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Kinoplakat: Jenseits von Afrika

Sentimentale Wehmut
in einem Naja-Melodram

Titel Jenseits von Afrika
(Out of Africa)
Drehbuch Kurt Luedtke
basierend auf Büchern von Karen Blixen + Judith Thurman + Errol Trzebinski
Regie Sydney Pollack, USA, UK 1985
Darsteller Meryl Streep, Robert Redford, Klaus Maria Brandauer, Michael Kitchen, Malick Bowens, Joseph Thiaka, Stephen Kinyanjui, Michael Gough, Suzanna Hamilton, Rachel Kempson, Graham Crowden, Leslie Phillips, Shane Rimmer, Mike Bugara, Job Seda u.a.
Genre Abenteuer, Romantik
Filmlänge 161 Minuten
Deutschlandstart
13. März 1986
Inhalt

Gegen ende der Kolonialzeit reist die Dänin Karen Blixen nach Afrika mit der Absicht, dort mit ihrem Mann, dem Baron Bror von Blixen-Finecke, eine Molkerei aufzuziehen. Doch es kommt anders: Der blaublütige, aber arme Baron hat ihre Mittel verbraucht, um eine Kaffeeplantage anstelle der Molkerei zu erwerben. Zudem zeigt er wenig Neigung, in dieser Plantage zu arbeiten, sondern zieht es vor, zu jagen.

Obwohl die Heirat einvernehmlich als Zweckehe arrangiert war (Karens Familie ist vermögend, während der Baron einen Adelstitel einbringt), beginnt Karen jedoch eine gewisse Zuneigung zu ihrem Mann zu fassen und ist betrübt, als sie von seinen Seitensprüngen erfährt.

Schließlich zieht sich Karen eine Syphilis zu. Die damals sehr gefährliche Krankheit zwingt Karen, nach Dänemark zurückzukehren, um, da es noch kein Penicillin gab, eine Kur mit Arsphenamin zu machen. Der Film lässt vermuten, dass Karen von ihrem Mann angesteckt wurde.

Nach ihrer Genesung und Rückkehr nach Afrika trennt sie sich von ihrem Ehemann und beginnt eine Beziehung mit Denys. Doch nach vielen misslungenen Versuchen, ihre Affäre in eine dauerhafte Beziehung zu wandeln, eventuell sogar in eine Ehe, muss Karen einsehen, dass Denys genauso wenig gezähmt werden kann, wie die afrikanischen Wildtiere

Was zu sagen wäre

Afrika ist ein sehr realer Kontinent und die Menschen dort sehr reale Menschen mit sehr realen Problemen. Das vergessen wir hier in Europa bisweilen, weil wir meistens von afrikanischen Diktaturen, Hungersnöten lesen, weil wir in Fernsehen und Kino ein märchenhaftes Land vorgeführt bekommen mit unglaublichen Landschaften in orangerotem Licht des Sonnenaufgangs und in Zeitlupe wandernden Wildtieren.

Der Film beschreibt die Geschichte in sechs locker miteinander verbundenen Episoden, unterbrochen durch Blixens Erzählung. Die letzte Episode stammt aus ihrem Buch Out of Africa, während die anderen, ihren lyrischen Schreibstil nachahmend, explizit für den Film geschrieben wurden. Der oft langsame Fortgang des Films ist eine Anlehnung an das Buch, „die Eingeborenen mögen die Schnelligkeit nicht, so wie wir den Lärm nicht mögen …“ (zitiert aus: Out of Africa). In dieses Melodram vor kenianischer Kulisse hinein fällt es Robert Redford zu, den Weißen hier und da den Kopf zurecht zu rücken – denen auf der Leinwand und denen im Kinosaal – wer uns eigentlich sage, dass die Kinder in Kenia eine Schule nach weißem Muster bräuchten. „Wir sind hier nur auf der Durchreise“, sagt er über die Weißen, die sich anschicken, Kolonialherren zu werden.

Pollacks Erzählweise ist ähnlich der seines Klassikers So wie wir waren (1973). Er erzählt Episoden in Zeitsprüngen, deren innerer Zusammenhalt die Versuche Karens sind, den einen ihrer Männer zum Bleiben, später den anderen zum Heiraten zu bewegen und dazwischen sehen wir großartige Aufnahmen kenianischer Savanne, in denen die Tiere das Natürlichste sind, was wir sehen: „Sie leben nur jetzt. Sie wissen nicht, was ein Morgen ist. Oder ein Gestern“, sagt Denys und blickt versonnen in die Weite. Wenn sich Karen und Denys dann und wann sehen, reden sie nicht über den Alltag der einen oder des anderen, nicht über Safaris, nicht über Probleme der Kaffeeernte. Sie erzählen sich Geschichten aus der Phantasie, jenseits der Realität eines Alltags – jenseits von Afrika. Auch sie können diesen Kontinent nicht erfassen, bewundern ihn stumm und lassen ihn letztlich unbesungen. „Es wird nicht mehr lange so sein“, raunt Denys.

„Schön, dass sie mitgekommen sind“, sagt er einmal zu Karen, als die während einer Safari einen angreifenden Löwen erschießt. Pollack inszeniert die beiden in dieser Szene wie ein eingeübtes Kämpferpaar und schließt die Szene, indem Denys ihre Lippe abwischt, auf die sie sich gebissen hat, während sein Blick stumme Bewunderung, Respekt und Freude ausdrückt. Das Unprätentiöse, Bodenständige dieser Liebe macht den Film aus, Romantik ohne Schmalz.
Die Produktion ist eine strukturelle Meisterleistung, die Schauspieler – Meryl Streep („Eine demanzipierte Frau“ – 1985; „Silkwood“ – 1983; „Sophies Entscheidung“ – 1982; Kramer gegen Kramer – 1979; „Die Verführung des Joe Tynan“ – 1979) als durchsetzungsstarke Frau, Robert Redford als Lonesome Cowboy, Klaus-Maria Brandauer („Oberst Redl“ – 1985; James Bond 007 – Sag niemals nie – 1973; „Mephisto“ – 1981) als promiskuitiver Schmierlappen, superb, die Landschaft … naja, Kenia eben.

Aber der Film als Ganzes bleibt ein oberflächliches Melodram in exotischer Hochglanzwelt, grandios in Film übersetzte Buchstaben, aber in seiner sentimentalen Wehmut unverbindlich.. Das deuten auch die sieben Oscars an, mit denen der Film ausgezeichnet wurde (Film, Regie, Adaptiertes Drehbuch, Kamera, Ausstattung, Ton und Musik von James-Bond-Komponist John Barry). Sie zeugen von der ungebrochenen Faszination für die Einzigartigkeit dieses Kontinents, auf die jeder seine individuellen Sehnsüchte oktroyieren kann, die freilich mit den Realitäten des Lebens dort kaum zu tun haben. Die Schauspieler, die ein Drama tragen müssen, blieben am Oscarabend unerwähnt.

Der Film hat 28 Millionen US-Dollar gekostet. Am weltweiten BoxOffice holte „Out of Africa“ rund 227,5 Millionen US-Dollar.

Wertung: 5 von 8 D-Mark
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