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Kinoplakat: Die Hochzeit meines besten Freundes

Eine Romantic Comedy,
in der wir die Bösen sind

Titel Die Hochzeit meines besten Freundes
(My Best Friend's Wedding)
Drehbuch Ronald Bass
Regie P.J. Hogan, USA 1997
Darsteller

Julia Roberts, Dermot Mulroney, Cameron Diaz, Rupert Everett, Philip Bosco, M. Emmet Walsh, Rachel Griffiths, Carrie Preston, Susan Sullivan, Christopher Masterson, Raci Alexander, Jennifer Garrett, Kelleia Sheerin, Bree Turner, Cassie Creasy u.a.

Genre Komödie, Romantik
Filmlänge 105 Minuten
Deutschlandstart
4. Dezember 1997
Inhalt

Julianne, eine erfolgreiche Restaurant-Kritikerin, und ihr bester Freund Michael haben vor Jahren vereinbart, wenn sie bis zu ihrem 28. Geburtstag nicht verheiratet wären, würden sie sich gegenseitig heiraten. Kurz bevor sie 28 werden, erfährt Julianne, dass Michael in wenigen Tagen die reiche Kimmy heiraten wird. Daraufhin wird ihr schlagartig bewusst, dass sie weit mehr für Michael empfindet, als sie bisher glaubte.

Sie beschließt, diese Hochzeit mit allen Mitteln zu verhindern und lässt von nun an keine Gelegenheit mehr aus, um Michael von der Hochzeit abzubringen. Sie schreckt vor nichts zurück: Hinterlist, Lügen und E-Mail-Betrug sollen sie ans Ziel ihrer heimlichen Träume führen. Und tatsächlich: Kurz vor der Hochzeit scheint Michael langsam weich zu werden …

Was zu sagen wäre

Julia Roberts hat keine leichte Zeit hinter sich. Die Filme, in denen sie spielt, zünden an der Kinokasse nicht. Ihre Erfolge mit Pretty Woman und Die Akte sind lange her, ihre Versuche, abseits von wallemähnigen Langbein-Rollen auch im ernsten Fach zu reüssieren, blieben erfolglos, die Filme zwar anspruchsvoll, aber eben für kleines Publikum, nicht für die große Kasse; Filme, die für ihre Glamourschönheit offenbar nicht das richtige Spielfeld sind (Alle sagen: I love you – 1996; Michael Collins – 1996; Mary Reilly – 1996; Power of Love – 1995; I love Trouble – Nichts als Ärger – 1994; Die Akte – 1993; The Player – 1992; Hook – 1991; Flatliners – Heute ist ein schöner Tag zum Sterben – 1990; Pretty Woman – 1990; Magnolien aus Stahl – 1989; Pizza, Pizza – Ein Stück vom Himmel – 1988). Am wenigsten unter den nicht so großen Kassenerfolgen gelitten hat sie wohl selbst. Sie hat am meisten unter der Schublade gelitten, in die die Studios sie gesteckt haben und immer wieder raus holen wollen. Auf der Showest in Las Vegas im März dieses Jahres, einer Convention der weltweiten Filmindustrie, auf der Studios ihre Highlights für das kommende Jahr präsentieren, sagte Roberts im Rahmen einer Dinnerparty, sie werde in diesem Jahr auch wieder mit einem Film in die Kinos kommen, „der Ihnen allen gefallen wird. Es ist eine Romanze, in der ich wieder lange lockige Haare trage“. Der Sarkasmus in ihrer Stimme war nicht zu überhören. Sie meinte "My best Friends Wedding".

