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Plakatmotiv: Jerico-Projekt – Im Kopf des Killers (2016)

Geheimdienste sind skrupellos
und die Liebe transferierbar

Titel Das Jerico-Projekt – Im Kopf des Killers
(Criminal)
Drehbuch Douglas Cook + David Weisberg
Regie Ariel Vromen, USA, UK, Bulgarien 2016
Darsteller

Kevin Costner, Gary Oldman, Tommy Lee Jones, Ryan Reynolds, Jordi Mollà, Gal Gadot, Michael Pitt, Amaury Nolasco, Alice Eve, Antje Traue, Scott Adkins, Lara Decaro, Freddy Bosche, Emmanuel Imani, Harry Hepple u.a.

Genre Action, Crime, Drama
Filmlänge 113 Minuten
Deutschlandstart
30. September 2016 (DVD/Blu-Ray-Premiere)
Inhalt

Um einen teuflischen Plan zu verhindern, der das Leben der Menschen in Washington, Berlin und Peking in Gefahr bringt, werden dem inhaftierten Schwerverbrecher Jerico Stewart, einem skrupellosen Killer ohne Empathie, die letzten Erinnerungen des kürzlich ermordeten CIA-Agenten Bill Pope implantiert, um so die Geheimnisse zu enthüllen und auf die Fertigkeiten des Agenten zugreifen zu können. Die letzten Hoffnungen der CIA ruhen nun auf dem Geist eines Kriminellen.

Bill Pope war in London in Verhandlung mit dem Computer-Hacker Jan Strook, Nickname "The Dutchman", der in das Computernetz des amerikanischen Nuklearraketensystems eindringen konnte. Er hat alle wichtigen Befehle heraus bekommen und kann damit alle Nuklearraketen der USA beliebig starten.

Der Geschäftsmann Xavier Heimdahl möchte auch an diese Daten kommen und schickt seine Leute unter Führung der ehemaligen deutschen Agentin Elsa Mueller aus, um die Übergabe der Daten von Strook an Pope zu verhindern. Pope, der für Strook eine große Tasche mit Geld und einer neuen Identität dabei hat, wird von Heimdahls Leuten gefangen genommen. Heimdahl foltert Pope bis zu seinem Tode, um den Aufenthaltsort von Strook heraus zu bekommen.

Pope ist körperlich tot, aber seine Gehirnströme werden noch medizinisch aufrechterhalten. Die CIA weiß von den Experimenten Dr. Franks, der Gehirnströme eines toten Tiers auf ein lebendiges überträgt. Er wird mit seinem Team und Jerico Stewart nach London geflogen. Jerico scheint der einzige Mensch zu sein, bei dem diese Übertragung möglich ist. Als Kind hatte er einen Gehirnschaden erlitten, der die Voraussetzung für dieses Experiment schafft.

Die Übertragung der Gehirnströme scheint im ersten Moment erfolgreich zu sein, aber Jerico kann dem CIA Leiter Wells keine Informationen geben. Frustriert lässt dieser Jerico wegbringen.

Jerico kann fliehen und immer mehr Erinnerungen von Pope überfluten ihn. Er will sich die Geldtasche holen, die für Strook gedacht war …

Was zu sagen wäre

Vor zehn Jahren hätten zwei der Schauspieler als Headliners für einen A-Film gereicht; heute landet ein Film mit Kevin Costner, Ryan Reynolds, Gal Gadot, Gary Oldman und Tommy Lee Jones im DVD-Release. Das sagt viel über die aktuelle Kinolandschaft, die sich über MARVEL-Superhelden definiert, aber eben Verschwörungsschinken und seien sie noch so gut besetzt, links liegen lassen. Man könnte auch sagen: Das Kino ist einfach über diese Der-Staat-ist-böse-Filme hinweg.

So ist es auch hier wieder: Der eigentliche Killer ist der Staat. Als zwei Unschuldige als Faustpfand gegen das FBI verwendet werden, raunt der Chefagent „Die beiden sind unwichtig!“ Und Jerico, der eigentliche Killer, erwidert „Nicht für mich!“ Diese Art Thriller ist so mannigfaltig duschdekliniert, dass ihr alle Überraschungen ausgespült sind. Die Paranoia aus den 1960er Jahren, die düsteren Verschwörungsgeschichten aus den 70ern sind reiner Action und Starbesetzung gewichen. In eben jenen 70ern gab es die Katastrophenfilme rund um Airport, Poseidon und Flammendes Inferno. Auch dort gaben sich damals Stars zu Dutzenden die Hand. Dann kamen Scorsese, Spielberg, Hopper und Coppola und ein neues Kino begann. Ist also diese stargespickte Geheimdienstfilmschwemme – im kommenden Jahr startet Unlocked mit Noomi Rapace, Orlando Bloom, Toni Collette, John Malkovich, Michael Douglas; vor zwei Jahren zog Ex-CIA-Mann Pierce Brosnan gegen die Agency als November Man in die Schlacht – ein Zeichen? Einfallslos ist das große Kino des 21. Jahrhunderts ja auch längst wieder.

