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Plakatmotiv: Ticket ins Paradies (2022)

Roberts und Clooney machen
auf Lemmon und Matthau

Titel Ticket ins Paradies
(Ticket to Paradise)
Drehbuch Ol Parker & Daniel Pipski
Regie Ol Parker, USA, UK 2022
Darsteller

George Clooney, Julia Roberts, Kaitlyn Dever, Maxime Bouttier, Billie Lourd, Lucas Bravo, Rowan Chapman, Sean Lynch, Arielle Carver-O'Neill, Ling Cooper Tang, Charles Allen, Francis McMahon, Geneviève Lemon, Romy Poulier, Dorian Djoudi, Ilma Nurfauziah, Agung Pindha, Ifa Barry, Cintya Dharmayanti u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 104 Minuten
Deutschlandstart
15. September 2022
Inhalt

Ihre eigene Ehe ist schon lange Vergangenheit. Doch als ihre Tochter Lily nach Bali reist und sich dort Hals über Kopf verliebt und verlobt, fallen ihre geschiedenen Eltern Georgia und David aus allen Wolken.

Obwohl sie nur noch Abneigung füreinander empfinden, brechen die beiden gemeinsam in das exotische Tropenparadies auf, um Lily vor dem Fehler zu bewahren, den sie selbst vor 25 Jahren gemacht haben …

Was zu sagen wäre

Die 90er Jahre haben angerufen. Die wollen ihre Romantic Comedy zurück haben. Ja, der Spruch hat etwas Staub angesetzt. Deshalb passt er aber gut zu diesem Film, in dem George Clooney und Julia Roberts als Ex-Ehepartner eine Zeit lang so tun, als würden sie sich hassen und George Clooney einen maßgeschneiderten Smoking trägt. Ol Parker, dem man nicht zu nahe tritt, wenn man sagt, dass er lieber Drehbücher schreibt, als Filme zu drehen – sein letzter als Regisseur war "Mamma Mia! – Here we go again" (2018) und das war erst sein drittes Regiewerk – überrascht uns nicht mit innovativen Ideen oder spannenden neuen Erkenntnissen zu Menschen mit Liebesproblemen. Er bietet uns das, was der Titel verspricht: Eine Auszeit im Paradies.

Da sind zwei erfolgreiche Geschäftsleute – er irgendwas in der Baubranche, sie in Sachen Kunst – die fünf Jahre verheiratet waren, ein Kind gezeugt und sich dann getrennt haben. Das ist auch schon wieder knapp 20 Jahre her und man könnte meinen, die Wogen hätten sich zwischenzeitlich geglättet. Aber nein, sobald sie aufeinandertreffen, was bisweilen passiert, weil sie ja eine gemeinsame Tochter haben, giften sie sich an. Warum sie das nach 20 Jahren immer noch tun, lässt der Film offen; muss schlimm gewesen sein damals, die Scheidung heftig. Georgia und David allerdings wirken gar nicht, wie ein geschiedenes Ehepaar. Sie wirken wie Jack Lemmon und Walter Matthau in ihren Grumpy Old Men-Filmen, nur dass Roberts und Clooney beim Beer Pong mit 90er-Jahre-Discomukke die bessere Figur machen.

Natürlich weiß man aus der Klatschpresse – und der Film schwimmt die ganze Zeit so an der Oberfläche der Ereignisse, dass man Zeit hat, im Kinosessel seine Gedanken schweifen zu lassen – dass George Clooney (Money Monster – 2016; Hail, Caesar! – 2016; A World Beyond – 2015; Monuments Men – 2014; Gravity – 2013; The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten – 2011; The Ides of March – 2011; The American – 2010; Männer, die auf Ziegen starren – 2009; Up in the Air – 2009; "Burn After Reading" – 2008; Michael Clayton – 2007; Ocean's 13 – 2007; Good Night, and Good Luck. – 2005; Ocean's Twelve – 2004; Ein (un)möglicher Härtefall – 2003; Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind – 2002; Solaris – 2002; Ocean's Eleven – 2001; Spy Kids – 2001; Der Sturm – 2000; O Brother, Where Art Thou? – 2000; Three Kings – 1999; Der schmale Grat – 1998; Out of Sight – 1998; Projekt: Peacemaker – 1997; Batman & Robin – 1997; Tage wie dieser … – 1996; From Dusk Till Dawn – 1996) und Julia Roberts im echten Leben gute Freunde sind, also schauen wir ihren kunstvollen, kaum begründeten Streitereien amüsiert zu. Denn wegen ihnen sitze ich ja überhaupt nur hier.

Eine Geschichte über erfolgreiche Geschäftsleute, die auf einer wunderschönen Insel erkennen, dass ihr durchgetaktektes Smartphoneleben tatsächlich gar nicht so toll ist, wird heutzutage am Sonntagabend im ZDF unter dem Rubrum "Rosamunde Pilcher" abgearbeitet. Gut für eine kurze Flucht aus dem Alltag, eigentlich verlogen, aber hey, Schokolade ist ja streng genommen auch kein gesundes Nahrungsmittel.

Fürs Kino sind solche Geschichten im fortgeschrittenen 21. Jahrhundert verloren, wenn sie keine besonderen Wendungen haben. Notting Hill (1999), auch aus der Schmiede der "Working Title Production" hatte auch Julia Roberts und besondere Wendungen; ebenso Tatsächlich… Liebe (2003). "Ticket ins Paradies" ist so einfallsarm wie sein Titel. Aber er bietet eben den Boomern ein Wiedersehen mit Julia Roberts in einer romantischen Rolle, nachdem sie jetzt eine Weile als böse Hexe, Schwiegermutter oder toughe Texas-Magnatin besetzt worden ist (Money Monster – 2016; Mother's Day: Liebe ist kein Kinderspiel – 2016; Im August in Osage County – 2013; Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen – 2012; Larry Crowne – 2011; Valentinstag – 2010; Duplicity – Gemeinsame Geheimsache – 2009; Der Krieg des Charlie Wilson – 2007; Ocean's Twelve – 2004; Hautnah – 2004; Mona Lisas Lächeln – 2003; Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind – 2002; Voll Frontal – 2002; Ocean's Eleven – 2001; America's Sweethearts – 2001; Mexican – 2001; Erin Brockovich – 2000; Die Braut, die sich nicht traut – 1999; Notting Hill – 1999; Seite an Seite – 1998; Fletchers Visionen – 1997; Die Hochzeit meines besten Freundes – 1997; Alle sagen: I love you – 1996; Michael Collins – 1996; Mary Reilly – 1996; Power of Love – 1995; Prêt-à-Porter – 1994; I love Trouble – Nichts als ärger – 1994; Die Akte – 1993; The Player – 1992; Hook – 1991; Flatliners – Heute ist ein schöner Tag zum Sterben – 1990; Pretty Woman – 1990; Magnolien aus Stahl – 1989; Pizza, Pizza – Ein Stück vom Himmel – 1988).

Also gehen wir an die Kinokasse, lösen ein Billet für zwei Stunden Urlaub und freuen uns mit George Clooney und Julia Roberts, Pause vom Leben auf einer fantastischen Insel zu machen, auf der die Eingeborenen leben, wie vor 200 Jahren, denen wir archaisch blutige Riten zutrauen und dann froh sind, sie auf unserer Seite zu wissen. Manchmal ist das Kino immer noch genau dafür da.

Wertung: 4 von 8 €uro
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