermaßen umzugehen gelernt hat.

Lee hat alle Hände voll zu tun, um die beiden Streithähne zusammenzubringen – und die Sache wird auch nicht leichter, als sich zwischen Eddie und Kiki allmählich eine ganz andere Beziehung entwickelt …

Was zu sagen wäre

Sieh auf die Leinwand. Siehst Du nicht, was das ist. Es ist eine Schöpfung! Es ist eine Geburt! Es ist das Leben selbst!“ Wenn Hollywood sich selbst feiert, ist es kaum zu schlagen. Die Oscar-Shows sind selten erste Sahne, aber Filme, in denen das verhandelt wird, was Hollywood ausmacht, sind es häufig. Dies hier ist ein Film über das, worum es in Hollywood geht: Über das Geschäft mit der Lüge. In "America's Sweethearts" geht es um nichts weiter, als um die öffentlichkeitswirksame Verkaufe eines Films, dessen Basis auf lauter Lügen besteht. Im vorliegenden Fall sollen sich John Cusack und Catherine Zeta-Jones als Liebespaar verkaufen, obwohl alle wissen, dass sie genau das nicht mehr sind. John Cusack (Being John Malkovich – 1999; The Thin Red Line – 1998; Con Air – 1997; City Hall – 1996) und Catherine Zeta-Jones haben schon in High Fidelity (2000) eindrucksvoll gezeigt, dass sie – was ihre Filmcharaktere angeht – besonders gut nicht zueinander passen.

In Frage steht der Erfolg des zu promotenden Films aber nicht nur, weil die beiden Hauptdarsteller ein sich anzickendes Ex-Paar sind, sondern auch, weil niemand den Film bisher gesehen hat, nicht einmal Studioboss Kingman, den ein groß aufgelegter Stanley Tucci als ständig vibrierenden Studioboss spielt, der darüber sinniert, inwieweit der Selbstmord eines Stars womöglich die Verkaufszahlen seines Films in die Höhe schießen lässt. Dieser Studioboss hat es mit einem Künstler auf dem Regiestuhl zu tun, einer der dreimal den Oscar gewonnen hat und sich leider gar nicht in seine Arbeit reinreden lässt. Künstler sind so ziemlich das letzt, was sie in Hollywood haben möchten. Künstler streben nach der Wahrheit, aber Hollywood versteht sich ja als Traumfabrik. Diesen Regie-Auteur spielt herrlich Zentimeter über dem Boden schwebend Christopher Walken (Joe Dreck – 2001; Sleepy Hollow – 1999; Eve und der letzte Gentleman – 1999; Mäusejagd – 1997; Last Man standing – 1996; Pulp Fiction – 1994; True Romance – 1993; Batmans Rückkehr – 1992; James Bond 007 – Im Angesicht des Todes – 1985; Dead Zone – 1983; Projekt Brainstorm – 1983; Heaven's Gate – 1980; Die durch die Hölle gehen – 1978; Der Stadtneurotiker – 1977). Das Drehbuch sei „scheiße“ gewesen, sagt er als Regisseur Hal Weidmann, daher habe er es weg geschmissen und zwar den Film gedreht, aber in den Drehpausen die Kameras heimlich weiterlaufen lassen – daraus ist nun sein Film entstanden, jenes oben als „das Leben selbst“ gepriesene Werk. Billy Crystal hat das Drehbuch geschrieben. Der dürfte sich mit dem Beschriebenen gut auskennen. Lustvoll leuchtet er die Bosheiten, den Zynismus der Filmbranche aus, in der ein Mensch wenig, seine Erzählung eventuell sehr viel zählt. Chrystal hatte sich zunächst Julia Roberts in der Rolle der zickigen Gwen gewünscht, aber die sah mehr Potenzial in der unauffälligen, stillen Assistentin und Schwester Kiki und füllt die jetzt mit großer Seele und der Anmut einer stillen Dulderin. So kommt es zu dem bemerkenswerten Bild, dass sich alles um ein Filmstarpaar dreht, während der größte Star, Tripple-A-Star Julia Roberts grau am Rande steht (Mexican – 2001; Erin Brockovich – 2000; Die Braut, die sich nicht traut – 1999; Notting Hill – 1999; Seite an Seite – 1998; Fletchers Visionen – 1997; Die Hochzeit meines besten Freundes – 1997; Alle sagen: I love you – 1996; Michael Collins – 1996; Mary Reilly – 1996; Power of Love – 1995; I love Trouble – Nichts als Ärger – 1994; Die Akte – 1993; The Player – 1992; Hook – 1991;; Flatliners – 1990; Pretty Woman – 1990; Magnolien aus Stahl – 1989; Pizza, Pizza – 1988) – in Rückblenden sogar als kleines Pummelchen.

Sich selbst hat Billy Crystal (Reine Nervensache – 1999; Harry und Sally – 1989; Die Braut des Prinzen – 1987; Diese Zwei sind nicht zu fassen – 1986) die Rolle des Pressemanagers ins Script geschrieben, also die Person, die die professionell produzierten Lügen professionell – das heißt hier Mit allen Mitteln – verkaufen soll. Er spielt das mit großer Freude und Lust am vors Schienbein treten. Mit derselben Freude hat er offensichtlich auch das Drehbuch geschrieben.

Wertung: 6 von 6 €uro
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