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Plakatmotiv: Michael Collins (1996)

Ein Biopic für den
Geschichtsunterricht

Titel Michael Collins
(Michael Collins)
Drehbuch Neil Jordan
Regie Neil Jordan, UK, Ir., USA 1996
Darsteller

Liam Neeson, Ian Hart, Richard Ingram, Aidan Quinn, Michael Dwyer, Alan Rickman, Julia Roberts, Stephen Rea, Richard Ingram, John Kenny, Ronan McCairbre, Jer O'Leary, Martin Murphy, Sean McGinley, Gary Whelan, Frank O'Sullivan u.a.

Genre Biografie, Drama, Thriller
Filmlänge 133 Minuten
Deutschlandstart
3. April 1997
Inhalt

Im Jahr 1916 schlägt die britische Besatzungsmacht den irischen Osteraufstand blutig nieder. Dies hat zur Folge, dass die Anführer der irischen Republikaner ohne ordentliches Gerichtsverfahren erschossen werden.

Eamon de Valera, der Kopf der irischen Untergrundbewegung, wird gemeinsam mit seinen jungen Verbündeten Michael Collins und Harry Boland ins Gefängnis gebracht. Der Kampf gegen die übermächtigen Briten konnte nicht länger auf dieselbe Art und Weise fortgeführt werden. Das sieht auch Collins ein, worauf er eine geheime Armee, die Irish Republican Army, organisiert. Plakatmotiv (UK): Michael Collins (1996) Mit diesem Heer gelingt es Collins durch Terroranschläge auf königstreue Politiker und Informanten des britischen Geheimdienstes, die Oberhand in diesem Krieg zu gewinnen.

Es folgen Friedensverhandlungen, bei denen Collins als Chefunterhändler fungiert. Die Mehrheit der irischen Bevölkerung ist für den ausgearbeiteten Vertrag, doch die Unzufriedenheit der restlichen Teilbevölkerung stürzt Irland erneut in den Krieg. Nun kämpfen Iren gegen Iren – Befürworter gegen Gegner des Vertrages.

De Valera und Boland sagen sich von Collins los. Collins will aber weiteres Blutvergießen verhindern, weshalb er gegen den Rat seiner Anhänger nach Cork, einem gegnerischen Brennpunkt, reist. Dort will er Friedensverhandlungen mit de Valera führen

Was zu sagen wäre

Nach jahrzehntelangem, nutzlosem Aufbegehren gegen die ungeliebte Besatzung steigt ein Mann an die Spitze, der die Besatzer in Schrecken versetzt. Er ersetzt sinnlose Gespräche durch Morde. Er bringt dem Freiheitsdrang seines Volkes entscheidende Schritte. Während die Besatzer versuchen, mit der neuen Härte der besetzten Krieger einen Kompromiss auszuhandeln, merken die Politiker in den Reihen der Besetzten, dass ihnen die Felle davonschwimmen. Es sind taktisch versierte Männer, die glauben, dass man nur genug durch die Besatzer ermordete Menschen vorweisen müsse, damit die ganze Welt sich dem gerechten Widerstand anschließen werde.

Aber der Welt ist diese blutige Geschichte ziemlich egal. Und so bekommt jener Mann an der Spitze des Unabhängigkeitskampfes, der mordet statt redet, einerseits Zulauf von seinen Leuten. Von den Taktierern unter seinen Leuten, also den politisch Versierten, bekommt er Verrat und eine Kugel. Liam Neeson ("Rob Roy" – 1995; Nell – 1994; Schindlers Liste – 1993; Ehemänner und Ehefrauen – 1992; Darkman – 1990; Das Todesspiel – 1988; Suspect – Unter Verdacht – 1987; "Auf den Schwingen des Todes" – 1987; Mission – 1986; Krull – 1983; Excalibur – 1981) gibt diesem Charakter, der die IRA erfunden haben soll, mit seiner wuchtigen Statur leinwandfüllende Präsenz.

Lässt man die Jahreszahl und die Kostüme mal beiseite, könnte dies auch die Zusammenfassung von Mel Gibsons Braveheart sein, der im vergangenen Jahr den Freiheitskampf der Schotten gegen das britische Empire beschrieb. Die Struktur ist ähnlich: Es gibt die brutalen, über Leichen gehenden, vergewaltigenden Engländer auf der einen und die Freiheit liebenden Schotten/Iren auf der andern Seite.

"Michael Collins" ist einer dieser Filme, die in irischen Schulen, Museen, Pubs gezeigt werden sollten, damit die Iren sich erinnern und feiern wer sie sind. Plakatmotiv: Michael Collins (1996) Dasselbe gilt für Braveheart bei den Schotten (oder für "Die weiße Rose" (1982) in Deutschland).

Der Film dekliniert einen Prozess, der von Menschen angestoßen wurde, die wir im Film über ihre Funktion als historische Helden hinaus nicht näher kennenlernen. Michael Collins ist zu Beginn einer, der die Schnauze voll hat davon, dass die Engländer unbesiegbar sind, weil sie alles über die irischen Gegner wissen, während die Iren nichts über die englischen Besatzer herausfinden. Das will und wird er ändern. Langfristig durchkreuzt er damit aber die Pläne des irischen Establishment, das sich eingerichtet hatte im Status Quo, der für den politischen Verhandler immer ein 5-Sterne-Bett in Aussicht stellt – anstatt eines Sargs..

Neil Jordan ("Interview mit einem Vampir" – 1994; "The Crying Game" – 1992; "Mona Lisa" – 1986) kleidet diese Biografie um den ewigen Kampf der Revolutionäre IRA und Sin Fein in eine wenig aufregende Filmhandlung. Mit einigen historischen Ungenauigkeiten zeigt sein Film die Geschichte des irischen Unabhängigkeitskampfs vom Osteraufstand 1916 bis zur Ermordung von Michael Collins, der als Gründer der IRA gilt. Weil sowas im Kinosessel nicht zieht, hat Jordan eine Frau in die Geschichte operiert, die zwischen den besten Freunden Michael Collins und Harry Boland steht. Dafür hat Jordan Julia Roberts geholt, die ohnehin gerade für Dreharbeiten in England weilt (Mary Reilly – 1996) und auf der Suche nach Rollen ist, die sie von ihrem Pretty Woman-Image befreien (Power of Love – 1995; "Prêt-à-Porter" – 1994; I love Trouble – 1994; Die Akte – 1993; The Player – 1992; Hook – 1991; Flatliners – 1990; Pretty Woman – 1990; Magnolien aus Stahl – 1989; Pizza, Pizza – 1988). Roberts soll dem 08/15-Revolutionsdrama Pepp geben – Männer, die sich um eine Frau streiten, versteht der Zuschauer eher als Männer, die sich um politische Ziele streiten. Es ist nicht Julia Roberts' Fehler, dass Jordans Plan nicht aufgeht. Ihre Rolle ist zwar wichtig für Jordans Filmdrama, gibt aber als Filmcharakter wenig für eine aufstrebende Schauspielerin her.

Ja, der Film ist für irische Schüler eine gute Ausgangsbasis, um sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Er ist auch ein respektabel fotografierter, professionell inszenierter Film. Historisch lenkt Neil Jordan unseren Blick nach Irland. So, wie Mel Gibson unseren Blick nach Schottland lenkte.

Allein als Film aber versenkt Jordan seine Inszenierung im täglichen Fluss des Kinos.

Wertung: 6 von 11 D-Mark
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