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Plakatmotiv: Thirteen Days (2000)

Polit-Thriller im Kinoals
große Geschichtsstunde

Titel Thirteen Days
(Thirteen Days)
Drehbuch David Self
nach dem Buch "The Kennedy Tapes – Inside the White House During the Cuban Missile Crisis" von Ernest R. May & Philip D. Zelikow
Regie Roger Donaldson, USA 2000
Darsteller

Kevin Costner, Bruce Greenwood, Steven Culp, Dylan Baker, Michael Fairman, Henry Strozier, Frank Wood, Lucinda Jenney, Kevin Conway, Len Cariou u.a.

Genre Drama, Historie
Filmlänge 145 Minuten
Deutschlandstart
22. März 2001
Inhalt

13 Tage lang hielt die Welt im Oktober 1962 den Atem an. 13 Tage, in denen das Undenkbare, der Dritte Weltkrieg, zum Greifen nah schien. In West und Ost verfolgten die Menschen gebannt jeden Schritt einer politischen, diplomatischen und militärischen Konfrontation, die um ein Haar in der atomaren Apokalypse gemündet hätte.

Im Zentrum der Krise standen Präsident John F. Kennedy, sein Bruder und Justizminister Robert sowie Verteidigungsminister Robert McNamara, UN-Botschafter Adlai Stevenson, der sowjetische Außenminister Andrei Gromyko und andere, deren Namen heute in jedem Geschichtsbuch stehen.

Vor allem aber waren es JFK und Bob Kennedy, die im Mittelpunkt des rasend eskalierenden Konflikts standen. An ihrer Seite stand der Präsidentenberater und enge Vertraute Kenneth P. O'Donnell. Durch seine Augen werden die Geschehnisse in jenen 13 Tagen erzählt: die hitzigen Diskussionen im Weißen Haus, die amerikanischen Spionageflugzeuge, die die Raketenbewaffnung Kubas durch die UdSSR dokumentieren; die Konfrontation zwischen amerikanischen und russischen Kriegsschiffen im Atlantik; die Ratlosigkeit der westlichen Kräfte, hin und hergerissen zwischen Kriegstreiberei und hilfloser Politik der Entspannung …

Was zu sagen wäre

Der eigentliche Krieg spielt sich im Oktober 1962 nicht rund um Kuba ab. Der eigentliche Krieg spielt sich im Weißen Haus ab. Zwischen Präsident Kennedy, seinem Bruder Bob sowie beider enger Vertrauter Kenny O'Donnell auf der einen Seite und den Generälen auf der anderen. Die Generäle dringen auf einen Luftangriff gegen die Raketen auf Kuba, Kennedy will eine Eskalation der kippligen Situation unbedingt vermeiden. Die Generäle halte ihn für entscheidungsschwach, Kenny O'Donnell spricht von einem Komplott der Generäle gegen den Präsidenten.

Die Kamera verlässt das Weiße Haus selten. Da sehen wir drei Männer, die die Köpfe zusammenstecken, Strategien entwickeln, ohne genau zu wissen, wie weit die Russen gehen, ob ein Luftangriff nicht doch unvermeidlich ist. Es ist ein Pokerspiel auf höchstem Niveau. John F- Kennedy schaut bedächtig aus dem Fenster des Oval Office; da stellt Regisseur Roger Donaldson eine berühmte Fotografie des in November 1963 ermordeten Präsidenten nach. Andere Schauplätze sind Militärflughäfen und ein bisschen Zivilleben der Protagonisten, gerade so viel, dass klar wird, dass es hier auf höchster Ebene zwar um Weltpolitik geht, die sich im Grunde aber um Menschen dreht, Bürger, Normales, Kinder die Football spielen. Auf dem Höhepunkt der Krise sehen wir eine Schlange aus Menschen, die vor einer Kirche wartet, um sich dann drinnen die Beichte abnehmen zu lassen. Es stand wirklich spitz auf Knopf in diesen, das macht dieses spektakulär gefilmte Kammerspiel deutlich.

Ein ur-amerikanisches Thema, wie gemacht für Kevin Costner, der seinen vielen Patrioten-Rollen eine weitere hinzufügt (Aus Liebe zum Spiel – 1999; Message in a Bottle – 1999; Postman – 1997; Waterworld – 1995; Perfect World – 1993; Bodyguard – 1992; JFK – Tatort Dallas – 1991; Robin Hood – König der Diebe – 1991; Der mit dem Wolf tanzt – 1990; Feld der Träume – 1989; No way out – 1987; Die Unbestechlichen – 1987; Die Sieger – American Flyers – 1985; Silverado – 1985). Costner spielt O'Donnell, Ex-Quarterback in Harvard, jetzt der stets besonnene, die Kennedys bewundernde aber auch hart kritisierende persönliche Berater des Präsidenten, verheiratet mit einer Frau, die ihm den Rücken frei hält und die fünf Kinder versorgt, während er die Welt rettet.

John F. Kennedy wird gespielt von Bruce Greenwood (Rules – Sekunden der Entscheidung – 2000; Doppelmord – 1999; Passagier 57 – 1992) als von Rückenschmerzen geplagtes, hochintelligentes Lookalike des historischen Präsidenten, der seine geifernden Generäle im Zaum zu halten versteht und gar nicht verstehen kann, wieso irgendjemand überhaupt jemals Menschenleben aufs Spiel setzen will.

Kaum jemand weiß wirklich, was sich in den 13 hektischen Tagen des Oktober 1962 hinter den Mauern des Weißen Hauses zugetragen hat. Fest steht lediglich, dass die Welt viel näher vor einem Atomkrieg stand, als man damals annahm. Drehbuchautor David Self sichtete Kassettenaufzeichnungen, Memoiren, Artikel und CIA-Dokumente und führte zahllose Interviews mit Beteiligten beider Lager. Die Ergebnisse und Erkenntnisse fügte Regisseur Roger Donaldson (Dante's Peak – 1997; Species – 1995; "Getaway" – 1994; Cocktail – 1988; No Way Out – 1987) zu einer packenden Geschichtsstunde zusammen. Es wird viel geredet und gut gespielt. Das macht den Thriller aus den Korridoren der Macht zu einem intensiven Spiel mit politischen Finten und atomarem Muskelspiel.

Wertung: 10 von 11 D-Mark
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