Kaum ist der Ganove Archibald Dortmunder aus dem Gefängnis entlassen, wartet das nächste große Ding auf ihn. Der Ständige Vertreter des afrikanischen Landes Zentral-Watabi bei der UNO beauftragt ihn mit dem Diebstahl des wertvollen Sahara-Steins: „Die Länder Vorder- und Zentral-Watabi haben sich den Sahara Stein gegenseitig laufend seit Generationen gestohlen. Wir sind der Ansicht, dass er ursprünglich uns gehörte.“
Zusammen mit seinen Kollegen Kelp, Murch und Greenberg heckt Dortmunder einen Plan aus, wie sie den Diamanten aus dem Museum klauen können, in dem er gegenwärtig ausgestellt wird. Der Coup klappt so halbwegs, sie bekommen den Diamanten, aber Greenberg wird festgenommen mit dem Diamanten in der Tasche. Unbemerkt verschluckt er ihn.
Nun müssen die drei übrigen Komplizen in das Gefängnis einbrechen, um Greenberg, der dort auf seinen Prozess wartet, zu befreien. Und das wird nicht der letzte Einbruch sein, den die Vier durchziehen müssen, um an den Diamanten zu kommen …
Vier Spezialisten planen einen Einbruch, um etwas Wertvolles zu stehlen. Das ist die Ausgangslage vieler Heist-Movies, wie dieses Genre in den USA heißt. Im vorliegenden fall haben wir einen raffinierten Tüftler, um den Plan auszuarbeiten, einen, der sich mit Schlössern auskennt, einen für den Sprengstoff und schließlich den Fahrer, der stundenlang referiert, wie man zu welcher Tageszeit am geschicktesten von A nach B durch New York kommt und der sogar einen Hubschrauber fliegen kann – der allerdings beim unerwartet dritten Einbruch nötig wird, der dann auch noch nicht zum Ziel führt.
Der Diamant, der lediglich als MacGuffin fungiert, um die Vier in Bewegung zu bringen, entkommt seinen Dieben immer wieder, der afrikanische Auftraggeber muss hohe Spesen bezahlen,
um all die Gimmicks zu besorgen, die die Männer für ihre Brüche benötigen. Bloß die Dramaturgie wirkt mit der Zeit ermüdend. Nach dem dritten erfolgreichen, aber wieder ertragsarmen Überfall folgt eine saubere Erpressung auf Leben und Tod und schließlich ein vierter Überfall, der dann lächelnd in den Sonnenuntergang endet.
Da hat der Film sein Pulver längst verschossen. Dass der hohe UNO-Politiker sich unentwegt mit Vorbestraften treffen und riesige Lkw und gar Hubschrauber besorgt, ohne dass der Sicherheitsapparat der UNO stutzig wird, geschenkt: Der Mann genießt diplomatische Immunität, wahrscheinlich Interessent es einfach niemanden, was der so macht.
Aber dass nach dem Diamantenraub aus dem Museum der einzige Festgenommene nicht einem anhaltenden Verhör unterzogen wird, sich stattdessen mit seinem Zellennachbarn über dessen Fußpflege streitet. Dass sie nach dem dritten Einbruch mitten in Manhattan in ein Polizeirevier mit ihrem schon erwähnten Hubschrauber unverfolgt entkommen können und auch sonst keine Polizei mal wenigstens halbwegs gefährlich wird, das stößt auf Dauer doch auf die Laune. Denn wen den Vieren ohnehin nichts passiert, worin soll dann die Spannung liegen? Womit soll ich fiebern? Immerhin ein Anwalt, Vater einer der vier Männer, sorgt kurz für Aufregung, an der der Job doch noch scheitern könnte. Zero Mostel spielt ihn in gewohnt exaltierter Form mit großen Augen und hinterlistigem Grinsen (Frühling für Hitler – 1967; "Toll trieben es die alten Römer" – 1966; Der Tiger – 1951).
Regisseur Peter Yates tischt visuell alles auf, was das zeitgenössische Kino braucht. Es gibt eine rasante Autofahrt, einen cleveren Bruch, spektakuläre Flugaufnahmen über Manhattan, <Nachtrag2002>Mehrmals fängt die Kamera die Zwillingstürme des 1972 noch im Bau befindlichen World Trade Centers ein, die am 11. September 2001 von Terroristen zerstört wurden</Nachtrag2002>, auffällig viele Szenen an echten Drehorten (also nicht im Studio) und eine Rolle für Robert Redford (s.u.) mit der er seine Rollenvielfalt vergrößern kann – er zeigt sein charmantes Bubilächeln und tritt als harter Kerl auf, als gerissener Gauner, dem man stets die Sorge ansieht, dass doch etwas schief gehen könnte.
Ein lustiges Konzept, fünf Überfälle zu erfinden, um einen Diamanten zu stehlen. Sonst sind es eher fünf Diamanten, die mit einem Bruch geklaut werden sollen. Das Konzept funktioniert eine Zeit lang, verliert dann aber an Wucht, an Spannung und an Witz. Und dann gucken wir nur noch zu, sehen aber nichts mehr.
Die Kinofilme mit Robert Redford
- Hinter feindlichen Linien (1962)
- Lage hoffnungslos - aber nicht ernst (1965)
- Verdammte süße Welt (1965)
- Ein Mann wird gejagt (1966)
- Dieses Mädchen ist für alle (1966)
- Barfuß im Park (1967)
- Butch Cassidy und Sundance Kid (1969)
- Schussfahrt (1969)
- Blutige Spur (1969)
- Stromer der Landstraße (1970)
- Vier schräge Vögel (1972)
- Jeremiah Johnson (1972)
- Bill McKay – Der Kandidat (1972)
- Cherie Bitter / So wie wir waren (1973)
- Der Clou (1973)
- Der große Gatsby (1974)
- Tollkühne Flieger (1975)
- Die drei Tage des Condor (1975)
- Die Unbestechlichen (1976)
- Die Brücke von Arnheim (1977)
- Der elektrische Reiter (1979)
- Brubaker (1980)
- Der Unbeugsame (1984)
- Jenseits von Afrika (Out of Africa, 1985)
- Staatsanwälte küsst man nicht (1986)
- Havanna (1990)
- Sneakers – Die Lautlosen (1992)
- Ein unmoralisches Angebot (1993)
- Aus nächster Nähe (1996)
- Der Pferdeflüsterer (1998)
- Die letzte Festung (2001)
- Spy Game – Der finale Countdown (2001)
- Anatomie einer Entführung (2004)
- Ein ungezähmtes Leben (2005)
- Von Löwen und Lämmern (2007)
- The Company You Keep – Die Akte Grant (2012)
- All Is Lost (2013)
- Captain America: The Winter Soldier (2014)
- Picknick mit Bären (2015)
- Der Moment der Wahrheit (2015)
- Elliot, der Drache (2016)
- The Discovery (2017)
- Unsere Seelen bei Nacht (2017)
- Ein Gauner & Gentleman (2018)
- Avengers: Endgame (2019)
Die Regiearbeiten von Robert Redford fürs Kino
- Eine ganz normale Familie (1980)
- Milagro – Der Krieg im Bohnenfeld – (1988)
- Aus der Mitte entspringt ein Fluss (1992)
- Quiz Show (1994)
- Der Pferdeflüsterer (1998)
- Die Legende von Bagger Vance (2000)
- Von Löwen und Lämmern (2007)
- Die Lincoln Verschwörung (2010)
- The Company You Keep – Die Akte Grant (2012)