Realismus darf man solchen Filmen nicht im Übermaß erwarten, schließlich gibt es in diesem hier einen Dr. Franks (der Name lässt nicht zufällig Dr. Frankenstein grüßen), der Gehirnströme in ein anderes Gehirn übertragen kann. Nun ja. diese Gehirnströme führen dann auch dazu, dass sich Liebe einfach übertragen lässt: Der Agent Bill Pope ist tot, seine Witwe allein und verzweifelt. Aber dann taucht da dieser Schwerverbrecher Jerico auf mit den Erinnerungen Popes und plötzlich scheint die Liebe einfach weitergehen zu können. Irgendwie ist es da nicht mehr weit zu dem Gedanken, hier einen Film über Kevin Costner zu sehen, der einst als strahlender Held die Kinosäle füllte und sich heute mit Nebenrollen als Mentor oder etwas Ähnlichem abkämpfen muss (Batman v Superman: Dawn of Justice – 2016; 3 Days to Kill – 2014; Jack Ryan: Shadow Recruit – 2014; Man of Steel – 2013; Open Range – Weites Land – 2003; Crime is King – 2001; Thirteen Days – 2000; Aus Liebe zum Spiel – 1999; Message in a Bottle – 1999; Postman – 1997; Waterworld – 1995; Perfect World – 1993; Bodyguard – 1992; JFK – Tatort Dallas – 1991; Robin Hood – König der Diebe – 1991; Der mit dem Wolf tanzt – 1990; Feld der Träume – 1989; No Way Out – 1987; Die Unbestechlichen – 1987; Die Sieger – American Flyers – 1985; Silverado – 1985).

Hier spielt Costner mal wieder eine Hauptrolle. Die eines emotionslosen Killers, der Gefühle kriegt: „Das sind Emotionen“, sagt Dr. Franks. „Was immer es auch ist. Ich kann's nicht gebrauchen“, erwidert der operierte Jerico Steward. „Ein Leben ohne sie hat wenig zu bieten“, sagt Franks. Costner zeigt, dass er besser als seine Auftragslage im Kino ist. Er spielt seinen Jerico vom emotionslosen Killer bis zum Herz-Erkenner und -Lerner. Im zweiten Drittel gibt es eine lange Passage, die er allein tragen muss. Da ist keine Minute langweilig.

Sein Gegenspieler, den CIA-Stationschef in London spielt Gary Oldman (Planet der Affen: Revolution – 2014; RoboCop – 2014; Paranoia - Riskantes Spiel – 2013; The Dark Knight Rises – 2012; Dame, König, As, Spion – 2011; The Dark Knight – 2008; Harry Potter und der Orden des Phönix – 2007; Batman Begins – 2005; Harry Potter und der Gefangene von Askaban – 2004; Hannibal – 2001; Rufmord - Jenseits der Moral – 2000; Lost in Space – 1998; Air Force One – 1997; Das fünfte Element – 1997; Léon – Der Profi – 1994; True Romance – 1993; Bram Stoker‘s Dracula – 1992; JFK - Tatort Dallas – 1991). Oldman zeigt nichts Neues. Sein Quaker Wells ist ein wenig hektisch, weil er den Ereignissen immer nur hinterher rennt und zwischendurch darf er auch mal rumschreien „Ist mir egal ob, er stirbt!“ Aber natürlich ist Tommy Lee Jones als Dr. Franks großartig in seiner Tommyleejoneshaftigkeit, der seine Tränensäcke ums Dreifache vergrößern und seine Dackelaugen noch dackeliger machen kann (Malavita – The Family – 2013; Lincoln – 2012; Captain America: The First Avenger – 2011; Robert Altman's Last Radio Show – 2006; Space Cowboys – 2000; Men in Black – 1997; Auf der Flucht – 1993).

Ganz verliebt aber ist Ariel Vromen in seine Nebendarstellerin London. Die britische Hauptstadt zeigt zwar auch er wieder häufig aus der Luft; er gewinnt der Struktur aber ein paar schöne neue Eindrücke ab. Vor allem auf einer Drehbrücke inszeniert er eine schöne Schießerei. Insgesamt ansehbar, aber nicht zwingend.

Wertung: 3 von 8 €uro
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