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Plakatmotiv: Robin Hood – König der Diebe (1991)

Ein krachendes Abenteuer
für das 90er-Jahre-Kino

Titel Robin Hood – König der Diebe
(Robin Hood: Prince of Thieves)
Drehbuch Pen Densham & John Watson
Regie Kevin Reynolds, USA, UK 1991
Darsteller

Kevin Costner, Morgan Freeman, Mary Elizabeth Mastrantonio, Christian Slater, Alan Rickman, Geraldine McEwan, Michael McShane, Brian Blessed, Michael Wincott, Nick Brimble, Soo Drouet, Daniel Newman, Daniel Peacock, Walter Sparrow, Harold Innocent u.a.

Genre Abenteuer, Action
Filmlänge 143 Minuten
Deutschlandstart
5. September 1991
Inhalt

England im 12. Jahrhundert. Der adlige Robin von Locksley kehrt nach mehrjähriger Kriegsgefangenschaft in seine Heimat zurück. Während der Abwesenheit von König Richard Löwenherz hat der grausame Sheriff von Nottingham die Regentschaft an sich gerissen und führt das Volk mit eiserner Hand.

Zusammen mit seinem Kameraden Azeem flüchtet Robin in die Wälder von Sherwood, wo sie Unterschlupf bei einer Gruppe Gesetzloser finden. Mit raffinierten Attacken und Überfällen entledigt die Truppe um Robin Hood den Sheriff und dessen aristokratisches Gefolge ihrer Besitztümer, die sie anschließend unter dem armen Volk verteilt.

Bei seinen Raubzügen kommt Robin Hood den wahren Absichten des Sheriffs auf die Schliche …

Was zu sagen wäre

Die Legende über den Mann, der von den Reichen nimmt und den Armen gibt, bekommt eine zeitgenössische Auffrischung. Im Kino ist Robin Hood seit 1938 fest mit Errol Flynn Darstellung des Rächers in Strumpfhosen verbunden. Nach dessen Auftritt als Robin Hood, König der Vagabunden gab es bis zu Richard Lesters Robin und Marian (1976), der der Legende eine zynische Note mitgab, keinen ernst zu nehmenden Robin-Hood-Film mehr, abgesehen natürlich von Walt Disneys Version, die sich eng an die 1938er-Version anlehnte.

Auftritt Kevin Costner, Star der Stunde (Der mit dem Wolf tanzt – 1990; Feld der Träume – 1989; No Way Out – 1987; Die Unbestechlichen – 1987; Die Sieger – American Flyers – 1985; Silverado – 1985). Der Amerikaner stattet den englischen Volkshelden mit dem breitbeinigen Charme eines US-Westküstlers aus, der intuitiv vieles nicht richtig macht, eigentlich wenig Ahnung, aber immer die Gerechtigkeit und einen starken Freund an seiner Seite weiß. Sie nennen ihn komischerweise „Robin the Hood“, obwohl er nie eine Kapuze trägt. Er ist ein guter Kämpfer, schließlich hat er jahrelang auf den Kreuzzügen an Richard Löwenherz' Seite gekämpft, bevor er für Jahre in einem schimmeligen Gefängnis zu verrotten drohte. Von dort kann er mit dem Mut der Verzweiflung fliehen und hat fortan einen Begleiter – den Mauren Azeem, der Robin sein Leben verdankt und deshalb nicht von seiner Seite weicht; da steht plötzlich ein Moslem an der Seite des englischen Christen und beide bekämpfen einen Mann, der sich mit den dunklen Mächten der Schwarzen Magie eingelassen hat.

Mit der Religion ist das in diesem Film, der auf Völkerverständigung aus ist, so einen Sache. Mag der Maure auch von den Männern im Wald auch als Heide und Wilder misstrauisch beäugt werden, ist er immer einen Schritt voraus. Er hat ein Fernglas, was in England unbekannt ist. Er kennt Schießpulver, dessen Existenz sich bis England noch nicht rumgesprochen hat. Er weiß bei einer Schwangeren um die Möglichkeit eines Kaiserschnitts. Azeem Edin Bashir Al Bakir ist ein neugieriger, in sich ruhender Charakter, der mit gleichmütigem Schweigen zur Kenntnis nimmt, dass die hurenden und saufenden Christen nicht einmal ihren eigenen Glauben unter Kontrolle haben. Azeem ist eine starke Figur. Morgan Freeman (Fegefeuer der Eitelkeiten – 1990; Miss Daisy und ihr Chauffeur – 1989) spielt sie zurückhaltend, sich wundernd über die Gebräuche in diesem nasskalten Land („Die Gastfreundschaft in diesem Land ist so warm wie das Wetter.“) und mit knappen, ironischen One-Linern immer zur rechten Zettel am rechten Platz. Azeems Beobachtungen über die so wenig zivilisierten zivilen Menschen im England jener Zeit brechen den heiligen Ernst, mit dem an die Befreiung des Landes gegangen wird.

Lady Marian hat sich emanzipiert. Kennengelernt haben wir sie einst an Errol Flynns Seite als bescheidenes, hingebungsvolles Königsmündel. Mary Elizabeth Mastrantonio ("Das Gesetz der Macht" – 1991; Abyss – Abgrund des Todes – 1989; Die Farbe des Geldes – 1986; Scarface – 1983) spielt sie heute als kämpferische Frau, die sich durchzusetzen weiß und ihre Stärke erst einbüßt, als sie sich in Robin Hood verliebt. Das ist zwar ein fragwürdiges Motiv, aber offenbar brauchen Heldenfilme immer noch eine veritable Damsel in Distress.

Der einzige, der in diesem Film eine charakterliche Veränderung erlebt, ist der Titelheld. Seit den farbenfrohen Zeiten von Errol Flynn hat sich die Welt weitergedreht. Nicht mehr dreht sich alle Welt um den Helden. Heute entwickelt sich der main charakter innerhalb der harten realen Welt zu jenem Helden, auf den wir im Kinosessel alle warten. Der einst arrogante Schnösel Robin von Locksley wurde erst in den Kreuzzügen geläutert, in den Seen aus Blut, in denen er gekämpft hat. Dort hat er erkannt, dass geborene Edelleute Feiglinge sind und einfache Bauern sogar noch ihr Pferd bis auf den letzten Tropfen Blut verteidigen. Als er dann nach England zurückkehrt, in ein verheertes Land, beschließt er, den Kampf aufzunehmen, sich an die Spitze einer kleinen Gruppe Verzweifelter zu stellen und gegen den Sheriff von Nottingham in die Schlacht zu treten. Dieser Sheriff ist dann die eigentliche Attraktion dieses Films.

Alan Rickman spielt den Sheriff von Nottingham als mörderisch eitlen, jähzornigen, bösartigen Mann, der der Schwarzen Magie anhängt. Rickman, noch in guter Erinnerung als eleganter Schurke Hans Gruber in Stirb Langsam (1988) tobt sich als Nottingham derart aus, dass es Gerüchte gibt, wonach Costner als Co-Produzent Rickmans Rolle auf ein Minimum Zusammenkürzen ließ, um nicht neben ihm als Schauspieler unterzugehen. So oder so ist Rickman der bleibende Charakter in diesem spannenden Abenteuer, das mit spannenden Kampfszenen, lustigen Dialogen, großartigen Bildern aus dem nebelverhangenen Wald und guten Ideen aufwartet.

Wertung: 9 von 10 D-Mark
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