Und, Himmel, was trägt sie wieder für eine Wallemähne! Lang. Lockig. Rotbraun. Aber vielleicht hat ihr die Rolle dann sogar Spaß gemacht. Denn es ist die Mähne des Teufels. Julia Roberts ist die Schurkin im Stück. Die, die alles versucht, Unheil über ein glückliches Brautpaar zu schütten. Eine Liebe zu zerstören, die so vollkommen ist, dass man im Kinosessel kaum anders kann, als diese Julianne zu hassen. Sie geht mit Männern um, wie gemeinhin Männer mit Frauen angeblich umgehen: ein paar Wochen Sex und Romantik, dann Abschied. Und jetzt heiratet ihr bester Freund, der als so eine Art Notlösung für den Fall eingeplant war, dass sie plötzlich doch alleine da steht. Klassisches Kino-Dilemma: Da gilt Julia Roberts als eine der begehrenswertesten Frauen der Welt und der Typ, dem sie in diesem Film alle Türen öffnet, will eine andere. Daraus schlägt P.J. Hogan ("Muriels Wedding" – 1994) nach einem Drehbuch von Ron Bass (Dangerous Minds – 1995; "Der Feind in meinem Bett" – 1991; Rain Man – 1988) ordentlich Funken.

Denn Juliannes Antagonistin, Kimberly, die Braut ihres besten Freundes Michael, ist entzückend, liebevoll, zuvorkommend, blond, blauäugig; sie hasst Karaoke, weil sie keinen Ton trifft, stellt sich aber in einer knüppelvollen Karaoke-Bar hin und krächzt Jann Ardens "You don't know me" in die Menge, bis die ihr applaudierend zu Füßen liegt. Fragwürdig, aber für Sportjournalisten wie Michael, die das Leben im Stadion lieben, sicher toll ist, dass Kimberly der festen Überzeugung ist, dass sie für die Liebe ihr Architekturstudium aufgeben muss, um mit Michael Wochenende für Wochenende durch die Sportstadien Amerikas zu ziehen. Aus dieser Tour soll übrigens auch die Hochzeitsreise der beiden bestehen. Kimberly ist eine durch und durch freundliche Person. Ebenso wie ihre charmante Mutter und ihr erfolgreicher und mächtiger Vater. Weil die Schurkin des Stücks schon auf Seiten der Zuschauer sitzt, werden die Gegner als die Freundlichen inszeniert. Der Perspektivwechsel macht diese Romantic Comedy spannend – neben der lustigen Aufführung, in der der Australier Hogan dem Hollywood-Fest schlechthin, der Hochzeit, durch eine der Prinzessinnen Hollywoods lauter Steine in den Weg legen lässt.

Der Komödie wie ein Gullydeckel am Bein klebt Dermot Mulroney, der den undankbaren Part des Verlobten Michael spielt (Copykill – 1995; Ein amerikanischer Quilt – 1995; Young Guns – Sie fürchten weder Tod noch Teufel – 1988). Zwischen dem machohaften Sportstadion-Proll Michael und seiner lieblichen Kimberly, die Architektur studiert, sprüht kein einziger Funke. Die beiden sind ein typisches Kino-Paar, deren Sein man nicht hinterfragen darf. Sie sind der MacGuffin, der nötig ist, um diese Eheverhinderungsgeschichte ans Laufen zu kriegen. Während Cameron Diaz ("Keys to Tulsa" – 1997; "Die Maske" – 1994) als Kimberly sprüht vor Charme und Lieblichkeit, bleibt Mulroney als Michael ein Langeweiler ohne Esprit. Was die erfolgreiche Restaurantkritikerin Julianne an diesem Michael findet, ist unklar, aber dass sie etwas an dem Langweiler findet, spricht eher gegen Julianne als Romantikerin. Die sie dann auch nicht ist.

Julianne ist Vertreterin einer noch jungen Frauengarde in Hollywoods Drehbüchern. Sie ist erfolgreich auch ohne Mann. Das waren in den Screwball-Comedies der 40er Jahre Frauen wie Katherine Hepburn im Grunde auch; aber am Ende landeten sie doch im Arm eines Mannes. Julianne landet schließlich auch in einem männlichen Arm; in dem des homosexuellen George, der ihr Redakteur und seit langem ihr neuer bester Freund ist. Mit George haben die Homosexuellen einen Platz in Hollywoods Kinouniversum bekommen und brechen die starren Drehbuchstrukturen der konservativen Filmindustrie auf.

Jetzt kann Julia Roberts ihre ungeliebte Wallemähne tragen, muss nicht jeden Kinoprinz heiraten und kann im Finale trotzdem mit einem Mann den Beginn einer wunderbaren Freundschaft feiern.

Wertung: 8 von 11 D-Mark
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